Bild: Helge Meyn-Hellberg

Schule mit allen Sinnen wahrnehmen

Tagesthema 06. Februar 2017

Dirk Wilkening als neuer Schuleiter des Gymnasiums Andreanum in Hildesheim eingeführt

Die gesamte Schülerschaft des Hildesheimer Gymnasiums Andreanum hatte sich in der Sankt Andreaskirche versammelt, um Dirk Wilkening zu begrüßen und mit ihm den Einführungsgottesdienst in seine neue Aufgabe als Schulleiter des Gymnasiums in Trägerschaft der Evangelisch-lutherischen Landeskirche zu feiern. Auch das Kollegium der Schule und viele Eltern hatten sich auf den Weg gemacht, um bei der Festlichkeit in der vollbesetzten Andreaskirche dabei zu sein. Für die Landeskirche und deren Evangelisches Schulwerk begrüßte Frau Oberlandeskirchenrätin Kerstin Gäfgen-Track den 52jährigen Wilkening, der zuvor stellvertretender Schulleiter an einer evangelischen Schule in Bielefeld war. In der Stadt an der Innerste ist Wilkening, der als Lehrer Deutsch, evangelische Religion und Theater unterrichtet, zur Welt gekommen. Umramt wurde die Feier vom Schulchor des Andreanums und vom Bläserensemble und auch die Gemeindelieder wurden von Fanny Sommerfeld, ebenfalls als Schülerin der Schule, an der Orgel begleitet.

Kerstin Gäfgen-Track, die in der hannoverschen Landeskirche als Oberlandeskirchenrätin das Thema Bildung und damit auch die evangelischen Schulen verantwortet, nahm in ihrer Predigt Bezug auf geschichtliche und aktuelle Ereignisse und schlug einen Bogen von der reformatorischen Tradition zu den Aufgaben der Schule im Jahr 2017. Dabei fand sie deutliche Worte auch zur aktuellen Weltlage auch ohne dabei auf die direkt auf die neue US-Präsidentschaft einzugehen. Leben und Lernen an einer Schule in kirchlicher Trägerschaft müsse sich mit den politischen und gesellschaftlichen Ereignissen auseinandersetzen. Dazu gehört auch klar zu sagen, wo Dinge falsch laufen, denn „Fakten dürfen nicht manipuliert werden, Lügen sind Lügen und werden auch durch permanente Wiederholungen nicht wahr und alle, aber auch alle Menschen sind Gottes geliebte Geschöpfe – das ist eine unumstößliche Grundüberzeugung evangelischer Schule, und für uns alle gilt gerade heute der Satz Martin Luthers ,Hier stehe ich, und kann nicht anders. So wahr mir Gott helfe. Amen‘“.

Traditionen bewahren

An Heinz-Friedrich Bringewatt, der nach dem Beginn des Ruhestands des früheren Direktors des Andreanums, Hartmut Schulz im März letzten Jahres, die Aufgaben des Schulleiters interimsweise übernommen hatte, richtete Gäfgen-Track ihren besonderen Dank. Für das Andreanum und für die Landeskirche sei es eine große Freude, dass Dirk Wilkening als Leiter seine breite Erfahrung mit nach Hildesheim bringe. Es gelte, sich der Traditionen bewusst zu sein und sie zu nutzen, denn  „Das, was evangelisch ist, ist nicht seit 500 Jahren an die Schlosstür genagelt, sondern gilt es immer neu vom Schatz des Glauben zu erzählen und zu leben, damit viele auf den Geschmack kommen: es ist gut, an einer evangelischen Schule zu sein.“

Freude über den neuen Schulleiter war auch überall im Publikum zu hören. Für Sabrina Sürig aus Banteln, die am Andreanum unterrichtet, verheißt der Beginn viel Gutes. Sie freue sich, dass ihre Klasse im Fach Deutsch von Schulleiter Wilkening unterrichtet werde erzählte, dass die Klasse nach den ersten Unterrichtsstunden im neuen Schulhalbjahr bei ihm ganz begeistert gewesen sei. „Das war den Kindern anzumerken, dass sie den Deutschunterricht wirklich toll fanden“, sagte die Klassenlehrerin einer 7. Klasse am Andreanum. Jörn Surborg, Mitglied der Landessynode und Vorsitzender des Landessynodalausschusses, der als Lehrer Geschichte und Politik am an der Schule unterrichtet wünschte Dirk Wilkening, „dass er gut ankommt und dass wir mit ihm die Schule weiter voranbringen auch über das Jahr des 800jährigen Schuljubiläums im Jahr 2025 hinaus.“ Positive Wirkung über die Schule hinaus auf Hildesheim erhofft sich der Superintendent des Kirchenkreises Hildesheim-Sarstedt, Mirko Peisert auch in Blick auf die Bewerbung der Stadt als Kulturhauptstadt Europas: „Für die Kirche ist Bildung schon immer ein ganz wichtiges Thema, das Andreanum gehört dazu und damit für mich auch zu einer Kulturhauptstadt“.

Das Interesse der Schülerinnen und Schüler ging in Richtung, „wie der neue so rüberkommt“. Dass Dirk Wilkening sofort bei den jungen Leuten hatte punkten können, erzählten Schüler der Eingangsstufen wie der höheren Jahrgänge. Artur, 12 Jahre, meinte, dass ihm die ersten Stunden bei Herrn Wilkening gut gefallen hätten. Die 15jährige Anna sah ihren neuen Schulleiter zwar an diesem Tag das erste Mal mit eigenen Augen, war von der Einführung und Vorstellung aber angetan und auch auf Alexia machte Dirk Wilkening einen guten Eindruck: „Er ist ziemlich nett. Ich wünsche mir, dass er so weitermacht wie er angefangen hat“, so die 12 Jahre alte Schülerin.

Dass er als Schulleiter weniger unterrichten werde, bedauere er durchaus, sagte Dirk Wilkening. „Der Unterricht ist ja leider die Rolle, die jetzt etwas kurz kommen wird. Schulleitung ist schon eine neue und große Verantwortung.“ Er wolle den Bibelvers des Einführungsgottesdienstes sich zu Herzen nehmen und sehenden Auges und hörenden Ohres seine Schule mit allen Sinnen wahrnehmen, darauf aufbauend gelte es zu entwickeln, wie sich ein Ideal von Schule mit allen in der Schulgemeinschaft gestalten könne“, so der neue Direktor.

Helge Meyn-Hellberg, Beauftragter für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Sprengel Hildesheim-Göttingen

Das Andreanum

Das Andreanum mit heute 950 Schülerinnen und Schülern ist eine staatlich anerkannte Schule in Trägerschaft der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Einrichtung im Jahr 1225. Während der Reformation wurde das Andreanum evangelisch. 1977 ging die Schule von städtischer in kirchliche Trägerschaft über.

epd

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Der "Neue"

Dirk Wilkening, der die Fächer Deutsch, Evangelische Religion und Theater unterrichtet, war bisher stellvertretender Schulleiter an einer Bielefelder Schule in evangelischer Trägerschaft. Der Pädagoge studierte in Göttingen und absolvierte sein Referendariat in Celle. Am Gymnasium Ernestinum in Rinteln war er als Studienrat und Oberstudienrat tätig. Dort habe er unter anderem Aktionen zur Leseförderung verantwortet, hieß es. In Bielefeld initiierte er einen Lehreraustausch mit einer palästinischen Partnerschule in Beit Jala bei Bethlehem und gewann mit seinen Schülern mehrmals den ersten Platz bei der Schultheaterwoche des Theaters Bielefeld.

epd

Das, was evangelisch ist, ist nicht seit 500 Jahren an die Schlosstür genagelt, sondern gilt es immer neu vom Schatz des Glauben zu erzählen und zu leben, damit viele auf den Geschmack kommen: es ist gut, an einer evangelischen Schule zu sein.

Kerstin Gäfgen-Track, Oberlandeskirchenrätin der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers