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Bild: Schwarzes Kreuz

Veränderung ist möglich

Tagesthema 08. Januar 2015

Gefangenen-Hilfswerk „Schwarzes Kreuz“ feiert 90-jähriges Bestehen

Die christliche Straffälligenhilfe „Schwarzes Kreuz“ feiert 2015 ihr 90-jähriges Bestehen.

Am 9. Januar 1925 hatte der einstige Strafvollzugspräsident in Celle und überzeugter Christ, Johannes Muntau, den Verein gegründet, um den Inhaftierten freundschaftliche Kontakte zur Außenwelt zu ermöglichen und die Seelsorger zu entlasten. Er gewährte „Laienhelfern“ Zutritt zu den 112 Gefängnissen, die ihm unterstellt waren.

Heute betreuen rund 460 Ehrenamtliche in ganz Deutschland Gefangene und ihre Angehörigen während und nach der Haft. Sie halten Briefkontakt, besuchen die Inhaftierten oder organisieren Veranstaltungen im Gefängnis. Unter dem Motto „Nächstenliebe befreit“ wollen sie den Verurteilten zu einem straffreien Leben verhelfen und gleichzeitig andere Menschen vor neuen Straftaten schützen.

Wie kaufe ich eine Fahrkarte? Wie verhalte ich mich angemessen in der Öffentlichkeit? Wie gehe ich mit meiner Angst vor Menschenmengen um? Und wie funktioniert das Internet?

Es ist nicht nur die Suche nach Arbeit und einer Wohnung, die Haftentlassenen zu schaffen macht. Wer lange Jahre isoliert im Gefängnis saß, ohne Kontakte zur Welt „draußen“, kann nicht mehr so ohne weiteres dorthin zurück. Darum gibt es die christliche Straffälligenhilfe Schwarzes Kreuz. Seine Ehrenamtlichen begleiten Inhaftierte, damit sie stark genug werden, um nach der Entlassung wieder Fuß zu fassen.

„Im Klartext heißt das Schwarze Kreuz „Schwarzes Kreuz auf grünem Grund.“ Der Gründer Johannes Muntau hatte sich dabei gedacht, das Schwarze Kreuz als Symbol zu verwenden für Trauer und für Unglück im Leben. Die Farbe grün signalisiert Zuversicht und wollte damit deutlich machen, dass Hoffnung möglich ist,“ erklärt Referntin Irmtraut Meifert in einem Interview mit dem Evangelischen Kirchenfunk Niedersachsen (ekn).

Das Schwarze Kreuz ist bundesweit tätig. Über ganz Deutschland verteilt gibt es Ehrenamtliche, die Briefe schreiben, die einen Gefangenen besuchen, die unter Umständen Unterricht geben, Gefangene bei einem Ausgang begleiten. Die Geschäftsstelle koordiniert diese Arbeit der Ehrenamtlichen und organisiert zum Beispiel die Weihnachtspaket-Aktion, bei der sich seit über 60 Jahren hunderte Inhaftierte über Geschenke im Dezember freuen können.

Das Jubiläum soll am 20. und 21. Juni mit einem Festgottesdienst und einem „Tag der offenen Tür“ in Celle begangen werden, teilte der Verein mit.

epd/ Redaktion

Aktuelles und weitere Informationen zu den Projekten und Aktionen des Schwarzen Kreuzes
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Banner: Schwarzes Kreuz

„Nächstenliebe befreit“

Johannes-Muntau
Johannes Muntau. Bild: Schwarzes Kreuz

Der Initiator Johannes Muntau war Strafvollzugspräsident in Celle, gleichzeitig überzeugter Christ. Es drängte ihn, Verurteilte nicht nur einzusperren, sondern ihnen aus ihrer Misere wirklich herauszuhelfen. Bis zu seinem Tod wurde das seine große Lebensaufgabe.

„Laienhelfer“ bekamen 1923 Zutritt in die 112 ihm unterstellten Gefängnisse. Sie sollten zu den Gefangenen freundschaftliche Beziehungen aufbauen und die Seelsorger unterstützen. Um das in die Tat umzusetzen, gründeten er und einige andere das Schwarze Kreuz, damals noch „Christliche Gefangenenhilfe“.

Im Nationalsozialismus wurden die Mitarbeiter in ihrer Arbeit stark behindert, und das Schwarze Kreuz entging knapp seiner Auflösung. Heute betreuen rund 460 Ehrenamtliche und Mitglieder bundesweit Inhaftierte mit Brief– und Besuchskontakten und führen Veranstaltungen in Gefängnissen durch. Ausgebildet und begleitet werden sie von der Geschäftsstelle in Celle. Das Schwarze Kreuz finanziert sich vor allem über Spenden.

Dem Schwarzen Kreuz ist nach wie vor gerade die ehrenamtliche Begleitung der Inhaftierten wichtig. Es ist ein Kontakt auf Augenhöhe, für Gefangene oft der einzige freundschaftliche in die Welt jenseits der Gitter.

„Nächstenliebe befreit“ lautet das Motto des Schwarzen Kreuzes: Dieser Satz gilt damit auch für die Menschen „draußen“, die befreit werden von Leid und Angst vor dem ehemaligen Straftäter.“

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