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Bild: LWB/C. Kästner

„Ich möchte lernen“

Tagesthema 19. März 2015

Was Bildung für die Flüchtlinge im Südsudan bedeutet

„Ich bin hier, um zu lernen“, so stellt sich der 18-jährige Mobarak Habil Ibrahim vor. Er hat auf der Flucht vor dem Konflikt in den Nuba-Bergen seine Eltern zurück gelassen. Sein vorläufiges Zuhause ist das Flüchtlingslager Ajuong Thok in Südsudan.

Mobarak weiss nicht, wann er in seine Heimat zurück kann, doch wie seine KlassenkameradInnen ist er fest entschlossen, aus seiner jetzigen Situation das Beste zu machen. „Es hat viele Probleme gegeben. In meinem Land herrscht Krieg, wir wurden von unseren Feinden angegriffen. Also sind wir hierhergekommen, um zu lernen und das zu erhalten, was wir für unsere Zukunft brauchen“, erklärt er.

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Eine Schule im Flüchtlinhslager Ajuong Thok, Südsudan. Bild: LWF/ C. Kästner

Ein Besuch in der Soba-Sekundarschule nach Ende des Schulbetriebs: Trotz der Nachmittagshitze sind die als provisorische Klassenzimmer aufgestellten Zelte voller Jugendlicher, die bei leiser Musik lernen und Hausaufgaben machen. Ein Schüler schreibt seine Notizen aus der Naturkundestunde an die grosse Schultafel, die anderen schreiben sie sorgfältig ab.

Die SchülerInnen sitzen auf handgezimmerten Holzbänken und schreiben auf den Knien. Stille Konzentration hängt in der Luft, Neuankömmlinge setzen sich möglichst leise hin. Einziges Zeichen des Ungehorsams sind mit Filzstift auf die Zeltpläne gekritzelte Sätze wie „Das Leben ist nicht leicht“ oder „Gib niemals auf!“

Wie viele seiner KlassenkameradInnen möchte Mobarak Arzt werden. Seine Lieblingsfächer sind Naturwissenschaften und Mathematik. Andere möchten LehrerInnen, IngenieurInnen oder PilotInnen werden. „Es gab vieles, was ich zuhause in den Nuba-Bergen noch nicht wusste“, erzählt Mobarak. „Doch als ich hierher kam, habe ich viel gelernt. Hier gibt es Krankenhäuser und Sekundarschulen. Hier ist alles gut.“

Cornelia Kästner LWI

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Unterricht im globalen Dorf

„In den meisten Fällen ist die Maus grün und die Tastatur lila“, erklärt die Lehrerin. 27 Männer und Frauen recken ihren Hals, um an der Rückseite ihres PCs die Anschlüsse zu finden, von denen die junge Frau vor ihnen soeben sprach. Es ist die erste Stunde des Projektes „Informatik, Computer und Technologie“ (ICT) im Flüchtlingslager Ajuong Thok.

„Die Schülerinnen und Schüler sind sehr lernbegierig“, erklärt die Teamleiterin Anne Mwaura, „doch haben selbst die Lehrerinnen und Lehrer keinerlei Computerkenntnisse“. Als die Vodafone-Stiftung zum Erlernen von PC-Kenntnissen Tablets zur Verfügung stellte, zeigte sich, dass erst die Lehrkräfte selbst ausgebildet werden mussten. Die erste Gruppe besteht aus 150 Lehrkräften und SchulabgängerInnen.

„Wir möchten lernen, wie man das Internet benutzt“, erklärt Mati Amin Kadam (26). Er unterrichtet an der Napata-Grundschule, die wie die Soba-Sekundarschule seit ein paar Monaten einen Internet-Anschluss besitzt.

„Wir nähern uns dem globalen Dorf“, erklärt die Teamleiterin in Ajuong Thok, Anne Mwaura. „Wenn wir den Schülerinnen und Schülern im Camp Computerkenntnisse vermitteln, helfen wir ihnen, mit dem Rest der Welt aufzuholen“. Auf rein praktischer Ebene haben sie dadurch ausserdem die Möglichkeit, mit ihren Angehörigen, die in anderen Flüchtlingslagern leben oder im Ausland aufgenommen wurden, in Kontakt zu bleiben.

Cornelia Kästner LWI

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Für eine sichere Zukunft

Das Schicksal der Menschen im Sudan beschäftigt uns seit vielen Jahren. Wir haben verfolgt, wie Christen und Christinnen sich in dem neugregründedeten Staat Südsudan für ein Ende der Kämpfe und für einen Neuanfang in einem eigenen Staat eingesetzt haben.

Die Sudan-Expertin Marina Peter, die in Südniedersachsen zuhause ist und seit langer Zeit für den Sudan Focal Point gearbeitet hat, hat immer wieder von der Hoffnung auf Versöhnung und gute Nachbarschaft berichtet; umso trauriger war es zu hören, dass aufgrund neuer Konflikte Kinder, Frauen und Männer dieser Region in die Flucht getrieben wurden.

Einmal im Jahr treffen sich Menschen aus dem Sudan in Hermannsburg, beraten über konkrete Schritte zum Frieden und sprechen darüber, wie die Menschen in dieser Region der Welt eine sichere Zukunft erarbeiten können. Es gibt also viele Bezugspunkte.

Der Lutherische Weltbund informiert uns aktuell und regelmäßig über das Engagement für Flüchtlinge und die Not, die deutlich wird, wenn die Menschen erschöpft und traumatisiert in den Flüchtlingslagern ankommen. Um hier ein kleines Zeichen der Hoffnung zu setzen, haben wir uns finanziell engagiert. Die Fürbitte für die Geschwister im Südsudan und das Engagement für die Anliegen des jungen Staates sind uns genauso wichtig wie unser finanzieller Beitrag.

OLKR Rainer Kiefer, Deligierter der hannoverschen Landeskirche für den Lutherischen Weltbund (LWB)

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