Tweed - für Frauen in Indien

Tagesthema 07. Juni 2017

Hannoversches Frauenwerk will das Projekt im Bundesstaat Tamil Nadu bis 2019 weiter unterstützen

Das indische Mikrokredit-Projekt Tweed wird weitere drei Jahre vom Frauenwerk der Hannoverschen Landeskirche unterstützt. Bis 2019 sollen wieder jährlich 6000 Euro aus der landeskirchlichen Kollekte am Frauensonntag in das wachsende Entwicklungsprojekt im Bundesstaat Tamil Nadu fließen. Den Vertrag unterzeichneten jetzt Landespastorin Franziska Müller-Rosenau, Leiterin des Frauenwerkes und Tweed-Direktorin Irene Williams, bei ihrem alljährlichen Besuch in Hannover.

Bei dem Projekt haben den Angaben zufolge mittlerweile mehr als 200 Frauen in mehreren Dörfern rund um die südindische Metropole Chennai (Madras) einen Kleinkredit erhalten, mit dem sie sich ein eigenes kleines Geschäft aufbauen konnten.

Williams berichtete Müller-Rosenau von gravierenden Änderungen des Projektes im vergangenen Jahr: Am 8. November hatte der indische Premierminister Navendra Modi überraschend - selbst für seine Minister - abends um 20 Uhr bekannt gegeben, dass ab sofort 500 Rupie-Banknoten nur noch bis Jahresende gültig sind, und 1000-Rupie-Noten ganz abgeschafft werden - das sind 86 Prozent des indischen Bargeldes.

Diese Banknoten entsprechen 6,80 Euro beziehungsweise 13,60 Euro und sind die meist genutzten Scheine. Mit diesem Coup sollten Geldwäsche und Steuerhinterziehung bekämpft werden und alle Inder gezwungen werden, Bankkonten zu eröffnen.

Das Anliegen begrüßt Williams, aber die abrupte Durchführung war ihr unverständlich. „Es war wie im Krieg“, berichtete sie. Die 1,3 Milliarden Inder mussten in kurzer Frist ihre Scheine umtauschen, die Banken waren darauf nicht vorbereitet, wie auch nicht auf die massenhaften Kontoeröffnungen. 

13 Jahre Unterstützung

Im Tweedprojekt hatten bislang die Frauen Sammelkonten, aus denen die Gruppe ihre Kredite empfing und in die sie die Rückzahlungen bei ihren Treffen in bar leisteten.

Über Nacht mussten Williams und ihre Helferinnen den Frauen Kontoführung und die Beantragung von Bank-Scheckkarten beibringen. Und jede hat nun ein eigenes Konto und der Gruppendruck für die Rückzahlung der Mini-Kreditraten ist so nicht mehr gegeben.

„Korruption und Schattenwirtschaft zu bekämpfen ist ein positives Anliegen; aber diese Umsetzung hatte viele negative Folgen, besonders für Arme und Menschen aus der Mittelschicht“ resümierte Müller-Rosenau.

Umso wichtiger sei die weitere Unterstützung dieses als gemeinnützig anerkannten Frauenprojektes, das seit 13 Jahren vom Frauenwerk gefördert wird, so die Landespastorin abschließend.

Irene Williams wurde begleiet von ihrem Ehemann Dr. William Gnanasekaran, der zurzeit eine Gastprofessur in Erlangen und Konstanz inne hat. Das Ehepaar besuchte zudem Sohn und Enkelkinder, die in Stuttgart leben. 

Gunnar Schulz-Achelis/ HkD; epd

Das Projekt

Die gelernte Bankerin Irene Williams startet 2001 zunächst mit privaten Mitteln ein Kleinkreditprogramm nach dem Vorbild der Grameen-Bank: Frauen sparen etwas Geld und erhalten aus dem Ersparten der anderen Frauen des Dorfes Kleinkredite, die etwa in die Schulbildung der Kinder oder ein kleines Gewerbe investiert werden. 95 Prozent der Niedrigzins-Kredite fließen pünktlich zurück, sodass nächste Kredite mit immer größeren Summen gewährt werden

Mittlerweile veranstaltet TWEED auch Kurse für das Schneidern, Schreibmaschine-Schreiben und Computerbasiskenntnisse. Weitere Themen sind gelegentlich Englisch, Buchhaltung und Grundkenntnisse im Elektro- und Klempnerhandwerk. Sehr erfolgreich ist auch eine Art Hausaufgabenhilfe für Kinder aus armen oder bildungsfernen Familien. Das Entscheidende sei aber der Wandel im Bewusstsein der Selbsthilfegruppen. Bei den regelmäßigen Treffen der armen Frauen, die zunächst für deren Männer etwas ungewohnt waren, werden auch Probleme mit Gewalt in der Ehe, AIDS, Gesundheit und alle anderen möglichen Themen „zwischen Himmel und Erde“ besprochen.

Gunnar Schulz-Achelis/ HkD

Mehr zum Projekt

Der Frauensonntag

Offiziell wird der Gottesdienst zum Frauensonntag am 1. Sonntag nach Trinitatis, 18. Juni 2017 gefeiert, aber je nach örtlichen Gegebenheiten und Absprachen kann der Gottesdienst auch auf einen späteren Termin verlegt werden.

Die Kollekte des diesjährigen Frauensonntags geht zum Teil an das Projekt TWEED.

Infos zum Frauensonntag