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Zärtlicher Widerstandskämpfer

Tagesthema 18. Februar 2017

Andacht zum Sonntag Sexagesimae

„Im eisigen Ostwind habe ich heute über Zärtlichkeit nachgedacht. Die kalten Nachrichten brauchen Antwort.“ Heinz Kattner. 

Ich verkrieche mich in der Kapuze. Je stärker der Wind, desto fester ziehe ich den Mantel bis oben zu. Die Kälte schneidet ins Gesicht. Pfeift um die Nase. Böig. Mächtig. Angreifend. 

Kalt ist die Zeit geworden. Die Welt auch. Die Botschaften so, dass einem nicht warm ums Herz wird. Wo ist sie hin die Zärtlichkeit, die einen Menschen nicht wie Besitz behandelt? Und einen Hungernden nicht Wirtschaftsflüchtling nennt?

Ich kneife die Augen halb zu im eisigen Wind. Die Tränen hält das nicht. Weinen – das sind viele verschiedene Tränen. „Nur der Wind“, sagen wir, wenn wir es uns einfach machen wollen. Wer schaut noch behutsam in meine und deine Augen?

In meinem winterverschlafenen Garten gibt es eine Zärtlichkeit wie die kleine Flamme eines Schwefelhölzchens. Zart und empfindsam lodert es in der Farbe weiß. 

Marion Küstenmacher schreibt: „Das Schneeglöckchen ist der zärtlichste Widerstandskämpfer, den ich kenne. Mit sanfter Gewalt setzt es sich gegen den Frost in der schlafenden Erde durch.“ Als Zwiebelgewächse speichern Schneeglöckchen unterirdisch Energie. Sie haben Salze als Schutz gegen den Frost eingelagert. Wenn ihr Wachstum beginnt, taut der Boden. Um sie herum schmilzt der Schnee zuerst. Das Schneeglöckchen – so sagt Marion Küstenmacher weiter - „wartet nicht, bis andere aufwachen und etwas ändern. [… Es] durchbricht die Lethargie. Und rüttelt damit andere wach.“ Es ist, als rufe es heraus aus dem Winterschlaf.

Im Schneeglöckchen stecken Kraft und Zärtlichkeit zugleich. Die starre, gefrorene Erde wird gebrochen. Die schwertförmigen Blätter bohren sich durch den harten Boden und schicken den Winter weg. 

Auch in uns ist doch eine Zärtlichkeit. Feuer und Flamme fürs Leben und die Menschen. Beginn vom Reich Gottes. Nicht auf Sparflamme, sondern lichterloh.

Pastor Mathis Burfien

Der Bibeltext

Und er sprach: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft und schläft und steht auf, Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst – er weiß nicht wie. Von selbst bringt die Erde Frucht, zuerst den Halm, danach die Ähre, danach den vollen Weizen in der Ähre. Wenn aber die Frucht reif ist, so schickt er alsbald die Sichel hin; denn die Ernte ist da.

Mk 4,26-29