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Bild: Jens Schulze

Vor allen Dingen

Tagesthema 29. April 2016

Beten – das soll man „vor allen Dingen“ tun? Ist Beten überhaupt ein Tun? Manche sagen: Beten – das ist doch nichts als die Hände in den Schoss legen. Anpacken muss man!

Paulus ist nicht gegen das Anpacken. Was hat er im Dienste seines Herrn nicht alles gewagt! Aber das alles wäre gar nicht denkbar gewesen ohne vertrauensvolles Gebet. Beten ist die Voraussetzung für gesegnetes Tun. Mit den Worten Jochen Kleppers: „Die Hände, die zum Beten ruhn, die macht Er stark zur Tat. Und was der Beter Hände tun, geschieht nach Seinem Rat.“

Beten – ein Tun? Muss das Reden zu Gott Arbeit sein? Dürfen wir nicht zu ihm reden, wie es uns ums Herz ist? Ja, das ist wahr. Und doch gibt es Zeiten, in denen das Beten uns Mühe macht. Wie viel lenkt uns ab, wie viel scheint interessanter! Das gilt beim Gebet „im stillen Kämmerlein“ ebenso wie beim Gemeindegebet.

Davon redet Paulus: vom Beten im Gottesdienst, vom Fürbittengebet. Erst Dank sagen und dann Gott um Hilfe bitten – wie soll man ohne das an die Aufgaben des Lebens gehen? Aber obwohl niemand an der Wichtigkeit dieses Gebetes zweifelt, stöhnen doch viele. Lange stehen, vielen Worten konzentriert folgen, ja intensiv mitbeten – das ist wahrlich Arbeit.

Für was sollten wir da beten? Für die eigene Gemeinde? Für die Christen – für unser Volk?

Paulus weitet den Blick: „für alle Menschen“! Und dann speziell: für die Könige und für alle Obrigkeit. Das dürfte sicher nicht jedem schmecken. Was für grausame Herrscher gab es zu allen Zeiten! Kaiser, die sich als Götter verehren ließen und die Christen verfolgten! Und die soll die Gemeinde fürbittend Gott ans Herz legen?

Paulus sagt: Ja, gerade die. Er ist überzeugt: Für die Welt zu beten ist die Aufgabe der Gemeinde. Dass Menschen auf Gottes Erde miteinander leben können – wer sich darum bemüht, braucht die Fürbitte der Kinder Gottes. Auch der römische Kaiser, auch er nur ein sterblicher Mensch, auch er braucht Gottes Leitung. Wenn wir Heutigen also manches, was unsere Politiker und Verantwortungsträger treiben, kritisch sehen, gerade dann ist das Gebet der Christen notwendig.

Beten für alle Menschen! Was für eine Aufgabe, was für ein Tun! Da tröstet es, dass wir nicht in unserem eigenen Namen vor Gott treten. Wir dürfen im Namen Jesu beten, der uns in sein eigenes Gottvertrauen hineingezogen hat und für uns eintritt.

Albrecht Westphal

Die Andacht ist in der Evangelischen Zeitung veröffentlicht

Der Text

Paulus schreibt: So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und für alle Obrigkeit, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen könnenl. Dies ist gut und wohlgefällig vor Gott, unserm Heiland, welcher will, dass allen Menschen geholfen werde.

(Aus 1. Timotheusbrief 2,1-6a)

Der Autor

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Albrecht Westphal Bild: privat

Albrecht Westphal ist Superintendent im Ruhestand und lebt in Hildesheim.

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