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Bild: ELM

Schulen des Respekts

Tagesthema 26. Februar 2015

Meister fordert mehr kirchliches Engagement in „Mega-Cities“

Bei seiner zweiwöchigen Reise nach Afrika zu einer internationalen Tagung des niedersächsischen Evangelisch-lutherischen Missionswerks in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba, hat Landesischof Ralf Meister in seinem Vortrag „Christ in the City“ die große Herausforderung für die Missionsarbeit in der Kirche betont.

„Die Kirchen müssen sich in den weltweiten Mega-Cities mehr engagieren. Denn die Zukunft der Städte entscheidet sich nicht in Europa, sondern in den boomenden Regionen der Welt“, sagte Meister. In 20 Jahren würden Schätzungen zufolge rund zwei Drittel der Weltbevölkerung in Großstädten und „Mega-Cities“ mit mehr als zehn Millionen Einwohnern leben.

In der Konsequenz, so Meister weiter, bedeute dies eine enorme Zunahme der gesellschaftlichen Spaltung in Arme und Reiche, die schon jetzt in vielen Städten extrem sei. „Die Städte bleiben Schulen des Respekts und der Toleran“, so Meister, „weil die Begegnung mit dem Fremden die Voraussetzung städtischen Lebens ist. Es liegt in der Verantwortung der Religionsgemeinschaften, ob sie sich für die friedliche Lösung städtischer Konflikte einsetzen oder in interreligiösen Auseinandersetzungen selbst Gewalt ausüben. Die moderne Stadt braucht Kirchen, die sich ihrer öffentlichen Verantwortung als Teil wie als Gegenüber der Stadtgesellschaft bewusst sind.“

Die Hoffnung auf ein friedliches Zusammenleben aller Menschen in einer Stadt ist biblisch begründet, so Meister. Er verweist auf das Buch Jona im Alten Testament, in dem eine ganze Stadt ihre Sünden bereute und vor Gott Buße tat. Auch im Neuen Testament sei die Stadt ein besonderer Ort der Hoffnung, wenn etwa Jesus zu seinen Jüngern sagt: „Ihr aber sollt in der Stadt bleiben, bis ihr ausgerüstet werdet mit Kraft aus der Höhe.“ (Lukas 24,49)

Besuch der Ethiopian Evangelical Church Mekane Yesus (EECMY)

Landesbischof Ralf Meister hat zudem die Äthiopische Evangelische Kirche Mekane Yesus besucht. Dort führte er Gespräche mit Präsident Dr. Wakseyoum Idossa, Generalsekretär Rev Berhanu Ofgaa und Vertretern des Headoffice der EECMY. Mit Spannung verfolgte der Landesbischof die Vorstellung verschiedener dortiger Projekte, die vom Evangelisch-lutherischen Missionswerk Hermannsburg unterstützt werden.

Die EECMY wurde am 21.01.1959 mit ca. 20.000 Mitgliedern gegründet. Sie ging aus der Arbeit von lutherischen Missionen aus Schweden (Beginn 1866 in Massawa), Deutschland (Hermannsburg), Norwegen, Dänemark und den USA zusammen mit einheimischen Christinnen und Christen hervor.

Die EECMY gehört zu den wachsenden lutherischen Kirchen und hatte 2010 knapp 5.58 Millionen Mitglieder in 7.185 Gemeinden und 3.370 Predigtplätzen. Sie ist damit nach der Church of Sweden die zweitgrößte lutherische Kirche weltweit. Die EECMY, zu der auch Synoden mit reformierter Tradition gehören, ist Mitglied im Lutherischen Weltbund, im Reformierten Weltbund, im Ökumenischen Rat der Kirchen und der All-Afrikanischen Kirchenkonferenz.

Ein überzeugendes Beispiel für konkrete Hilfe

Bei einem Besuch der Bauhandwerkschule in Tschallia, im Westen Äthiopiens, ließ Ralf Meister sich von Hermann Kruse die Arbeit der BTS erklären. Kruse leitet die Schule seit über 40 Jahren.

Bei einem Rundgang über das Gelände gab er dem Missionsausschussvorsitzenden des Ev.-luth. Missionswerkes in Niedersachsen (ELM) einen Einblick in die verschiedenen Handwerkstechniken, die an der BTS gelehrt werden und jungen Menschen eine berufliche Perspektive ermöglichen. „Die hohe fachliche Kompetenz von Hermann Kruse, seine persönliche Leidenschaft und die Nähe zu den Menschen sind ein überzeugendendes Beispiel für die konkrete Hilfe des ELM“, so Meister.

Anlass des Besuchs in Äthiopien war die in Addis Abeba stattfindende 4. Partnerkirchenkonsultation des ELM. Gemeinsam mit seinen Partnerkirchen haben dabei unter dem Titel „Christ in the City“ 20 Kirchenleitende über Zukunftsperspektiven der Kirche angesichts einer weltweit fortschreitenden Urbanisierung beraten. Die Teilnehmer stammen aus insgesamt 15 Partnerkirchen des niedersächsischen Missionswerks, unter anderem aus Äthiopien, Botsuana, Brasilien, Deutschland, Malawi, Südafrika und der Zentralafrikanischen Republik. um die Zukunftsperspektiven der Kirche angesichts einer weltweit fortschreitenden Urbanisierung.

epd/ Redaktion

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Logo: ELM

 „Durch die Beiträge aus den Partnerkirchen und die Analyse der Situation von Menschen, die in die Stadt ziehen, ist mir deutlich geworden, dass wir die Blickrichtung unserer Überlegungen ändern müssen. Es geht nicht darum, wie die Fragen der Kirche bei den Menschen in der Stadt ankommen, sondern dass die Themen der Stadtmenschen in den Gemeinden und in der Kirche aufgenommen werden. Diese sind dann im Lichte des Evangeliums neu zu beleuchten. Dann werden wir als Kirchen neu entdecken, was unsere Mission im Blick auf diese Menschen ist.“

Michael Thiel, Direktor des ELM

„Dear sisters and brothers in Christ“

„(...)Cities are large schools that teach us respect and tolerance. Cities are places of contrasts. The city creates environments that are attractive but at the same time endangered by their heterogeneity. However the answer to that is not indifference; then the city would be no more than a random co-existence of many people.

The answer for us is Christian service to all residents of the city, a visible witness of our faith and tolerance in the midst of a plurality of beliefs, values and attitudes. It is just this accelerated growth of the cities in our world that has led to a new awareness of urban built-up areas. What challenges will face these cities in future deserves wide attention. I am sure that the most important questions for the future of our planet are being raised in the cities.(...)“

Ralf Meister, Auszug aus: „Christ in the City“, Addis Abeba, Partner Churches Consultation, 22. February 2015

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