Bild: Jens Schulze

Vertrauen ist besser als Kontrolle

Tagesthema 21. Januar 2017

Andacht

Korrekt gekleidet und pünktlich, immer loyal und sachlich – so kann man sich vielleicht den Beamten des Königs vorstellen. Ein Mann, der sich umfassend informiert, bevor er etwas sagt und seine Meinung nur dann kund tut, wenn er gefragt wird.

Er hat vielleicht schon graue Haare, und wird geschätzt wegen all dieser Eigenschaften, aber nicht geliebt. Geliebt wird von seiner Familie und er liebt sie.

Er ist vielleicht ein Mann des sogenannten „Mittelbaus“ im Verwaltungsapparat. Auf solchen Leuten fußt die Solidität und Kontinuität auch in der Bundesrepublik: Juristen, die fachlich orientiert sind und unter einer Ministeriumsspitze der einen politischen Farbe arbeiten können, wie auch einer ganz anderen Farbe. Auf sie kann man sich verlassen. Sie kennen die Abläufe und sorgen so dafür, dass auch eine neue Regierung schnell in die substanzielle Sacharbeit kommt.

Bei uns wird eine Administration – anders als in den USA – nicht ausgewechselt, weil auch eine neue politische Spitze gern auf die Sachkompetenz von Beamten des Mittelbaus zurückgreift.

Ein solcher Mensch ist auch Privatmann. Alles, was er an Qualifikation und an Kontakten mitbringt nützt ihm nichts, wenn sein geliebter Sohn todkrank ist. Da ist ein solcher Mensch ganz Vater, ist bestimmt von seiner Liebe und Sorge um seinen Sohn.

Er hat vielleicht von Jesus gehört und Erkundigungen eingeholt über diesen Mann. Was aber letztlich zählt, ist seine Beharrlichkeit – wiederholt bittet er Jesus zu kommen und den Sohn zu heilen –  und sein Vertrauen in Jesus.

Dieser spürt das und heilt den Sohn aus der Ferne, ohne ihn zu sehen oder zu berühren. Der Beamte glaubt Jesus, ohne Nachfrage oder Recherche. Das macht er sonst vermutlich nicht.

Als er am nächsten Tag nach Hause eilt, kommen schon seinen Angestellten ihm entgegen und berichten von der wundersamen Heilung des Sohnes. Er wird sich vor allem sehr gefreut haben: Die Last seiner Sorge ist ihm genommen.

Aber – wie es seine Art ist – will er es genau wissen: Er fragt nach, wann die Heilung geschah. Er erfährt: Es war genau dann, als Jesus ihm die Heilung zusagte, dass das Fieber plötzlich zurückging und der Sohn wieder ins Leben fand. Bei aller Nüchternheit und Sachlichkeit: Er vertraut Jesus und sieht das Zeichen und Wunder. Das zählt.

Diese Geschichte steht bei Johannes direkt nach der Begegnung mit der Frau aus Samarien, der Jesus Heil und Segen bringt. Am Sonntag, 22. Januar, sagt der Wochenspruch aus Lukas 13: „Und es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.“

Jesus ist für alle, denkbar unterschiedliche Menschen gekommen – sogar für Beamte.  

Pastor Gunnar Schulz-Achelis, Öffentlichkeitsarbeit und Marketing im Haus kirchlicher Dienste

Der Bibeltext

46 Und Jesus kam abermals nach Kana in Galiläa, wo er das Wasser zu Wein gemacht hatte. Und es war ein Mann im Dienst des Königs; dessen Sohn lag krank in Kapernaum. 47 Dieser hörte, dass Jesus aus Judäa nach Galiläa gekommen war, und ging hin zu ihm und bat ihn, herabzukommen und seinen Sohn zu heilen; denn der war todkrank. 48 Da sprach Jesus zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht.

49 Der königliche Beamte sprach zu ihm: Herr, komm herab, ehe mein Kind stirbt! 50 Jesus spricht zu ihm: Geh hin, dein Sohn lebt! Der Mann glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin. 51 Und während er noch hinabging, begegneten ihm seine Knechte und sagten: Dein Kind lebt. 52 Da fragte er sie nach der Stunde, in der es besser mit ihm geworden war. Und sie antworteten ihm: Gestern um die siebente Stunde verließ ihn das Fieber. 53 Da merkte der Vater, dass es zu der Stunde war, in der Jesus zu ihm gesagt hatte: Dein Sohn lebt. Und er glaubte mit seinem ganzen Hause.

Predigttext: Joh 4, 46-53