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Bild: Jens Schulze

„Bild.Kritik“

Tagesthema 18. Februar 2015

Karikaturenexpertin: Gesellschaft muss Umgang mit kritischen Bildern lernen

Die Debatte, wie weit Satire gehen darf, dreht sich nach Ansicht der Direktorin des Deutschen Museums für Karikatur und Zeichenkunst, Gisela Vetter-Liebenow, zu selten um Bilder und Karikaturen. „Wir reden über Verbote und Gesetze. Wir schauen uns die Zeichnungen aber gar nicht an“, sagte sie beim Aschermittwoch der Künste zum Thema „Bild.Kritik“ in Hannover. Wer sich intensiv mit der in den Bildern transportierten Gesellschaftskritik auseinandersetze, könne auch mit Karikaturen umgehen, „wenn sie mal richtig wehtun“.

Besonders die katholische Kirche werde oft zum Ziel von Karikaturisten, sagte Vetter-Liebenow: „Der Katholizismus bietet eine größere Reibungsfläche.“Mit ihrer strikten Haltung zu gesellschaftlichen Fragen wie Ehe und Abtreibung provoziere die katholische Kirche deutlich mehr als die protestantische.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung im Wilhelm-Busch-Museum stand eine kirchenkritische Karikatur des Künstlers Friedrich Karl Waechter (1937-2005). Sie zeigt, wie ein Pastor im Gottesdienst so ausschweifend predigt, dass selbst die Figuren der Kreuzigungsszene im Kirchenfenster hinter ihm die Flucht ergreifen.

Die hannoversche Landeskirche hatte gemeinsam mit der Hanns-Lilje-Stiftung und der Beauftragten für Kunst und Kultur im Haus kirchlicher Dienste, Julia Helmke, rund 150 Repräsentanten aus Kunst, Kultur und Kirche eingeladen. Der bereits 17. Dialog von Kirche und Kunst orientierte sich an dem diesjährigen Themenschwerpunkt „Reformation und Bild“ der Lutherdekade in Vorbereitung auf das Reformationsjubiläum 2017.

epd