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Die Werke Gottes

Tagesthema 28. Januar 2017

Andacht zum vierten Sonntag nach Epiphanias

Vor einiger Zeit meldeten gleich zwei große Agenturen, dass ein amerikanischer Wissenschaftler herausgefunden habe, wie Jesus damals auf dem Wasser gegangen ist. Es gebe, so seine Meinung, gute Gründe dafür, dass die Wasserfläche vereist gewesen sei.

Mal abgesehen davon, so blitzt mir ein lustiger Gedanke durch den Kopf, dass es vielleicht ein ebenso großes Wunder gewesen wäre, wenn sich Petrus und die anderen Jünger mit ihrem Boot über Eisflächen bewegt hätten, zeigt die Meldung doch, wie sehr die Erzählung die Menschen beschäftigt. Manche deuten sie als Beschreibung der Macht Jesu als Herrscher über Naturgewalten. Und die Erzählung ist in unserer Kultur offenbar so tief verankert, dass andere versuchen, sie wissenschaftlich zu erklären.

Ich mache mich auf die Suche nach ihrem Kern.

Ich sehe die Jünger vor mir. Eben noch waren sie Teil einer großen Menschenmenge, Tausende haben das wenige geteilt, was da war, alle wurden satt. Es war ein Fest, berauschend, eine große Stärkung.

Jesus schickt seine Jünger in die Einsamkeit. Weg vom Glaubensgroßereignis, weg vom Weihnachtsgottesdienst, vom Luthermusical oder Kirchentag. Sie gehen zum See und steigen in das kleine Boot. Einmal kräftig vom Ufer abstoßen, das Reiben der Steine an der Bootshaut klingt noch nach, dann sind sie schon umgeben von glucksendem Wasser. Zwischen ihnen und den Tiefen sind nur noch ein paar Holzplanken. Ein Sturm zieht auf. Das Unwetter droht, das Boot zu versenken.

Stürme ziehen in jeder Generation auf, betreffen jedes einzelne Leben, bis heute.

Manche fühlen sich von Gott verlassen. Allein in der Logik, die das Erklärbare zur einzigen Realität erhebt. Fern der stärkenden Gemeinschaft.

Da überrascht mich der Mut von Petrus. Ich sehe ihn in diesem klapprigem Boot, um ihn eine furchtgeschüttelte Crew, Jesus nur schemenhaft, eine Gestalt, weit weg, die auch Einbildung sein könnte. Und dann ist da Petrus, dieser Mensch, der Jesus entgegen geht.

Für mich ist das das eigentliche Wunder in dieser Erzählung. Dass da jemand aufsteht, seine Angst überwindet und Vertrauen wagt, dass er den ersten Schritt geht. Hinaus aus dem Boot in diesen wilden Sturm. Petrus vertraut darauf, dass da mehr ist als das, was er mit den Händen greifen kann. Er vertraut darauf, dass er getragen wird, dass er nicht fallen gelassen wird, dass Gott selbst ihn hält.

Er wird - wie wir - jeden Sturm überstehen, gleich wie unrealistisch das zu sein scheint.

Pastor Joachim Lau