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Bild: fotolia.com/ Romolo Tavani

Masterplan für den Klimaschutz

Tagesthema 30. September 2015

Deutsche Kommunen tauschen sich bei internationaler Konferenz in Hannover aus

26 Teams, 308 Teilnehmer, 56.518 Fahrrad-Kilometer absolviert und viel klimaschädliches Kohlendioxid eingespart - das ist die Bilanz der Aktionswochen „Stadtradeln 2015 - Rauf auf's Rad für's Klima!“ in Göttingen. Die Verwaltung und Umweltinitiativen hatten in diesem Sommer drei Wochen lang alle Einwohner aufgerufen, das Auto stehenzulassen und auf das umweltfreundliche Fahrrad umzusteigen. Bis 2050 will die Universitätsstadt annähernd klimaneutral sein und gehört damit zu den mehr als 3.000 Städten und Gemeinden in Deutschland, die sich aktiv im Klimaschutz engagieren.

Viele von ihnen nehmen am 1. und 2. Oktober an einer internationalen Klimakonferenz in Hannover teil. Von dort soll eine starke Botschaft für den als wegweisend bewerteten UN-Klimagipfel in Paris ausgehen, der zwei Monate später stattfindet. In Hannover erwarten die Veranstalter, zu denen unter anderem das Bundesumweltministerium gehört, rund 300 Vertreterinnen und Vertreter aus Kommunen, Politik, Netzwerken, Stiftungen und Wissenschaft.

Göttingen könnte dabei beispielhaft sein, denn hier spielt Klimaschutz schon lange eine Rolle. Bereits seit ihrem Beitritt zum weltweiten Klima-Bündnis der Kommunen im Jahr 1991 verfolgt die Stadt vergleichsweise ehrgeizige Ziele. Herzstück ist der im März 2014 vom Rat verabschiedete „Masterplan 100 Prozent Klimaschutz“. Der gemeinsam mit den Stadtwerken und der Universität Göttingen erstellte, vom Bundesumweltministerium geförderte, Plan unterstreicht die besondere Verantwortung der Städte und Gemeinden für den Klimaschutz. Zum einen könnten sie als Eigentümer etwa von Schulen, Kindergärten, Hallenbädern oder Verwaltungsgebäuden sowie bei der Straßenbeleuchtung selbst die Schadstoffemissionen deutlich reduzieren.

Andererseits hätten sie eine „Vorbildfunktion“ für die Bürger und die örtliche Wirtschaft. Dass diese Beispielfunktion nicht nur theoretisch besteht, zeigt sich etwa bei der Energieerzeugung: Auf den Dächern öffentlicher Gebäude waren im Jahr 2001 nur sechs und auf privaten Dächern 40 Photovoltaikanlagen installiert. Bis 2013 steigerte die Stadt die Zahl der kommunalen Anlagen auf 51, private Immobilienbesitzer bauten 603 Photovoltaik-Anlagen auf ihre Dächer.

Auch bei ihren langfristigen Planungsaufgaben haben Kommunen großen Einfluss auf klimaschutzrelevante Entscheidungen. Göttingen trägt dem durch einen „Klimaplan Verkehrsentwicklung“ und einen „Klimaplan Stadtentwicklung“ Rechnung, wie die Verwaltung erläutert. Beide Pläne würden derzeit erarbeitet.

Bereits fertig ist ein „Wärmeatlas“ für die Göttinger Kernstadt. Er diene als Entscheidungsgrundlage für die künftige Wärmeversorgung, sagt Stadtsprecher Johannson. So wird aufgezeigt, welche Gebiete für eine Versorgung mit Kraft-Wärme-Kopplung geeignet sind, oder ob die Abwärme von Betrieben in der Nachbarschaft sinnvoll genutzt werden kann.

Klimaschutz in Göttingen umfasst inzwischen nicht nur das Stadtgebiet. Im vergangenen Jahr ging die Kommune eine „Klimapartnerschaft“ mit dem nicaraguanischen La Paz Centro ein. Bürgermeisterin Lesbia Abarca war in diesem Jahr mit einer kleinen Delegation in Göttingen, um sich hier über Klimaschutzplanungen und -maßnahmen zu informieren.

Reimar Paul (epd)

Ziel der International Conference on Climate Action (ICCA2015)

Grüne Theologie

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Bild: Jens Schulze

In der Marktkirche in Hannover rief der indische Theologe George Zachariah dazu auf, die Natur als Schöpfung Gottes zu pflegen und zu bewahren. Der Lüneburger Regionalbischof Dieter Rathing mahnte einen umweltschonenden Lebensstil an. Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Niedersachsen (ACKN) zeichnete landesweit erstmals 21 Gemeinden mit Umweltpreisen aus.

Christen in Niedersachsen feiern „Schöpfungstag“

Förderpreis „Eine Welt“

Klimaschutz
 Klimaschutzkonzept der Landeskirche Hannovers

Der evangelisch-lutherische Kirchenkreis Friesland-Wilhelmshaven erhält für ein Projekt zum fairen Einkauf den ökumenischen Förderpreis „Eine Welt“. Die Auszeichnung wird von der evangelischen Hilfsorganisation „Brot für die Welt“ und dem Katholischen Fonds am 16. Oktober in Münster verliehen. Die Friesländer gewannen nach Angaben der Initiatoren in der Kategorie „Klimagerechtigkeit“. In dem Kirchenkreis decken seit vier Jahren fünf Pilotgemeinden ihren Bedarf für Gemeindehäuser, Kindergärten und diakonischen Einrichtungen nach fairen und ökologischen Kriterien.

Der Preis wird den Angaben zufolge in drei Kategorien vergeben und ist mit jeweils 3.000 Euro dotiert. In der Kategorie „Entwicklungspolitik global“ gewann das Agrarprojekt „Erna goes fair - für eine faire Landwirtschaft weltweit“ der „Aktion 3. Welt Saar“ aus Losheim im Saarland. Die Kampagne vernetze Bauern, Naturschützer, Entwicklungshelfer und Gewerkschaften, hieß es.

In der Kategorie „Kirchliche Partnerschaftsarbeit“ wird die Katholische Landjugendbewegung der Diözese München-Freising für ein Partnerschaftsprojekt mit Bolivien ausgezeichnet. Um den inzwischen vierten Förderpreis „Eine Welt“ hatten sich insgesamt 40 Projekte beworben.

epd

Klimagipfel in Paris

Gemeinsam zum Klimagipfel nach Paris pilgern: Bischöfin Petra Bosse-Huber, Vizepräsidentin des Kirchenamtes der EKD und Leiterin der Hauptabteilung Ökumene und Auslandsarbeit im Interview über die Bewahrung der Schöpfung und den Auftrag der Kirche.

Interview mit Bischöfin Petra Bosse-Huber

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