Bild: Jens Schulze

Chance und Risiko: die digitalisierte Arbeitswelt

Tagesthema 07. Dezember 2016

Podiumsdiskussion in der Autostadt Wolfsburg zum Thema
„Mitschöpfer Mensch. Arbeit neu entdecken“

Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sieht die digitalisierte Arbeitswelt als "gewaltige Chance". Sie berge aber auch "gravierende Risiken", sagte er am Dienstagabend in einem Impulsvortrag zu Beginn einer Podiumsdiskussion zur Zukunft der Arbeit in der VW-Autostadt in Wolfsburg anlässlich des 500. Reformationsjubiläums 2017. Die Automatisierung könne nicht nur zum Wegfall von Arbeit führen, sondern auch zu deren Entgrenzung.

Deshalb sei es eine politische Kernaufgabe, ein "Arbeitsrecht 4.0" zu erarbeiten, betonte Weil vor rund 350 geladenen Gästen aus Kirche, Politik und Wirtschaft. Dieses könne etwa die Verfügbarkeit von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern regeln. Der Ministerpräsident gehört dem Aufsichtsrat der Volkswagen AG an. Zu der Veranstaltung hatte die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers eingeladen.

In seiner Begrüßung hatte Landesbischof Ralf Meister darauf hingewiesen, dass es gegenwärtig einen Wandel in der Wahrnehmung von Arbeit und Beruf gibt. Gerade für jüngere Menschen ständen nicht mehr Karriereaussichten im Vordergrund, sondern der Wunsch mit ihrer Arbeit etwas Sinnvolles und an Werten Orientiertes zu tun. Es würde zudem immer wichtiger, dass die berufliche Tätigkeit, das Familienleben und ehrenamtliche Tätigkeiten miteinander zu vereinbaren seien.

Der Vorstandsvorsitzende des Volkswagen Konzerns, Matthias Müller, warnte davor, die digitale Revolution zu dramatisieren. Die Arbeitswelt habe sich immer schon weiterentwickelt. Wichtig sei, die Diskussionen über Veränderungen gemeinsam mit den Mitarbeitern zu führen und ihnen Perspektiven zu bieten. "Es ist nicht damit getan, von fernen Visionen zu reden", sagte Müller.

Der Sinn von Arbeit ist Dienst an der Gemeinschaft

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, forderte einen gesellschaftlichen Diskurs über die Verantwortung von Unternehmen. Das Reformationsjubiläum sei genau der richtige Anlass dafür, über die Zukunft der Arbeit zu reden. Durch den Reformator Martin Luther (1483-1546) habe der Beruf eine ganz neue Bedeutung bekommen. "Für Luther war klar: Der Sinn von Arbeit ist Dienst an der Gemeinschaft." Luther sei der größte Kritiker des Früh-Kapitalismus gewesen. Er habe sich für soziale Gerechtigkeit und gegen Ungleichheit ausgesprochen. Diese Themen seien auch heute hochgradig bedeutsam.

Die Diskussion war Teil des Programms, das die Landeskirche zum Halt eines "Reformations-Trucks" in Wolfsburg organisiert hatte. Der Lkw fährt seit Anfang November auf dem "Europäischen Stationenweg" durch 19 Länder mit 67 Stationen, um Geschichten zur Reformation zu sammeln und Menschen miteinander zu vernetzen.

Die evangelische Kirche feiert bis Oktober nächsten Jahres 500 Jahre Reformation. Am 31. Oktober 1517 hatte Martin Luther (1483-1546) seine 95 Thesen gegen die Missstände der Kirche seiner Zeit veröffentlicht. Der legendäre Thesenanschlag gilt als Ausgangspunkt der weltweiten Reformation, die die Spaltung in die evangelische und die katholische Kirche zur Folge hatte.

epd

Titel Reformationsstadt

Die Stadt Wolfsburg ist als zweite Stadt in Niedersachsen offiziell zur "Reformationsstadt Europas" ernannt worden. Mit dieser Auszeichnung werde die besondere Reformationsgeschichte der Region gewürdigt, in der später die Stadt Wolfsburg gegründet wurde, sagte der evangelische Landesbischof Ralf Meister aus Hannover  bei einem Empfang im Wolfsburger Rathaus. Dort nahmen Meister und Wolfsburgs Oberbürgermeister Klaus Mohrs (SPD) einen entsprechende Urkunde entgegen, die ihnen von der Gemeinschaft Europäischer Kirchen in Europa (GEKE) überreicht wurde.

Wolfsburg bestand als Stadt in der Reformationszeit noch nicht. Die Stadt wurde erst 1938 als "Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben" gegründet, um Wohnraum für Arbeiter des Volkswagenwerkes zu schaffen. Unabhängig von der Geschichte bestehe die Würdigung für ihn auch darin, "dass hier mit dem Thema Arbeit ein zentrales reformatorisches Thema beheimatet ist", sagte Meister mit Blick auf den Autobauer VW.

Oberbürgermeister Mohrs betonte, Wolfsburg mache sich als junge multikulturelle Stadt im Sinne des europäischen Gedankens für ein Miteinander von Menschen verschiedener Länder und Kulturen stark. Als erste europäische Stadt hatte Emden vor drei Jahren den Ehrentitel einer "Reformationsstadt" erhalten.

Den ganzen Bericht lesen