Bild: Stefan Heinze

„Zukunft der Reformation“

Tagesthema 23. Juni 2017

Erster Sprengel-Sommer-Empfang von Landessuperintendentin Dr. Petra Bahr

Rund 200 Gäste aus Politik, Kultur, Gesellschaft und der Ökumene folgten am Mittwochabend der Einladung von Landessuperintendentin Dr. Petra Bahr zum Johannis-Empfang des Sprengels Hannovers. Die Neustädter Hof- und Stadtkirche bot bei sommerlichen Temperaturen ein kühles Plätzchen für Begegnungen und Gespräche unter dem Motto des Abends „Zukunft der Reformation“.

Prof. Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien, hielt den Festvortrag mit dem Titel „Was Martin Luther uns heute zu sagen hätte“. Dass ihr als Katholikin das Rednerpult und die Auseinandersetzung mit dem revolutionären Vermächtnis Martin Luthers überlassen sei, deutete Grütters als ein wunderbares Beispiel für gelebte Ökumene. Die bekennende Katholikin Grütters ist seit 2013 Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien und zugleich Sprecherin für Kultur im Zentralkomitee der deutschen Katholiken.

Gewissensfreiheit, Urteilskraft und Zivilcourage

Die Staatsministerin würdigte den Reformator Martin Luther (1483-1546) als Erneuerer des Glaubens, aber auch als zweifelnden und suchenden Menschen. "Martin Luther steht für Gewissensfreiheit, Urteilskraft und Zivilcourage", sagte sie. Er habe sich weder dem Kaiser noch dem Papst gebeugt. Er irritiere, provoziere und fordere die Menschen heraus bis heute. Luther sei zum Wegbereiter der deutschen Schriftsprache und der pluralistischen Gesellschaft geworden.

"Wenn das Reformationsgedenken uns für die Zukunft eines lehrt, dann die Bereitschaft, auch anderen Religionen eine gewisse Beweglichkeit und Lernfähigkeit zuzugestehen – und unseren Teil dazu beizutragen, dass dieser Lernprozess diesmal nicht jahrhundertelang dauert.“ Die Auseinandersetzung mit Luther rege heute dazu an, selbst  Suchende und Fragende zu bleiben und das Ringen um Antworten auf letzte Fragen apodiktischen Wahrheitsansprüchen vorzuziehen. „Martin Luther lehrt uns, nicht nur den Glauben, sondern auch den Zweifel zu kultivieren.“

Grütters unterstrich zudem den Wert der Kunstfreiheit in einer demokratischen Gesellschaft. "Den Zweifel kultivieren, das ist eine Lehre aus der Geschichte des 20. Jahrhunderts." Aus gutem Grund habe Deutschland die Kunstfreiheit in den Verfassungsrang erhoben. "Künstler und Kreative gehören zum Korrektiv einer Gesellschaft", sagte die Ministerin. "Mit ihren Fragen, ihren Zweifeln, ihren Provokationen beleben sie den demokratischen Diskurs." Sie könnten so die Gesellschaft vor gefährlicher Lethargie und totalitären Anwandlungen bewahren.

Das moralisch-ethische Gerüst unserer Gesellschaft

Dem Festvortrag ging ein Grußwort von Prof. Dr. Katja Lembke voraus. Die Direktorin des Landesmuseums Hannover, die auch Synodenmitglied der ev.-luth. Landeskirche Hannovers ist, unterstrich in ihrem Redebeitrag, dass das Christentum nicht allein nach der Kirchenmitgliedschaft bemessen werden könne. „Christentum ist das moralisch-ethische Gerüst unserer Gesellschaft, damit ist es nicht tot, sondern lebt von Generation zu Generation weiter.“

Die Rede vom „postchristlichen Zeitalter“ treffe daher nicht zu. „Zahlreiche Flüchtlinge kämen heute nach Europa, gerade weil sie auf ein liberales Menschenbild stoßen, das durch Christentum und Humanismus geprägt worden ist.“ Lembke ruft daher dazu auf, sich mit Stolz zu den christlichen Grundwerten zu bekennen, ohne dabei die Schattenseiten der Geschichte zu vergessen.

Fabian Gartmann / epd

Wenn das Reformationsgedenken uns für die Zukunft eines lehrt, dann die Bereitschaft, auch anderen Religionen eine gewisse Beweglichkeit und Lernfähigkeit zuzugestehen – und unseren Teil dazu beizutragen, dass dieser Lernprozess diesmal nicht jahrhundertelang dauert.

Prof. Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien in ihrem Festvortrag

Der Sprengel

Der evangelisch-lutherische Sprengel Hannover ist die Kirchenregion in und um die Landeshauptstadt Hannover mit rund 550.000 Kirchenmitgliedern. Landessuperintendentin Dr. Petra Bahr steht dem Sprengel als Regionalbischöfin vor und ist für die mehr als 220 Kirchengemeinden und 440 Pastorinnen und Pastoren zuständig.

Der Sprengel Hannover ist spannend und spannungsvoll zugleich: einerseits Dorf- und Landleben, anderserseits pulsierende Großstadt. Event und Tradition. Gelingendes Miteinander und Fremdheit zwischen Kulturen und Religionen. All dies kennzeichnet den Sprengel mit seinem Stadtkirchenverband Hannover und den acht „Land“-Kirchenkreisen  von Stolzenau bis Burgdorf, von Nienburg bis Pattensen. Wunderschöne Kirchen, Klöster und Kapellen, die zu Besinnung und Gebet einladen. Christinnen und Christen, die das Spannungsvolle spannend finden. Den Dialog suchen. Sich engagieren. Netze knüpfen zu Menschen und Institutionen. Aufgeschlossen und mit Profil.

Sprengel Hannover

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