Bild: Johannes Neukirch

"Ein Typ mit Ecken und Kanten"

Tagesthema 16. Januar 2017

Der Musiker Dieter Falk über das Pop-Oratorium "Luther"

Mit zwei Auftritten in der TUI-Arena in Hannover startete das Pop-Oratorium "Luther" am 14. und 15. Januar seine Deutschland-Tournee. Dabei wirkten unter anderem zwei Mega-Chöre mit zusammen rund 2.500 Sängerinnen und Sängern mit.

Anlass ist das 500. Reformationsjubiläum 2017. Dabei darf es auch mal rockig zugehen, sagt der Komponist des Stücks, Dieter Falk, im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).
 

epd: Herr Falk, ein Pop-Oratorium über Luther - wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Dieter Falk: Wir hatten vor fünf Jahren schon ein Vorgängerprojekt zu den zehn Geboten. Da unser Konzept, lokale Chöre an einem großen Bühnenstück zu beteiligen, so gut ankam, haben wir gedacht, machen wir doch noch ein neues. Das Thema Luther bot sich an wegen des 500. Reformationsjubiläums. Der Autor Michael Kunze und ich hatten wirklich große Lust, ein Stück über Luther zu schreiben. Aber nicht als "normale" Biografie, sondern mit dem Reichstag zu Worms 1521 als Rahmenhandlung.

epd: Warum nur Worms?

Falk: Da steckt Drama und Spannung drin. Es ist ja im Prinzip ein Prozess, der Luther gemacht wird. Da lässt sich auch gut zeigen, was Luther für ein Typ war. Natürlich ein begnadeter Rhetoriker, der aber auch kantige und auch schwache Momente hat. Eben keine Hero-Story, keine Helden-Geschichte. Einen Menschen mit allen Ecken und Kanten zu zeigen war unser Ziel.

epd: Welche Musik passt dazu?

Falk: Es ist relativ rockig an einigen Stellen, das passt zu dieser kantigen Figur Luther. Mir war wichtig, dass man auch die Original-Zitate immer wieder mal hört. Es ist auch zum Teil eine Rundreise durch die Kirchenmusik. Wir haben einige Choräle von Luther, die zum Teil als Bigband-Swing umarrangiert sind. Luther war ja der erste, der durch seine Choral-Adaptionen von Volksliedern Popmusik in die Kirche gebracht hat.

L-U-T-H-E-R

Ein Ohrwurm, mit dem das Reformationsjubiläum auch musikalisch gut durchstartet. Mit deutschlandweit mehr als 20.000 Laien-Sängerinnen und Sängern stößt das Chor-Projekt auf riesige Resonanz. Die Geschichte des Reformators Luthers, erzählt von Michael Kunze und musikalisch komponierte von Dieter Falk, tourt in den kommenden Monaten durch die Bundesrepublik. 

epd: Kirchenmusik auf der Pop-Bühne?

Falk: Ja, das ist so ein bisschen meine eigene Geschichte. Ich komme aus kirchlicher Jugendarbeit. Und die Kirchenmusik begleitet mich bis heute, aber eben immer in der Verbindung mit populärer Musik von Rock bis Jazz. Ich glaube, wenn ich nicht in der Kirche früh eine Bühne bekommen hätte, wäre ich auch nicht Berufsmusiker geworden.

epd: Sie nennen Ihr Stück Oratorium. Warum nicht Musical?

Falk: Es hat natürlich viele Ähnlichkeiten zum Musical. Es wird auch getanzt, und es gibt Choreografien auf der Bühne. Aber es hat kein Bühnenbild. Das beste Bühnenbild, das wir haben, ist der Riesen-Chor im Hintergrund. Und bei uns steht der Chor nicht nur optisch im Vordergrund, sondern auch durch die Anzahl der Titel, die er singt. So ist es auch beim Oratorium. Wir möchten für das ganz große Mainstream-Publikum eine Show anbieten, die den Menschen Luther in den verschiedenen Facetten zeigt, und wo der Chor der Star ist.

Rockender Reformator

Über 12.000 Besucher haben am Samstag und Sonntag in Hannover den Tournee-Auftakt des Pop-Oratoriums "Luther" erlebt. In der TUI-Arena erzählten Solisten und zwei Mega-Chöre mit insgesamt rund 2.500 Sängerinnen und Sängern aus ganz Niedersachsen im Musical-Sound die Lebensgeschichte des Reformators Martin Luther (1483-1546). "Vieles wird im Ohr bleiben", sagte die Reformationsbotschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, am Rande der Aufführung. "Ich bin überzeugt, einige Lieder werden neue evangelische Schlager werden."

Ein großartiges und Gänsehautfeeling erzeugenes Event....ein großes Dankeschön an alle, die daran mitgewirkt haben, ob als Chormitglied oder hinter der Bühne!

Zuschauerin Wencke Breyer auf der Facebook-Seite der Landeskirche

Luther auf Tour

Regionalaufführungen vom Pop-Oratorium gibt es in Hildesheim (Sparkassenarena 30.03.2017), Aurich (Stadthalle-Aurich 31.03.2017), Loccum (Stadtsporthalle 01.04.2017) und Celle (Congress-Union 02.04.2017).

Bis zur finalen Aufführung am 29.10.2017 in Berlin tourt das Oratorium durch zehn weitere Städte in ganz Deutschland. 

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