Flüchtlinge als Bufdis

Tagesthema 22. Juni 2017

Künkel: Freiwilligendienst fördert Integration von Flüchtlingen - Diakoniechef fordert mehr Werbung für das Angebot

Niedersachsens Diakoniechef Christoph Künkel hält den seit 2015 angebotenen Bundesfreiwilligendienst für Flüchtlinge für ein Erfolgsmodell. Bei der gemeinsamen Arbeit mit anderen Freiwilligen in sozialen Einrichtungen lernten die Geflüchteten zugleich die deutsche Sprache und Kultur kennen, sagte der Vorstandssprecher der Diakonie in Niedersachsen am Mittwoch in Hannover: "Das ist einer der gelungensten Ansätze für die Integration." Allerdings werde nicht genug für das Angebot geworben, denn längst nicht alle Plätze seien ausgeschöpft.

Der Bund hatte Ende 2015 das Sonderprogramm "BFD mit Flüchtlingsbezug" aufgelegt und dafür 50 Millionen Euro jährlich zur Verfügung gestellt. Bis zu 10.000 Plätze pro Jahr stünden seitdem bundesweit für Einheimische und Flüchtlinge zusätzlich zur Verfügung, sagte die Referentin für den Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug in der Diakonie in Niedersachsen, Laura Karrasch.

Bisher hätten aber insgesamt nur rund 7.600 Freiwillige teilgenommen, unter ihnen 2.700 geflüchtete Menschen. Das Programm läuft bis Ende 2018. 

Die Diakonie in Niedersachsens bietet Karrasch zufolge im neuen Jahrgang ab August 75 Plätze an. Davon seien 33 besetzt, darunter 19 Geflüchtete und 14 deutsche Freiwillige, die in der Flüchtlingshilfe tätig sind. In einigen Einrichtungen wie dem diakonischen Krankenhaus Annastift in Hannover arbeiten nach einem "Tandem-Modell" Einheimische und Flüchtlinge in einem Zweierteam zusammen.

Brücken bauen

Sowohl die Geflüchteten als auch die Einrichtungen profitierten von dem Programm, betonten die Freiwillige Joudy Kahil und die Flüchtlingskoordinatorin Egle Preine von der Diakonie in Celle.

Die aus Syrien geflohene Kahil ist seit Mai im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes in der Flüchtlingsarbeit der Diakonie tätig. Sie habe viel besser Deutsch gelernt, und gegenseitige Vorurteile seien geschwunden, erläuterte die 23-jährige Muslima. "Auf diese Weise gelingt die Integration: wenn Deutsche anderen eine Chance geben, egal ob sie einer anderen Religion angehören oder ob sie weiß oder schwarz sind."

Kahil unterstützt unter anderem als Dolmetscherin die Schwangerschaftskonfliktberatung für Flüchtlinge. Damit helfe sie, Brücken zu bauen, sagte die Flüchtlingskoordinatorin Preine. 

epd

Für uns steht der BFmF neben der Tatsache, dass Geflüchtete, die einen Bundesfreiwilligendienst leisten, im täglichen Miteinander in ihrer Einsatzstelle und auf den Bildungsseminaren die deutsche Sprache sehr schnell erlernen auch, dass sie in unserer Gesellschaft und Kultur ankommen, sich engagieren und einbringen können und ihre Chancen nachweislich erhöht sind, einen anschließenden Arbeits- oder Ausbildungsvertrag zu erhalten. Und das Miteinander mit deutschen Freiwilligen und Kolleg*innen  in den Einsatzstellen und auf den Bildungsseminaren den kulturellen Austausch und das gegenseitige Verstehen wird befördert.
 

Christine Vetter Referat Freiwilligendienste der Diakonie Niedersachsen