Bild: Peter Sierigk/ epd-Bild

Im Aufbruch

Tagesthema 05. Januar 2017

Vorbereitungen für große Reformationsausstellung in Braunschweig laufen auf Hochtouren

Mit prüfendem Blick hebt Metallrestaurator Olaf Wilde ein eisernes Kreuz in die Höhe. In seiner Werkstatt im Keller des Braunschweigischen Landesmuseums dreht er das Stück im Licht der Lampen langsam von einer Seite auf die andere. Dann deutet er auf die Kerben an den Seiten. "Hier sieht man deutlich die Spuren, die der Schmied vor mehr als 500 Jahren hinterlassen hat." Für eine neue Sonderausstellung laufen in Wildes Metallwerkstatt die Vorbereitungen auf Hochtouren: Anlässlich des 500. Reformationsjubiläums startet am 7. Mai 2017 die Schau unter dem Titel "Im Aufbruch - Reformation 1517-1617" als eine von bundesweit sieben zentralen Ausstellungen zur Reformation.

Das Kreuz in den Händen von Metallrestaurator Wilde stammt vom Dachfirst des Hauses einer spätmittelalterlichen christlichen Bruderschaft in Braunschweig - aus einer Zeit inmitten der Umbrüche von Glaubensüberzeugungen und Weltbildern. Wilde hat das Kreuz zunächst vorsichtig mit Stahlwolle von den rotbraunen Rostspuren befreit. Anschließend trug er auf das silbern glänzende Metall wieder etwas schwarze Farbe auf, um ihm sein ursprüngliches, historisches Aussehen wiederzugeben. "Plötzlich beschäftigt man sich auch selbst wieder mit der Reformation", sagt Wilde, während er kurz aufblickt.  

"Verschiedenen Objekte lassen die unruhigen Zeiten lebendig werden."

Etliche Stockwerke höher, in einer kleinen Dachkammer lichtet Fotografin Anja Pröhle alle Exponate für den Ausstellungskatalog ab. Gerade rückt sie einen Keil aus Styropor unter einen großen, schweren Atlas aus dem Jahr 1520. Aufgeschlagen ist eine Zeichnung vom damals erst anfangsweise entdeckten afrikanischen Kontinent. Während an der Küste etliche Namen verzeichnet sind, ist das Landesinnere fast komplett leer.

Die Museums-Historikerinnen Gaby Kuper und Ulrike Wendt-Sellin haben mehr als ein Jahr die Magazine des Museums nach passenden Ausstellungsstücken durchforstet. Der Atlas symbolisiere dabei vor allem das Weltbild, dass sich zur Zeit der Reformation dramatisch änderte, sagt Kuper. Einige Karten zählen zu den ersten, die im Drei-Farben-Druck in schwarz, rot und grün abgebildet sind. Die Landkarten sind in damaliger Tradition nach Süden ausgerichtet. 

Als ein besonders Highlight sehen die Historikerinnen eine Leihgabe aus der der Russischen Staatsbibliothek in Moskau. Kurz bevor Reformator Martin Luther im Jahr 1517 seine 95 Thesen verfasste, schrieb ein katholischer Schuldirektor aus Braunschweig an den Theologen und Reformator Thomas Müntzer (1489-1525). Der Lehrer stellte darin Fragen zur Reformation und über den Ablasshandel. "Das zeigt, dass Luther nicht der Einzige war, der die damalige Praxis der Kirche infrage gestellt hat", sagt Wendt-Sellin. "Schon damals lag ein Wandel in der Luft."

Dass Luther selbst nie in Braunschweig war, sehen die Historikerinnen daher nicht als Widerspruch. "Wir wollen mit der Idee spielen, wodurch die Reformation wirkte und was es für die Menschen in der Region bedeutete, als sich plötzlich alles änderte", sagt Kuper. "Die verschiedenen Objekte lassen die unruhigen Zeiten lebendig werden."

Charlotte Morgenthal (epd)

Bild eines Jahrhunderts

Neben eigenen Ausstellungsstücken, die teilweise erstmals präsentiert werden, sind bei der neuen Ausstellung "Im Aufbruch - Reformation 1517-1617" auch Leihgaben der braunschweigischen und der hannoverschen Landeskirche zu sehen. Beide Kirchen sind Kooperationspartner des Projekts. Auf rund 1.000 Quadratmeter Fläche allein im Braunschweigischen Landesmuseum und an zwei weiteren Ausstellungsorten in der Stadt werden bis zum 19. November 2017 unter anderem Bücher, Grafiken, Gemälde, Skulpturen, Alltagsgegenstände oder Abendmahlskelche präsentiert. 

Charlotte Morgenthal (epd)

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