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Friedensbringer

Tagesthema 25. Dezember 2016

Weihnachten

Ein Stall, Ochs und Esel, Maria und Joseph, einfach, arm, das Kind in der Krippe. Das soll der Friedensbringer sein? Der, von dem wir singen „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit“? Das ist kaum zu glauben. Doch gerade das will uns Weihnachten sagen: Es ist kaum zu glauben, dass in der Schwäche so viel Kraft und Hoffnung sein können.

„Dein König kommt in niedern Hüllen“ heißt es in einem Adventslied sehr treffend. Es geht im Reich Gottes anders zu als in der Welt wie wir sie kennen. „O mächt’ger Herrscher ohne Heere, gewalt’ger Kämpfer ohne Speere, o Friedefürst von großer Macht“ – das ist die weihnachtliche Ansage. Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen.

Wie kann Frieden werden ohne Heere und ohne Speere? Mich berührt jedes Jahr aufs Neue die Anfangszeile eines Weihnachtsliedes von Paul Gerhardt: „Ich steh an deiner Krippen hier, o Jesu, du meine Leben; ich komme, bring und schenke dir, was du mir hast gegeben.“ Diese weihnachtliche Haltung ist eine Haltung, die mir Hoffnung bringt. Wer sich an die Krippe stellt, dem wird die Waffe aus der Hand genommen. Wir erinnern den Anblick neugeborener Kinder. Auf jedes Kind fällt das Licht der Hoffnung. In diesen Auserwählten Gottes ist ein kleiner Anfang seines Reiches gegenwärtig. Sie sind Friedens-Botschafter Gottes in unserer Welt. 

Gegen alle Friedlosigkeit und Mutlosigkeit hoffen wir auf das Kommen des Friede-Fürsten! Und wir werden uns nicht abbringen lassen zu singen, was Luther in dem Weihnachtslied „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ so gedichtet hat:

„Es ist der Herr Christ, unser Gott, der will euch führn aus aller Not, er will eu’r Heiland selber sein, von allen Sünden machen rein.“

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Weihnachtszeit! Friede sei in Ihren Häusern.

Landesbischof Ralf Meister

Der Bibeltext

Maria sprach: Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen.

(Aus Lukas 1, 52-52)