Erinnern - Mahnen - Danken

Tagesthema 18. April 2015

Handreichung für Gottesdienst, Schule und Gemeinde -
70 Jahre Ende des Zweiten Weltkrieges

Die Mächte des Bösen sind real, und sie sind in Schach zu halten. Das beschäftigte die Menschen zu allen Zeiten. Als das Buch der Offenbarung des Johannes entstand, war die politische Konnotation klar: der Drache, dieses große, alte, Ehrfurcht und Furcht gebietende Wesen, das war Rom mit seinen vielen Facetten von Militarismus, Imperialismus, Überwachsungsstaat usw. Die junge Christengemeinde war in der Minderheitenposition, verfolgt, nicht nur wegen Ungehorsams, sondern weil sie im Besitz einer revolutionären Botschaft war: eine Frau und ein Kind, die die Machtverhältnisse und Herrschaftsansprüche auf den Kopf stellten.

Auch heute, 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs, sind die Mächte des Bösen nicht überwunden. Die Geschichten von Militarismus und Imperialismus sind weitergegangen. Nach dem Ende der Nazi-Diktatur wirkte der Hass, den sie gesät hatte, in zahlreichen Formen auf dem gesamten europäischen Kontinent nach. (...)

(...) Das Böse hat durchaus verschiedene Namen, der Verkläger z.B. oder Satan. Zur Erde hinabgekommen ist der diabolos. In perfider, teuflischer Art macht er sich breit. Langsam und schleichend wie die Nazi-Ideologie, der Judenhass, die heutige Fremdenfeindlichkeit, auch die ständigen selbstbezogenen und wenig weitsichtigen Diskussionen um die Zukunft Europas und den Sinn der EU. Laut, brutal und hässlich zeigt er sich heute in den Methoden von IS, Boko Haram und Al Qaida. Auch Putins Vorgehensweise auf der Krim lässt böse Erinnerungen wach werden und weckt die ehedem geschürte Russenangst. Teuflisch all das im wahrsten Sinne des Wortes.

Wir sind durcheinander geworfen, hin und her geschüttelt, unsere Emotionen, Meinungen, Analysen schwirren chaotisch durcheinander. Keine Spur mehr von Souveränität, Gelassenheit, Standhaftigkeit im Glauben. – Was sagen wir also angesichts von 70 Jahren Befreiung vom Faschismus?

Wichtig ist mir zum einen, dass es sich bei den Gräueln der Nazi-Zeit und beim Zweiten Weltkrieg um singuläre Ereignisse handelt, die in ihrer schier unfassbaren Dimension mit nichts zu vergleichen sind. Diese Einzigartigkeit muss gerade auch angesichts gegenwärtiger besorgniserregender Entwicklungen herausgestellt werden.

Auszug aus der Handreichung „Erinnern - Mahnen - Danken; Arbeiten für den Frieden“, herausgegeben von der Evangelischen Kirche von Westfalen

Zeit der Gnade

Gnadenspruch: Gott spricht: „Ich habe dich zur Zeit der Gnade erhört und habe dir am Tage des Heils geholfen.“ Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils! (2.Kor.6,2)

„Junge Generationen tragen die Verantwortung dafür zu sorgen, dass dieses nie wieder geschieht.“ , sagte d ie niedersächsische Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) bei einer Zeremonie in der KZ-Gedenkstätte Moringen. Die intensive Auseinandersetzung mit den Ereignissen dieser Zeit schärfe den Blick für heutige individuelle und gesellschaftliche Zustände und Tendenzen, sagte Heiligenstadt. Die Erinnerung an die Verbrechen der NS-Zeit dürfe dabei nicht nur in Gedenkritualen an zentralen Mahnmalen stattfinden. „Erst die aktive Erinnerung leistet einen Beitrag zur Stärkung von Demokratie und Frieden.“

epd