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Bild: Wencke Breyer

Instagram zeigt Glaubensalltag

Tagesthema 14. Januar 2016

Je vielfältiger und bunter die Welt der Religionen wird, umso wichtiger ist es, dass wir einander kennen lernen. In der interaktiven Wanderausstellung „Religramme – Gesichter der Religionen“ begegnen Sie zwanzig Frauen und Männern aus zwanzig Religionsgemeinschaften.  Die Vizepräsidentin der hannoverschen Landessynode, Wencke Breyer, ist in dieser Ausstellung das Gesicht des Christentums.

Wanderausstellung „Religramme“ über Gesichter der Religionen

Redaktion: Wie ist es dazu gekommen und was bedeutet Ihnen diese Rolle in der Ausstellung?

Wencke Breyer: Ich bin von den Verantwortlichen aus dem Haus kirchlicher Dienste angesprochen worden und das Konzept mit einer Mischung aus fester Ausstellung und aktuellen Beiträgen im Social Web sowie dem dadurch entstehenden Diagog hat mir sehr gefallen. Für mich ist es schon was besonderes, dabei sein zu dürfen. Dabei zu sein bei dieser neuen Form des Dialogs und vor allem auch damit aufzuzeigen, wie vielfältig Niedersachsen auch in seinen Religionen und vor allem da dann auch nochmal innerhalb der einzelnen Ausprägungen ist und wie unterschiedlich Menschen ihren Glauben im Alltag leben.

Redaktion: Wie waren die Reaktionen in Ihrem Umfeld?

Wencke Breyer: Ganz unterschiedlich, von: „Oh klasse, das hört sich spannend an!“ bis hin zu: „Bist du sicher, dass du so mit deinem Glauben in der Öffentlichkeit präsent sein willst?“ Durchweg waren die Reaktionen aber positiv und sie sind alle schon ganz gespannt auf den Start der Ausstellung und wie es weitergeht.

Redaktion: Welche Unterstützung wünschen Sie sich im Social Web?

Wencke Breyer: Ich gehöre zu einer Generation, die nicht selbstverständlich mit dem Internet groß geworden ist. Beruflich habe ich viel mit dem Social Web zu tun und erlebe, wie selbstverständlich das Internet und damit auch der (kritische) Umgang mit dem Social Web in der Lebenswelt der jungen Menschen ist und stelle fest, dass Kirche hier unterrepräsentiert ist. Aus meiner Sicht muss Kirche hier umdenken, bei allen berechtigten Bedenken. So selbstverständlich wie Homepages gefüllt werden, müssen auch die entsprechenden Profile im Social Web bedient werden. Konkret heißt das, dass ich mir von meiner Landeskirche wünsche, dass im neuen Kommunikationskonzept selbstverständlich das Social Web, wie z.B. Twitter oder Instagram mitgedacht wird.

Redaktion: In welchem Kontakt stehen Sie mit den Porträtierten der anderen Religionen?

Wencke Breyer: Ich folge bereits den anderen Porträtierten bei Instagram, nehme deren Bilder und damit deren Umgang mit dem Glauben im Alltag neu wahr und kommentiere zum Teil auch die Bilder. Durch einen Einstiegsworkshop konnte ich bereits einige Gesichter persönlich kennenlernen und bin mit ihnen seitdem auch im Kontakt. Und wir freuen uns schon auf ein Wiedersehen bei der Ausstellungseröffnung in Wolfsburg.

Redaktion: Was genau wird in den nächsten Wochen im Rahmen der Wanderausstellung passieren? Wie sind Sie da eingebunden?


Wencke Breyer: Am Ort der Wanderausstellung wird es ein Begleitprogramm  geben, das von den verschiedenen Religionsgemeinschaften entwickelt wird und das zum Dialog der Religionsgemeinschaften anregen, sowie dieses fortführen soll. In Wolfsburg selber bin ich vor Ort nur durch mein Porträt mit Interview und Hintergrundinformationen vertreten, eingebunden bin ich durch das „Bespielen“ meines Instagram-Profils, das die Ausstellung begleitet. Die BesucherInnen der Ausstellung werden eingeladen, uns dort zu folgen und mit uns in einen Dialog zu gehen, also unsere Bilder zu kommentieren oder auch selber Bilder einzustellen.

Für mich heißt das ganz konkret: ich werde in Zukunft durch Bilder zeigen, wie ich als evangelisch-lutherische Christin meinen Alltag lebe, welche Rolle mein Glaube für mich dabei bedeutet oder wie ich mich selber bei der Gestaltung meiner Kirche einbringe.

Das Interview führte Diana Schild (Evangelisches MedienServiceZentrum).

„religramme_wencke“ : Diese Bilder stehen bereits auf Instagram

Was anderen am Herzen liegt...

Vor vier Jahrzehnten war man in Niedersachsen entweder evangelisch oder katholisch.

Andere Religionsgemeinschaften gab es kaum. Heute erleben Kinder und Jugendliche etwas ganz anderes. Schulklassen sind religiös und kulturell bunt gemischt. Darüber hinaus gibt es in fast jeder Klasse Mädchen und Jungen, die sich keiner Religion zugehörig wissen.

Niedersachsen ist ein multireligiöses Land geworden. In vielen Städten sind mittlerweile Gebetshäuser aller großen Religionen zu finden.

In Hannover etwa kann man heute neben den evangelischen und katholischen Kirchen drei Synagogen besichtigen, mehr als zwanzig Moscheen, sechs buddhistische Zentren, unter ihnen die größte Pagode Deutschlands, zwei Hindutempel, dazu orthodoxe Kirchen und viele andere mehr.

Je vielfältiger und bunter die Welt der Religionsgemeinschaften wird, umso wichtiger ist es, dass wir einander kennen lernen, dass wir erfahren, was den anderen am Herzen liegt und wie sie sich das Miteinander in unserer Gesellschaft vorstellen.

In der Ausstellung „Religramme - Gesichter der Religionen“ geben zwanzig Frauen und Männer aus zwanzig Religionsgemeinschaften der  multireligiösen Landschaft Niedersachsens ein Gesicht. Sie erzählen, wer sie sind, wo sie herkommen und wie sie leben.

Sie antworten auf die Fragen: Was ist Dir wichtig an deiner religiösen Tradition? Wie stehst Du zu Menschen mit anderer Religion? Was bedeutet es für Dich, in Niedersachsen zu leben? Die religiösen Traditionen der Porträtierten sind höchst vielfältig.

Eröffnung im Januar

Die Ausstellung startet am 18. Januar 2016 im Rathaus in Wolfsburg und wird danach durch mindestens 15 niedersächsische Städte ziehen. An jedem Ausstellungsort wird es ein im Dialog der Religionsgemeinschaften vor Ort entwickeltes Begleitprogramm geben.

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