Ausstellung zeigt Lager Friedland aus Sicht von Flüchtlingen

Nachricht 03. April 2017

Friedland/Kr. Göttingen. Eine neue Sonderausstellung des Museums Friedland portraitiert das benachbarte Grenzdurchgangslager aus der Sicht von Flüchtlingen und Spätaussiedlern. Die am Sonntag eröffnete Schau "So sehe ich das ? " zeigt auf zwölf Tafeln Fotos, die Geflüchtete während ihres Aufenthaltes im Lager gemacht haben. Insgesamt 15 Flüchtlinge und Aussiedler hätten für das Projekt vom Museum Kameras erhalten und an Workshops teilgenommen, sagte die Kuratorin der Ausstellung, Birga Meyer.

Neben Bildern und mehrsprachigen Texten, die den Alltag im Lager dokumentieren, entstanden auch Aufnahmen von Häusern, Straßen und Personen aus dem Dorf Friedland. Die Fotografen verfassten dazu Kommentare, die ebenfalls Teil der Ausstellung sind. Zudem markiert eine Karte die Stellen, an denen die Fotos entstanden.

"Ziel des Projektes war es, dem durch die Medien geprägten Blick von außen auf das Lager eine Sicht von innen entgegenzusetzen", sagte Meyer. "Man erfährt, was Friedland für die hier Aufgenommenen bedeutet, welche Ängste sie haben und welche Hoffnungen". Die Fotografen und Autoren hätten "ein eindrückliches Bild geschaffen".

Ein von Mohamad aus Eritrea aufgenommenes Bild zeigt die Bahngleise im Friedländer Bahnhof. "Ich habe dieses Foto aufgenommen an dem Ort, an dem ich, als ich ankam, an meiner Erinnerung gelitten habe", heißt es in dem Begleittext des Jugendlichen. Er war mit einer Gruppe Landsleute aus seinem Heimatland geflohen. Die Gruppe ging hintereinander, immer an den Schienen entlang. "Ich kann es nicht vergessen, weil die anderen zehn Personen, die mit mir waren, wurden festgenommen. Ich blieb allein und wusste nicht, wo ich war", schrieb Mohamad.

Natalya und Danila aus Kasachstan haben Häuser, Gärten und die Landschaft rund um Friedland fotografiert. Der Georgier Ramazi hat die katholische Lagerkirche St. Norbert und andere Gebäude im Lager bei Nacht aufgenommen. Der Iraker Hawraz setzte unter anderem eine Limonadenflasche im Friedländer Supermarkt in Szene.

Das Lager Friedland wurde 1945 nach dem Zweiten Weltkrieg von der britischen Armee als Auffangstation für heimatvertriebene Menschen und zurückkehrende Kriegsgefangene errichtet. Später kamen Aussiedler aus Polen und der ehemaligen Sowjetunion sowie Ungarn-Flüchtlinge. Auch vietnamesische "Boat People" und Chilenen, die vor der Pinochet-Diktatur flohen, durchliefen das Lager. Seit 2011 dient die Einrichtung als Erstaufnahme für Asylsuchende. Bislang haben mehr als 4,5 Millionen Menschen zeitweise in dem Lager gelebt.

Die Ausstellung wurde im Rahmen einer Feier zum einjährigen Bestehen des Museums Friedland eröffnet. Das Museum liegt gleich neben dem Lager. Die niedersächsische Landesregierung ließ dafür den historischen Bahnhof des Ortes umgestalten. Die Ausstellung "So sehe ich das ?" wird in der im Grenzdurchgangslager erhaltenen Nissen-Hütte gezeigt. In solchen Behausungen aus Wellblech waren vor 60 Jahren die ersten Flüchtlinge untergebracht.

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen