Bild: Klaus G. Kohn/epd-Bild

"Im Aufbruch"

Tagesthema 08. Mai 2017

Große Reformationsausstellung eröffnet - Kooperationsprojekt mit Schauen an drei Standorten

Mit einem Festakt im Braunschweiger Dom ist am Sonnabend die Sonderausstellung "Im Aufbruch - Reformation 1517-1617" eröffnet worden. Ab Sonntag sind an drei Standorten unter anderem Bücher, Grafiken, Gemälde, Skulpturen, Alltagsgegenstände oder Abendmahlskelche zu sehen und beleuchten die norddeutsche Reformationsgeschichte, teilte das Braunschweigische Landesmuseum mit.

Die Schau ist eine von bundesweit sieben zentralen Ausstellungen zur Reformation. Insgesamt werden rund 550 Gegenstände gezeigt. Sie sind bis zum 19. November zu sehen.

Dem braunschweigischen Landesbischof Christoph Meyns zufolge dokumentiert die Ausstellung, dass es in den Regionen und Ländern nicht die eine Reformation sondern eine ganz individuelle Umsetzung der reformatorischen Ideen gegeben hat. Reformator Martin Luther (1483-1546) sei zwar nie in der Region gewesen: Die Ausstellung verdeutliche daher welche Wirkung seine Ideen hatten, wie sie umgesetzt wurden und zu welchen Aufbrüchen aber auch Brüchen sie führten.

Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister erinnerte in seinem Grußwort an die ablehnende Haltung Luthers gegenüber jeglichen Reliquien. Für den Reformator seien sie "tote Dinge" und "nutzlose Hunds- und Rossknochen" gewesen.

In der Ausstellung seien nun "tote Dinge" von Luther und aus Geschichte der Reformation zu sehen, die jedoch einen Geist des Wandels beschreiben, der bis heute nachwirke: "Klug gedeutet und interpretiert erzählen sie von der spannenden Periode des Beginns der Neuzeit."

Sechs Kapitel Reformation

Der Göttinger Theologieprofessor Arnd Reitemeier betonte, die Reformation habe nach einem "vielfältigem Aufbrechen" bis zum Ende des 16. Jahrhunderts keineswegs zu konfessioneller Geschlossenheit geführt.

Statt einer einheitlichen Kirche hätte sich unterschiedliche Konfessionen entwickelt, die sich häufig überlagerten - von den Gemeinden bis hin zu den Territorien. Es habe mehrere Generationen gedauert, bis Risse und Brüche überwunden waren. 

Die Hauptausstellung ist in sechs Kapiteln mit Titeln wie "Flüchtigkeit", "Zerrissenheit" oder "Beschleunigung" geordnet. In der Brüdernkirche und "Hinter Aegidien" stehen die Reformatoren Gottschalk Kruse (1499-1540) und Johannes Bugenhagen (1485-1558) im Mittelpunkt.

In einem eigens innerhalb der Hauptausstellung eingerichteten Museum für Kinder können sich diese auf die Spuren der Reformation begeben. Außerdem sei ein Begleitprogramm mit mehr als 40 Veranstaltungen geplant.  

Die evangelischen Landeskirchen von Braunschweig und Hannover sind gemeinsam Kooperationspartner des Projekts. Schirmherr ist der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Die evangelische Kirche erinnert 2017 an die Veröffentlichung der 95 Thesen durch Luther. Sein Thesenanschlag am 31. Oktober 1517 in Wittenberg gilt als Ausgangspunkt der weltweiten Reformation.

epd

Die große erwachte Neugier auf die Zeit des 16. Jahrhunderts, die wir im Reformationsgedenkjahr erleben, findet an den Orten der Ausstellung einen fruchtbaren Ort der Information, vor allem aber auch der Deutung und Einordnung.

Landesbischof Ralf Meister