Bild: Ulrich Krämer

Gegen die Angst

Tagesthema 18. Oktober 2016

Kirche im Einsatz auf der Infa-Messe in Hannover

Seit rund 3 Jahrzehnten sind das Bistum Hildesheim und die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers mit einem eigenen Stand auf der Infa.

Ein kleines ökumenisches Team plant und steuert den Einsatz von bis zu 30 ehren- und hauptamtlich Dienstuenden. „Im letzten Jahr hatten wir das Thema Flüchtlinge. Es bot sich an dieses Jahr das Thema Angst zu nehmen, quasi das Anschlussthema in der öffentlichen Diskussion“, sagt Pastor Ulrich Krämer.
 
Es geht dabei vor allem um zwei Ziele. Zum einen möchte man mit den Besuchern ins Gespräch über das Thema kommen. Dazu dient in diesem Jahr eine Umfrage mit Hilfe von LED-Leuchtpunkten, die die Besucher auf die Stele ihrer Wahl setzen können. Die Frage, die zur Wahl steht, lautet: „Was hilft mir gegen Angst?“

„Manche gehen einfach vorbei und ignorieren diese Frage, aber rund 500 Personen/Tag bleiben stehen und setzen sich erstaunlich differenziert damit auseinander. Sie setzen ihren Lichtpunkt nach längerer Überlegung. Häufig ergeben sich Gespräche mit uns.“ erklärt Krämer.

Das ist gewissermaßen das zweite Ziel: die Meinung der Menschen kennenzulernen. Zuhören und viele verschiedene Sichtweisen erfahren. Da ist die Frau mit einer chronischen Angststörung, die ohne Medikamente nicht leben kann. Sie hat den Lichtpunkt bei „Drogen“ (drugs=Medizin) gesetzt. Oder der Polizist, der bei „Waffen“ als erster einen Lichtpunkt anheftet, weil sie ihm Sicherheit vor Übergriffen gibt. Im Gespräch können viele Einstellungen, die auf den ersten Blick erstaunen, nachvollziehen.

Die Stele mit den meisten Leuchtpunkten ist aber mit großem Vorsprung „Geborgenheit“. Denn Geborgenheit hilft den Menschen über ihre Ängste hinweg. Auf Platz 2 ist „Beten“ gefolgt von „Fakten“. Bei den übrigen Stelen sind jeweils nur vereinzelte Punkte.

Erstes Fazit zur Messe-Halbzeit: Deutschland ist nicht in Angst erstarrt oder gefangen. Die  meisten Menschen wissen, wie sie mit ihren Ängsten umgehen können. Das haben die vielen offenen Gespräche gezeigt.

Ich darf das mal ganz persönlich sagen: Auch in diesem Jahr korrigieren mich die Begegnungen auf der Infa. Ich erlebe die Menschen ganz anders, als sie mir in den Medien nahegebracht werden. Wir sind nicht zu rund 70% (so die Umfrageergebnisse in den letzten Wochen) erstarrt in Angst und paralysiert von den vielen Flüchtlingen. Die Meinung der Menschen ist sehr viel gelassener und  differenzierter als die Schlagzeilen der Medien.

Pastor Ulrich Krämer