Blindenseelsorger wechselt vom ZfSB zur Blindenmission

Nachricht 23. März 2021

„Aufgeben kann ich auch noch morgen“

Hannover. Andreas Chrzanowski erinnert sich noch gut an die Anfänge des Zentrums für Seelsorge (heute Zentrum für Seelsorge und Beratung, ZfSB) in Hannover: Schon vor der offiziellen Eröffnung der landeskirchlichen Einrichtung im Sommer 2014 war er an Vorgesprächen beteiligt; als Beauftragter für die Blinden- und Sehbehindertenseelsorge gehörte er von Anfang an zum Team. Nun verlässt der Seelsorger aus Hannover das ZfSB: Zum 1. April übernimmt er die Leitung der Hildesheimer Blindenmission. „Damit bleibe ich in meinem Themenspektrum, setze aber einen noch stärkeren Schwerpunkt auf die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen“, so Chrzanowski.

„Ich nehme viele sehr gute Erinnerungen an die Arbeit im Zentrum für Seelsorge und Beratung mit“, erzählt der Seelsorger, der selbst vor vielen Jahren erblindete. Er habe in seiner Tätigkeit große Freiräume genossen, sei gleichzeitig aber immer in die Einrichtung eingebettet gewesen: „Das hatte den großen Vorteil, dass meine Arbeit in diesen Zusammenhängen stärker wahrgenommen wurde.“ Es sei gut, von den anderen Spezialseelsorgen zu wissen und mit ihnen im Austausch zu sein; so sei etwa die Idee zu einem Wochenende mit Kunstworkshop für Blinde und Sehbehinderte bei einer Kaffeepause im ZfSB entstanden.

Die Tätigkeit Chrzanowskis als landeskirchlicher Beauftragter war geprägt von vielen Reisen und Besuchen von Gruppen überall auf dem Gebiet der hannoverschen Landeskirche. Immer wieder wurde dabei über die Dinge gesprochen, die „obenauf lagen“: etwa über Diffamierungen, die viele sehbehinderte Menschen erleben, und damit verbunden die Frage, ob man die Behinderung nicht besser verbergen solle. „Auch in Paarbeziehungen mit blinden Menschen gibt es viele Konflikte“, berichtet Chrzanowski – er reagierte darauf mit regelmäßigen Paarseminaren, die er in Zusammenarbeit mit der evangelischen Lebensberatung leitete. Unter der Überschrift „Aufgeben kann ich auch noch morgen“ bot Chrzanowski regelmäßig Seminar-Module an; unterrichtete darüber hinaus in der Schule und im Konfirmanden-
unterricht. Am stärksten in Erinnerung werden aber wohl die rund zehn Dunkelgottesdienste bleiben, die er in Zusammenarbeit mit Kirchengemeinden überall im Land organisierte.

Mit der Übernahme der Leitung der Hildesheimer Blindenmission schließt sich für den Seelsorger ein Kreis: Schon nach dem zweiten theologischen Examen war ihm diese Stelle angeboten worden; zunächst aber wollte er mehr von der möglichen Bandbreite des Pfarrberufs kennenlernen. Zudem sei er als blinder Mensch nicht per se besonders für eine solche Aufgabe geeignet, betont Chrzanowski: „Das können auch Sehende, wenn sie neugierig sind.“ Er selbst hüte sich davor, den eigenen Lebens- und Glaubensweg als Vorbild für andere sehbehinderte Menschen darzustellen: „Menschen gehen sehr unterschiedlich mit ihrer Behinderung um, und dieser Umgang muss sich immer an den jeweils individuellen Ressourcen orientieren“, ist er überzeugt.

Rückblickend kommen dem Seelsorger viele berührende Begegnungen in den Sinn: „Ich habe die Menschen in ihrer Individualität kennengelernt, das war eine große Bereicherung“, sagt er. Mit Blick auf ganz verschiedene individuelle Ressourcen widerspricht er auch dem Gleichnis Jesu von dem Blinden, der, geführt von einem anderen Blinden, in die Grube fällt: „Bei Freizeiten haben wir Ausflüge mit 20 blinden Menschen ohne sehende Begleitung gemacht und das hat gut funktioniert.“

Ab April wird Andreas Chrzanowski zwischen seinem Wohnort Hannover und dem Arbeitsort Hildesheim pendeln – und er wird weite Reisen unternehmen. „Die Bereitschaft zum Reisen war Bedingung und auch einer der Gründe, warum ich mich um diese Stelle beworben habe“, erzählt er. Er freue sich auf die Zusammenarbeit mit lokalen Partnern, etwa in China, wo die Blindenmission ein großes Netz von Einrichtungen für blinde und sehbehinderte Kinder und Jugendliche aufbauen konnte. „Ich sehe das als herausfordernde Aufgabe“, sagt Andreas Chrzanowski. Zur Herausforderung gehört auch die nötige Sensibilität für unterschiedliche Kulturen und Religionen: „Ich werde zukünftig viel mit katholischen, muslimischen und buddhistischen Kolleginnen und Kollegen zusammenarbeiten.“

Öffentlichkeitsarbeit im Zentrum für Seelsorge und Beratung