Erziehungswissenschaftlerin fordert Mindeststandards für Flüchtlingsunterricht

Nachricht 24. April 2016

Hildesheim (epd). Die Hildesheimer Erziehungswissenschaftlerin Viola Georgi hat für den Unterricht von zugewanderten Kindern Mindeststandards gefordert. Die Bildungsintegration verlaufe nicht nur in den einzelnen Bundesländern sondern auch in den Einrichtungen selbst "höchst unterschiedlich", sagte die Gründungsdirektorin des Zentrums für Bildungsintegration an der Uni Hildesheim am Freitag. Bei der Jahreskonferenz "Nach der Flucht: Lernen statt warten" berieten Fachleute aus Wissenschaft, Praxis und Bildungspolitik über Bildungswege von Geflüchteten in Deutschland.

Derzeit hänge es vom Zufall ab, wie viel sprachliche und individuelle Förderung Geflüchtete erhielten, kritisierte Georgi. In manchen Schulen würden Kinder aus Flüchtlingsfamilien sofort in Regelklassen aufgenommen, in anderen Einrichtungen könnten die Kinder nur in ausgewählten Fächern am Regelunterricht teilnehmen. In wieder anderen Schulen würden die Kinder ganz separat unterrichtet.

Derzeit bestünden kaum Vorgaben für die Einrichtung von Sprachlernklassen, deren Schülerzahl, Unterrichtsinhalte und Lernziele, bemängelte die Professorin. Auch gebe es keine festen Regelungen, wie lange Kinder in diesen Klassen bleiben sollten. "Schulrechtlich betrachtet bewegen wir uns hier in einer Grauzone." Die Schulen hätten viel Handlungsspielräume und Eigenverantwortung.

Dringend müsse die Bildungsteilhabe neu zugewanderter Kinder, Jugendlicher und junger Erwachsener in Deutschland mit einer Bestandsaufnahme erfasst werden, forderte Georgi. Beispielsweise sei bisher nicht bekannt, was die sogenannten Willkommensklassen tatsächlich leisteten.

Zudem sei es wichtig, dass sich angehende Lehrer bereits im Studium intensiv mit Themen wie Migration und den dazugehörenden Lebenslagen, Familienkulturen und Bildungsvoraussetzungen vertraut machten. Lehrkräfte spielten eine "Schlüsselrolle" für die gelingende Bildungsintegration, betonte die Wissenschaftlerin. "Sie können ganz maßgeblich zum Wohlbefinden und zum Bildungserfolg der Lernenden beitragen."

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Zentrum für Bildungsintegration

Das Zentrum für Bildungsintegration wurde vor zwei Jahren an der Universität Hildesheim gegründet. Wissenschaftler wollen dort erforschen, wie Chancengleichheit von der Kindertagesstätte bis zur Hochschule in einer Migrationsgesellschaft erreicht werden kann. 

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