Bild: Jens Schulze

Zwei Welten

Tagesthema 18. Juni 2016

Ich lese im Römerbrief und denke dabei an meine beiden Konfirmanden-Teamer. Meine beiden verhalten sich nämlich so, wie Paulus es wünscht. Das beeindruckt mich. Folgende Situation habe ich in Erinnerung:

„Ich habe einen Job gefunden, ich bin total froh“, sagt Katrin. „Jeden Tag zwei Stunden im Supermarkt arbeiten. Sie fordern keine Vorkenntnisse. Wir brauchen das Geld zu Hause. Meine Mutter ist krank und mein Vater bekommt nur wenig Geld. Ich finde, zwei Stunden am Tag, das geht eigentlich. Nur Donnerstags, da ist Konfer, da will ich nicht arbeiten gehen.“

Jannik guckt erstaunt und sagt: „Jeden Tag zwei Stunden schuften! Die Zeit hätte ich gar nicht.“ Und dann erzählt er von seiner Technik-AG und den Wettbewerben an denen er teilnimmt. Mehrere Preise hat seine Gruppe schon gewonnen, und einmal sind sie sogar nach Japan geflogen.

„Nach Japan!“ ruft Katrin. „Da musstet ihr sicher viel dazu bezahlen.“ „Naja, so Tausend Euro nur“, sagt Jannik. Da rutscht es Katrin raus: „Puh, so viel haben wir nie übrig!“ Beide sehen sich einen Moment an – zwei Welten berühren sich. Aber ihre Blicke sagen: Hier ist jetzt Kirche, hier spielt das andere keine Rolle. Hier sind wir jetzt beide Teamer und für die Gruppe da.

Das ist einfach großartig: Katrin und Jannik schenken den Konfirmanden ihre knapp bemessene Zeit und arbeiten ehrenamtlich, weil es ihnen gut tut. Katrin hat viel Erfahrung in der Leitung von Gruppen. Nächstes Jahr macht sie Abitur. Jannik ist zwei Jahre jünger und fängt gerade erst an mit dem Teamerleben.

Katrin könnte denken: Jannik ist doch ein Anfänger, was kann der schon? Außerdem bekommt er von seinen Eltern alles hinterher geworfen. Was weiß der schon vom Leben! Und Jannik könnte denken: Sie ist arm, sie hat nichts und ist nichts. Mit der will ich mich gar nicht erst abgeben.

Aber beide denken sie nicht so. Sondern sie sind beide Teamer für den Konfer. Das allein zählt. Sie wollen mit den Konfirmanden eine tolle Zeit verbringen und mit ihnen über Gott und die Welt reden. Das ist ihr Ziel. Alles andere ist außen vor. Das ist Gottes neue Welt.

Judith Augustin

Die Andacht ist in der Evangelischen Zeitung veröffentlicht

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