Bild: Stefan Korinth

Unser täglich Brot backen wir selbst

Tagesthema 07. Oktober 2016

Konfirmanden backen für die Aktion "5000 Brote"

Erst ein bisschen vorsichtig, dann doch fester zieht Jan das Messer über die Oberfläche des Brotlaibs und hinterlässt dort ein großes Kreuz. Bäckermeister Karsten Bormann, Leiter der Bäckerfachschule in Hannover, hatte ihm und dem Dutzend weiterer Konfirmanden der Nordstädter Kirchengemeinde zuvor gezeigt, wie sie das machen sollen. Andere bestreuen die Laibe mit Mehl oder holen sie aus dem Backofen.

Jeder darf sich ausprobieren und mithelfen. Das Kreuz ist übrigens rein symbolisch, denn die Brote die die Jugendlichen hier zusammen mit den Backprofis produzieren, verkauften sie am folgenden Tag in der Lutherkirche.

An diesem Vormittag in den Räumen, wo sonst angehende Bäcker ihre Prüfungen ablegen oder Meisterkurse stattfinden, konnten die Jugendlichen lernen, dass das, was da so selbstverständlich in den Regalen von Supermärkten und Bäckereien liegt, nicht mal so eben hergestellt ist. Rund drei Stunden Arbeitszeit steckt in jedem dieser Brote, erläutert Bäcker- und Konditormeister Harald Luther. Dabei fehlen noch die gut 16 Stunden, die der Sauerteig zum Reifen braucht. Er wurde bereits am Tag zuvor angesetzt, erklärt er.

Nach Anweisungen der Bäckermeister und in Teamarbeit gingen die Konfirmanden zuerst daran, die Teigmasse abzuwiegen und zu Laiben zu formen. Ein Kilo wiegt jedes der Roggenmischbrote. Nachdem die Laibe eine Ruhepause in Körben hatten, erhielten sie ihr Kreuz und kamen in den Backofen. Bei rund 230 Grad lagen sie dort rund eine Stunde. Warm und duftend holten die Konfirmanden sie dann aus den Öfen. Da diese Arbeit auch hungrig macht, backten sie anschließend noch Pizza für sich selbst.

Harald Luther hat schon in den Tagen zuvor für den Erntedankgottesdienst gebacken. In einer Berufsschule stellte er mit jungen Erwachsenen und Backexperten Schaugebäcke her, die im Gottesdienst den Kirchenraum zierten. In großer Farben- und Formenpracht lagen sie dort, kombiniert mit verschiedenen Gemüsesorten und repräsentierten für alle sichtbar, wofür man da zu Erntedank eigentlich dankt. Schaugebäcke sind eine sehr aufwendige Arbeit, erklärt er. „Aber diese kreative Seite unseres Handwerks tut uns Bäckern auch in der Seele gut.“ Genau wie auch das Singen, denn der Bäckerchor trat auch im Gottesdienst auf und besang „Unser täglich Brot“.

Anschließend verkauften die Konfirmanden dann ihre Brote gegen einen Richtpreis von 4 Euro an einem Tresen. Die allermeisten Käufer gaben aber deutlich mehr Geld.

Stefan Korinth, Evangelische Zeitung

Eine Aktion mit Potenzial

Die Einnahmen gingen an „Brot für die Welt“, das mit seiner Aktion „5000 Brote“ Jugendbildungsprojekte in Kolumbien, Ghana und Bangladesh unterstützt. Das Erntedankfest war Auftakt der Aktion, die noch bis zum Ersten Advent läuft und nun zum zweiten Mal bundesweit stattfindet. Die ganze Aktion sei eine sehr gute Sache, betont Bäckermeister Luther. Sie habe das Potenzial, sozial ähnlich erfolgreich zu sein wie die Sternensinger, zumal sie in einigen Regionen Deutschlands auch ökumenisch stattfinde. Auch das Bäckerhandwerk habe großes Interesse an dem Projekt.

So gut wie jeder der Gottesdienstbesucher verließ die Lutherkirche denn auch mit einem Brot unterm Arm. Der Spruch von den „warmen Semmeln“ passt hier durchaus. Und was Brötchen, Kirche und den guten Zweck angeht, hat der Bäcker mit dem programmatischen Namen, Harald Luther, noch einen Traum: „2017 würde ich gern mal mit Frau Käßmann Reformationsbrötchen verkaufen.“

Mehr über die Aktion „5000 Brote“