Bild: Claus Dreier

Muslimischer Engelbau

Tagesthema 17. Juni 2016

Ein Flüchtllingsprojekt für Handwerkerfreunde

Das hätten sie sich nicht träumen lassen: Drei Muslime aus Syrien bauen Engel für einen christlichen Weihnachtsbasar in Ostfriesland, sie sägen, schleifen und pinseln.  Die Pauluskirchengemeinde in Aurich-Kirchdorf hat vor knapp einem Monat mit einem praktischen Projekt für Geflüchtete begonnen. „Hammer, Nägel und Co.“ haben sie das Angebot genannt.  Diakon Oltmann Buhr lädt Menschen, die hier um Asyl gebeten haben, ein, einmal pro Woche für ein paar Stunden handwerklich tätig zu sein.

Im Keller des Gemeindehauses trifft er sich zurzeit mit drei Syrern aus Damaskus. Adham Nasser, Khaled Nassar und Mahmoud Bader kommen gerne und haben Buhr auch schon zu sich eingeladen. Sie haben viel zu erzählen, von Zuhause und ihren Familien, die sie sehr vermissen. „Unser Denken“, sagt Khaled Nassar, der seit etwas über einem halben Jahr in Deutschland ist und seine neue Sprache schon ziemlich gut anwenden kann, „Unser Denken ist in Damaskus, obwohl wir hier sind“. Es tut ihm leid, dass es so ist, aber solange er seine Lieben, Frau und Kinder, in der alten Heimat sind, bestimmen ihn Traurigkeit und Sehnsucht. Gut, dass er in Deutschland Menschen gefunden hat, die ihn verstehen und ihm dabei helfen wollen, dass die Familie irgendwann nachziehen kann.

Dass die drei im Ramadan nun gemeinsam mit dem Diakon Engel für den Weihnachtsbasar herstellen, ist viel mehr als reine Beschäftigungs-„Therapie“. Die Symbolik spricht für sich. Sie lachen viel und freuen sich über ihre eigene Geschicklichkeit. Denn eigentlich sind sie Profis.

Adham Nasser hat über zwanzig Jahre als Schreiner gearbeitet, Khaled Nassar ist Elektriker. Natürlich wissen sie, dass sie in Deutschland noch einen langen Weg in den Beruf vor sich haben, aber sie haben erste Schritte schon hinter sich. Mahmoud Bader, der Englisch spricht, würde allerdings lieber etwas mit Computern machen, aber mit der Schleifmaschine kann er auch schon gut umgehen.

Am vergangenen Montag hatte die kleine Gruppe nun Besuch vom Handwerkspastor der Hannoverschen Landeskirche, Claus Dreier. Er unterstützt mit seiner „Initiative Lernwerkstatt für Flüchtlinge“ (ILF) die Arbeit in der Kirchdorfer Gemeinde.

Gemeinsam mit der Handwerkskammer für Ostfriesland und den beiden Kreishandwerkerschaften arbeitet die Hannoversche Landeskirche zusammen mit den Kirchenkreisen der Region seit geraumer Zeit in diesem ostfriesischen Pilotprojekt daran, Flüchtlingen auch praktisch dabei zu helfen, dass ihre Integration in Gesellschaft und Arbeitswelt gelingt. Das Projekt ILF sieht vor, an verschiedenen Standorten in Ostfriesland - und gemeinsam mit den örtlichen Verantwortlichen für Flüchtlinge und Migration - Werkstätten für Flüchtlinge einzurichten und zu betreiben.

Gunnar Schulz-Achelis

Muslime laden ein

Im Ramadan verzichten Muslime tagsüber auf das Essen und Trinken, erst abends wird gemeinsam das Fasten beendet.

"Wir Hannoveraner - miteinander statt nebeneinander"

Unter diesem Motto laden hannoveraner Muslime zum vierten Mal zum Essen auf dem Georgsplatz ein.

Bürgerinnen und Bürger unterschiedlicher Religion und Herkunft begegnen sich hier und kommen ins Gespräch. Auf der Ebene gemeinsamer Grundwerte werden christliche, jüdische und muslimische Repräsentanten sowie Vertreter der Stadt kurze Grußworte sprechen.

Begegnung ab 20:30 Uhr mit gemeinsamen Essen, Eintritt frei (400 Plätze)

Donnerstag 23. Juni und Freitag 24. Juni 2016 auf dem Georgsplatz (zwischen Aegi und Kröpke).

Weitere Informationen zur Vierten „Langen Nacht der Begegnung“ in Hannover

Gemeinsames Fastenbrechen in Hannover