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„Du kommst uns entgegen“

Tagesthema 24. März 2016

Literarische Gedanken zu Karfreitag und Ostern

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Meide Büdel, Altarskulptur in der Ev. Kreuzkirche Frankfurt-Preungesheim, Edelstahl brüniert (2013). © Werk: Meide Büdel, Nürnberg; Bild: Markus Zink, Frankfurt

Ein Altar aus schwarzem Stahl. Die Bildhauerin Meide Büdel hat ihn für die Kreuzkirche in Frankfurt-Preungesheim gefertigt. Ein breites, mehrfach geknicktes Band formt eine Höhle. Eine Grabeshöhle? Rechts springt das Band auf, als hätte sich die Tischplatte von ihrer Auflage gelöst. Vorbote des dritten Tages?

Ein Altar aus starkem Material, schwer und präsent. Erdverbunden. Die irdene Ortsbestimmung des Herrn. Darüber, fast schwebend das Kreuz. Die Schwerkraft der Sünde wird aufgehoben. Und auf der Wand segnet der auferstandene Christus den Betrachter.

Die persönliche Geschichte von Versagen und Schuld wird in einer dramatischen Inszenierung des Heils verwandelt. Der Tisch des Herrn öffnet unsere Lesart des Lebens. Das Kreuz verbindet den Tod mit der Verkündigung des Auferstandenen.

Ins Licht des Ostermorgens

Du kommst uns entgegen

Im Licht des Ostermorgens

Hast Unverrückbares bewegt

Und uns herausgeliebt

Aus unseren Gräbern, Auferstandener

So können wir hingehen

unter dein Kreuz,

zweifelnd deine Wunden tasten,

und staunen

über dein Lächeln, Auferstandener

Nun können wir loslassen

das krampfende Ich,

die tonnenschwere Last

die finsteren Todesbilder

Du nimmst sie, Auferstandener.

Wir wollen uns aufmachen

ins Licht des Ostermorgens

uns hineinglauben in deine offenen Arme,

und aufstehn mit dir,

in die Freiheit,

ins Leben.

Landesbischof Ralf Meister

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Meide Büdel, Altarskulptur in der Ev. Kreuzkirche Frankfurt-Preungesheim, Edelstahl brüniert (2013). © Werk: Meide Büdel, Nürnberg; Bild: Markus Zink, Frankfurt

„Krisen-Ruf“ Karfreitag

Landesbischof - im Wortlaut
Bild: Jens Schulze

Landesbischof Ralf Meister hat dazu aufgerufen, den Karfreitag als stillen Feiertag zu bewahren. „Unsere Gesellschaft lebt von öffentlichen Unterbrechungen, die Selbstverständlichkeiten und Alltägliches infrage stellen“, sagte der evangelische Bischof.

Meister wandte sich auch gegen die Kritik, die immer wieder daran geübt wird, dass es am Karfreitag Einschränkungen bei öffentlichen Tanz- und Vergnügungsveranstaltungen gibt.

Die Kritiker hätten ja gegen einen arbeitsfreien Tag nichts einzuwenden, sagte er. „Wer einen Feiertag als freien Tag in Anspruch nimmt, sollte den Grund für diesen Feiertag auch dann achten, wenn er nicht der eigenen Überzeugung entspricht“, betonte der Bischof, der auch Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirchen in Niedersachsen ist.

Für Christen sei der Karfreitag ein „Krisen-Ruf“, der an den Kreuzestod Jesu erinnere. Zugleich hätten sie die befreiende und stärkende Osterbotschaft von der Auferstehung im Blick.

Nach dem niedersächsischen Feiertagsgesetz sind öffentliche Tanzveranstaltungen von Gründonnerstag ab 5 Uhr morgens bis zum Karsamstag um Mitternacht verboten.

Die Landesregierung habe derzeit keine Pläne, diese Regelungen zu ändern, hieß es dazu aus dem Innenministerium. Ein generelles Anliegen, den Feiertagsschutz zu lockern, sei bisher nicht an das Ministerium herangetragen worden.

epd

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Ostern

Ostern ist das älteste und wichtigste Fest der Christenheit. Es erinnert an die Mitte des christlichen Glaubens: die Auferstehung Jesu Christi von den Toten nach seinem Leiden und Sterben am Kreuz. Das Osterfest ist daher ein Symbol für den Sieg des Lebens über den Tod. In der frühen Christenheit gab es oft Taufen an diesem Tag.

Im Jahr 325 bestimmte das Konzil von Nicäa den Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling als Ostertermin. Seither wird das Auferstehungsfest in den westlichen Kirchen zwischen dem 22. März und dem 25. April begangen. In diesem Jahr fällt der Ostersonntag auf den 27. März. Die orthodoxen Kirchen, die sich nach dem alten julianischen Kalender richten, feiern meist an einem anderen Datum. In diesem Jahr feiern die orthodoxen Christen ihr Osterfest erst am 1. Mai.

Ostern hat sich wohl aus dem jüdischen Passah-Fest entwickelt, das in diesem Jahr zwischen dem 23. und 30. April begangen wird. Trotz der Loslösung vom Judentum blieben wichtige Parallelen bestehen: Passah, die Erinnerung an den Auszug der Juden aus Ägypten, liegt in zeitlicher Nähe zu Ostern. Viele Inhalte des Passah-Festes haben ein Gegenstück in der christlichen Symbolik. So erinnert das Osterlamm, das aus dem an Passah geschlachteten Lamm hervorgeht, an das Sühneopfer Jesu, der dem christlichen Glauben nach zur Erlösung der sündigen Menschen starb.

Die Herkunft des Namens Ostern ist nicht völlig geklärt. Volkstümlich wurde er von der Frühlingsgöttin „Ostara“ abgeleitet. Möglicherweise ist er auch Resultat eines Übersetzungsfehlers. Die lateinische Bezeichnung („Weiße Woche“/„hebdomada in albis“) wurde Religionshistorikern zufolge auch mit dem Wort für die Morgenröte „alba“ - auf althochdeutsch „eostarun“ - verwechselt.