Bild: Dethard Hilbig

Terror hat keine Religion

Tagesthema 08. August 2016

Aiman Mazyek liest im Kloster Loccum aus seinem neuen Buch

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, warnt davor, Religionen für terroristische Anschläge verantwortlich zu machen. Selbst wenn Attentäter religiöse Motive vorgäben, Terror habe keine Religion.

"Die fehlende Trennschärfe schlägt sich in Angst und Vorurteilen nieder, und das ist eines der Ziele von Terroristen", sagte der Sohn einer Deutschen und eines Syrers dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Rande einer Buchvorstellung im evangelischen Kloster Loccum bei Nienburg. Stattdessen forderte er insbesondere Religionsgemeinschaften dazu auf, dem Versuch der gesellschaftlichen Spaltung entgegenzutreten.

Mazyek sieht Religionen wie den Islam, das Christentum und das Judentum vor großen Herausforderungen. "Es gibt eine zunehmende Skepsis gegenüber Religionen und gleichzeitig eine zunehmende Instabilität rund um Europa."

Ereignisse wie die Anschläge in Würzburg und Ansbach oder der Ukraine-Konflikt machten die Menschen anfällig für einfache Lösungen, wie sie etwa Rechtspopulisten böten. "Die Religionsgemeinschaften haben eine besondere Verantwortung, Menschen zu bewegen, nicht in die falsche Richtung zu gehen."

Dazu gehöre auch, Unterschiede zwischen den Religionen im Alltag zuzulassen und zu bejahen, sagte Mazyek. "Ich kann Probleme nicht lösen, indem ich die Menschen gleichmache." Gegenseitige Akzeptanz und Empathie sei auch für die Integration der Flüchtlinge nötig. "Das Bekenntnis zur Vielfalt ist die Grundvoraussetzung für eine dynamische Gesellschaft."

Friedliches Zusammenleben von Muslimen und Christen ist nach Ansicht des Zentralrat-Vorsitzenden möglich. Trotz ihrer Unterschiede hätten die Religionen auch viele Gemeinsamkeiten. Das Verbindende wolle er mit seinem Buch mit dem Titel "Was machen Muslime an Weihnachten?" aufzeigen.

In Diskussionen der letzten Zeit sei noch zu oft nur das Trennende im Blick. Das Buch, das Mazyek am Donnerstagabend erstmals in einem evangelischen Kloster vorstellte, erkläre zudem die Grundsätze des Islam wie etwa die sogenannten fünf Säulen.

Auf die Frage, was Muslime an Weihnachten machen, gebe es keine einheitliche Antwort, erklärte Mazyek. "Menschen wie ich, die auch eine christliche Familie haben, feiern gelegentlich Weihnachten mit."

Andere Muslime nutzten die Zeit, um zu verschnaufen und sich auf das bevorstehende neue Jahr vorzubereiten. Auch die Kritik an Weihnachten als kommerziellem Ereignis teilten viele Muslime mit den Christen. "Ähnliches erleben wir im Ramadan."

epd

Verhandlungen offen

Der Vorsitzende des Ditib-Landesverbandes Niedersachsen-Bremen, Yilmaz Kilic, hat die CDU im Land zu weiteren Verhandlungen über die geplanten Islamverträge aufgefordert. Als Demokraten könne man unterschiedlicher Meinung sein, es müsse aber miteinander gesprochen werden, sagte Kilic am Freitag dem Radiosender NDR Kultur. Die CDU-Landtagsfraktion hatte kürzlich beschlossen, die Verhandlungen mit den islamischen Verbänden in dieser Legislaturperiode nicht weiterzuführen. Der Fraktionsvorsitzende Björn Thümler warf Ditib eine zu große Nähe zur Türkei vor.

Kilic wies die Vorwürfe scharf zurück. Sie stimmten nicht und seien unterhalb der Gürtellinie, sagte er dem Radiosender. Jahrelang habe die CDU in Niedersachsen mit dem Verband verhandelt und bereits Verträge unterzeichnet, zum Beispiel über den Islamischen Religionsunterricht in Niedersachsen, sagte Kilic. Der Vorwurf der CDU, der Ditib-Landesverband sei abhängig von der türkischen Religionsbehörde, treffe nicht zu. "Wenn jemand beweisen sollte, dass wir abhängig sind von der türkischen Religionsbehörde oder von bestimmten Parteien, dann bin ich bereit, mein Amt zur Verfügung zu stellen."

Der geplante Rahmenvertrag mit den Muslimen enthält etwa Regelungen zum islamischen Religionsunterricht, zur Seelsorge in Krankenhäusern und Gefängnissen sowie zum Moscheebau und Bestattungswesen. Die Landesregierung verhandelt seit Jahren mit den Verbänden Ditib und Schura und den Alevitischen Gemeinden über den Vertrag. Noch Mitte Juni hatte es nach einem Kompromiss ausgesehen, weil sich Landesregierung, Opposition und die muslimischen Landesverbände auf eine neue Fassung des Vertragstextes geeinigt hatten. Der Vertrag soll nach dem Willen der rot-grünen Landesregierung mit einer möglichst breiten Zustimmung im Parlament beschlossen werden.

epd