2016_01_11_schmal

Bild: Ralf Neite

„Gott sei Dank, dass Du hier warst“

Tagesthema 10. Januar 2016

800 Menschen verabschieden Superintendent Helmut Aßmann

Die Schlange derer, die Helmut Aßmann noch einmal persönlich die Hand schütteln wollen, nimmt einfach kein Ende. Der Gottesdienst zu seiner Verabschiedung und die nachfolgenden Grußworte sind schon eine Stunde vorüber, immer noch warten Menschen geduldig im Mittelgang der St. Andreaskirche, während der scheidende Superintendent fröhlich lächelnd mit jeder und jedem ein paar Worte wechselt. Einen Satz wird er mit Sicherheit x-mal gehört haben an diesem Sonntagnachmittag: „Schade, dass Sie gehen.“

Knapp elf Jahre lang ist Helmut Aßmann Leiter des evangelischen Kirchenkreises Hildesheim-Sarstedt gewesen. Dass er in dieser Zeit viele Spuren hinterlassen lassen hat, davon zeugten schon die vollbesetzten Bänke der St.-Andreas-Kirche. Rund 800 Menschen waren gekommen, um bei seinem Abschiedsgottesdienst dabei zu sein.

„Gott sei Dank, dass Du hier warst!“, rief Landessuperintendent Eckhard Gorka Aßmann zu, der nun als Oberkirchenrat im Landeskirchenamt für die Ausbildung des theologischen Nachwuchses zuständig ist. Gorka beschrieb Aßmann als einen Kirchenmann, der sich in seiner Leitungsfunktion immer auch als Theologe und nicht als Manager verstanden habe.

„Du hast viel für die Stadt und die Menschen hier getan“

Die Bildung eines Kirchenkreis-Verbands mit dem Nachbarkirchenkreis Hildesheimer Land-Alfeld, das 1000-jährige Michaelisjubiläum, bürgerschaftliches Engagement wie bei Anti-Nazi-Demos, die Gründung des Literaturhauses St. Jakobi sowie eine lebendige Ökumene nannte der Landessuperintendent als ausgewählte Beispiele aus einer langen Reihe erfolgreicher Aktivitäten in Aßmanns Amtszeit. Zudem habe er für ein gutes Klima gesorgt – innerkirchlich wie in der städtischen Öffentlichkeit. So machte Gorka machte keinen Hehl daraus, dass er Aßmann nicht gerne nach Hannover hat ziehen lassen: „Mit Freude hat dieser Nachmittag für mich wenig gemein.“

„Wehmut klingt mit“, meinte auch Oberbürgermeister Ingo Meyer. „Du hast viel für die Stadt und die Menschen hier getan“, lobte das Stadtoberhaupt. Nicht nur kirchlich sei Aßmann ein wichtiger Ideengeber gewesen, sondern auch in städtischen Gremien wie dem Aufsichtsrat von Hildesheim Marketing oder dem Kuratorium zur 1200-Jahr-Feier Hildesheims.

„Ist dumm gelaufen für mich: Plötzlich stehste alleine da in der Ökumene!“, beklagte der katholische Dechant Wolfgang Voges den Weggang seines evangelischen Mitstreiters. Das zweite Standbein sei ihm abhanden gekommen, deshalb habe er sich von seiner Sekretärin eine Krücke ausgeborgt, erzählte Voges in seinem launigen Grußwort. Dankbar sei er für die gute Ökumene, für den gegenseitigen Respekt und nicht zuletzt für den Humor, der Helmut Aßmann auszeichne. Voges: „Da habe ich von Dir gelernt.“

Ralf Neite

Hildesheim sagt: „Ciao Helmut“

Dankbarkeit für die herzliche Zusammenarbeit prägte die Abschiedsworte von Andreaspastor Detlef Albrecht, der Kirchenkreisvorstandsvorsitzenden Karin Köhler und der Leiterinnen der evangelischen Kindertagesstätten. Letztere inszenierten ihr „Ciao Helmut“ als launiges Chor-Ständchen: „Wir werden Dich vermissen und würden Dich gern küssen.“

Helmut Aßmann, der nicht nur Superintendent, sondern mit einer Teilstelle auch Pastor an St. Andreas war, bestieg vorerst zum letzten Mal die Kanzel der Bürgerkirche. Dort holte er eine griechische Ausgabe des Neuen Testaments hervor, die er während seines Theologie-Studiums erworben und in die er damals eine Passage aus dem Römerbrief als Motto hineingeschrieben hatte.

Just dieser Abschnitt war nun der bundesweit gültige Predigttext für diesen Sonntag. „Manche nennen das Zufall“, sagte Aßmann schmunzelnd. Bis heute enthalte der Paulustext zwei für ihn entscheidende Impulse. Aßmann fasste sie so zusammen: „Gib Dich hin und lass Dich verwandeln! – Mehr hab ich nicht.“

Ralf Neite/ Redaktion

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