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Bild: Vision Kirchenmusik

Vielfalt ist Trumpf

Tagesthema 21. Juni 2015

Himmlische Botschaften und Aktionen für Groß und Klein auf der Kirchenmeile beim Tag der Niedersachsen

Schreibwerkstatt,, biblisches Reisen und Eine-Welt-Arbeit, Kinderzirkus oder eine Jukebox aus Fleisch und Blut: In der Kirche passiert eine Menge mehr, als viele denken. Beim Tag der Niedersachsen vom 26. bis 28. Juni in Hildesheim bietet sich nun die Gelegenheit, verschiedenste Farben und Schattierungen des Spektrums kennen zu lernen.

Die Kirchenmeile ist mit ihren Pavillons und einer eigenen Bühne auf der Nordseite des Andreasplatzes zu finden. Ein Großteil der Angebote kommt von der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers, doch die Kirchenmeile ist durch und durch ökumenisch angelegt. Auch das katholische Stadtdekanat Hildesheim, die Ev.-reformierte Kirche, die Ev.-freikirchliche Gemeinde und das interreligiöse Projekt Abrahams Runder Tisch beteiligen sich. „Himmlische Botschaften“ ist der Titel einer Fotoaktion, bei der jede BesucherIn ein Portrait von sich anfertigen lassen und mit einem kleinen persönlichen Text versehen kann.

Kinder begeben sich unterdessen mit der Elster Kira auf Entdeckungstour oder werden in der Manege des Zirkus MiMa zu ArtistInnen. Die Diakonie rollt für die BesucherInnen einen roten Teppich aus und lädt sie zu einem riesigen Jenga-Spiel ein. Im selben Zelt zeigt die Caritas ihre Ausstellung „Die 7 Werke der Barmherzigkeit für heute“. Die Hildesheimer Blindenmission ist mit einem Eine-Welt-Stand dabei, Bildung, Pilgerangebote, Umweltarbeit sind weitere Schwerpunkte.  

Auf einer Bühne an der Andreaskirche gibt es an allen drei Tagen Programm, das überwiegend von Gruppen aus Hildesheimer Schulen gestaltet wird – Chöre, BläserInnen-Ensembles, Bands, Tanz- und Zirkus-AG’s treten auf. Popkantor Til von Dombois kommt am Freitagabend mit seiner Band, ein Freiluft-Jugendgottesdienst mit Live-Musik findet am Samstag um 18 Uhr statt. Als „Satelliten-Veranstaltung“ lädt das Michaeliskloster Freitag um 18 Uhr zu einem sommerlichen Volkslieder-Singen mit Fritz Baltruweit ein.

Auch die große Bühne am Zingel (Platz an der Volksbank) wird von der evangelischen Landeskirche in Kooperation mit dem Landessportbund und Radio Antenne Niedersachsen bespielt. Highlights sind der Auftritt von Bob Geldof am Samstagabend und der große ökumenische Gottesdienst mit Landesbischof Ralf Meister und Bischof Norbert Trelle am Sonntag um 10 Uhr.

Einzigartig: Die Hildesheimer Gäste-Bibel

Beim Tag der Niedersachsen soll die „Hildesheimer Gäste-Bibel“ entstehen – im Scriptorium, einer Schreibwerkstatt auf der Kirchenmeile an der Andreaskirche. Eine ganz spezielle, durch und durch ökumenische Bibelausgabe, zu der jede BesucherIn ihren oder seinen ganz persönlichen Beitrag liefern kann.

Das Konzept ist ganz einfach: An hölzernen Stehpulten in einem Pagodenzelt der Kirchenmeile liegen quadratische Blätter aus, auf die Gäste einen Bibelspruch schreiben können, der ihnen besonders wichtig ist. Das mag ein Tauf- oder Trauspruch sein, vielleicht ein Konfirmationsspruch, der erst im Laufe des Lebens an Sinn und Bedeutung gewonnen hat, oder auch eine andere Stelle aus dem meist gedruckten Buch der Welt.

„Ich bin jetzt schon überrascht über die gute Resonanz“, sagt Klaus Bröhenhorst, der als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Hildesheim das Projekt leitet. Bei einem Vorbereitungstreffen, zum dem der evangelisch-reformierte Pastor eingeladen hatte, kamen mehr als 20 Interessierte, die im Scriptorium als ehrenamtliche HelferInnen aktiv werden möchten – „Baptisten, Lutheraner, Katholiken und wir“, so Bröhenhorst.

Ein besonderer Reiz an der Gästebibel ist, dass sich die Schreibgäste nicht allein auf die Lieblings-Bibelstelle beschränken müssen, sondern auch eine persönliche Erinnerung oder einen Kommentar dazu setzen kann – vielleicht eine kurze Bemerkung, wann und warum eine Passage wichtig geworden ist. Klaus Bröhenhorst: „Das muss nicht sein. Aber es ist natürlich schön, wenn eine biografische Verankerung dabei ist.“

Alle Berichte Ralf Neite/Redaktion

Eine Jukebox, die lebt!

Jüngere Menschen kennen Jukeboxes allenfalls vom Hörensagen. Deshalb hier ein kurzer Exkurs in die Geschichte. Die Jukebox war der erste Vorläufer des mp3-Players: ein Musikautomat, in den man eine Münze einwarf und dann eine Zahlenkombi für ein bestimmtes Musikstück eingab – bis zu 120 Singles befanden sich in der Auswahl, über eine Mechanik wurden sie auf den Plattenteller gelegt. Übrigens sahen die Dinger viel besser aus als mp3-Player oder iPhones und waren auch deutlich größer. Noch viel größer ist eine ganz spezielle Jukebox, die am 27. Juni auf der Kirchenmeile beim Tag der Niedersachsen in Hildesheim steht. Eine Jukebox, die lebt!

Dahinter steckt das BläserInnen-Ensemble Lappland, sitzend und stehend in einem fünf Meter langen Bauwagen. „Wir haben eine Seitenwand fast komplett rausgeflext und zwei große Fenster mit Rollläden eingesetzt“, erzählt Ulf Pankoke. Ein Elektronikbastler – „so ein Daniel Düsentrieb“ (O-Ton Pankoke) – hat ein Terminal mit einer Tastatur gebaut, das etwa zehn Meter vom Bauwagen entfernt steht. Wie bei einer Jukebox findet sich dort eine Liste von Musiktiteln, die über Zahlenkombinationen ausgewählt werden.

„Dann gehen die Rollläden hoch, und wir spielen das gewünschte Lied“, erklärt Ulf Pankoke das Prinzip. „Für uns im Bauwagen ist es spannend, weil wir natürlich sehr schnell sein wollen.“ Wie viel Zeit zwischen der Eingabe am Terminal und dem Liedbeginn vergeht? „Das sind vielleicht fünf bis zehn Sekunden“, schätzt Pankoke. Nach einer bis zwei Minuten schließen sich die Jalousien wieder.

Das Repertoire ist bunt gemischt, enthält kirchliche wie weltliche Stücke: Barocke Choräle, Gospel oder Jazz sind genauso dabei wie die Titelmelodie der Gummibärenbande – übrigens das meist gewünschte Stück bisher.

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