Experten fordern mehr Kooperation gegen islamistische Gewalt

Nachricht 12. Juli 2018

Osnabrück. Polizei und Islamexperten haben zur Prävention von islamistisch motivierter Gewalt gegen Frauen und Kinder eine bessere Zusammenarbeit der Behörden mit Vereinen, Wohlfahrtsverbänden sowie muslimischen Sozialpädagogen und Seelsorgern gefordert. Es sei wichtig, ein ganzes Netzwerk von Helfern zu etablieren, um etwa Familien zu begleiten, die radikalisiert aus Syrien oder dem Irak zurückkehrten, sagte Samy Charchira, Sozialpädagoge am Institut für Islamische Theologie der Uni Osnabrück am Dienstagabend in Osnabrück. Er warnte davor, dass sich die mittlerweile zahlreich geförderten Projekte der Radikalisierungsprävention zu sehr isolierten. "Vor allem eine Anbindung an die Familien- und Jugendhilfe ist wichtig."

Bislang seien nur einige wenige ehemalige IS-Kämpfer mit Frauen und Kindern zurückgekehrt. Aber es sei möglich, das die Zahl noch deutlich anstiege. Gewalt sei bei den Rückkehrern, aber auch in einigen seit Jahren in Deutschland lebenden muslimischen Familien oft eine zentrale Erziehungsmethode. Wenn der religiöse Aspekt hinzu komme, griffen gängige Hilfsangebote von Jugendämtern häufig nicht, weil sie auf Freiwilligkeit beruhten, erläuterte Charchira während einer Vortragsveranstaltung von Polizei und Islaminstitut. Er mahnte an, mehr muslimische Sozialpädagogen und Theologen einzusetzen. 

Die Osnabrücker Kriminalhauptkommissarin Monika Holtkamp berichtete, in Osnabrück machten alle Beteiligten seit drei Jahren gute Erfahrungen mit den in ganz Niedersachsen einmaligen Fallkonferenzen. In regelmäßigen, aber auch spontanen Treffen setzten sich Experten aus einem Pool von 19 Organisationen mit Hochrisikofällen auseinander. Dazu gehörten neben Polizei und Staatsanwaltschaft unter anderem der Weiße Ring, Beratungsstellen, Frauenhäuser, Pro Familia und Jugendämter.

epd Landesdienst Niedersachsen-Bremen