Ostermärsche thematisieren Flüchtlingskrise - Aktionen auch in Niedersachsen und Bremen geplant

Nachricht 03. März 2016

Bonn/Hannover (epd). Die Ostermärsche der Friedensbewegung rücken in diesem Jahr das Thema Flucht und Asyl in den Blickpunkt. Die Demonstrationen und Kundgebungen sollen darauf aufmerksam machen, "dass die Flucht Hunderttausender nach Europa Ursachen hat", teilte das Netzwerk Friedenskooperative in Bonn mit. Die Politik Deutschlands sei für diese Ursachen mitverantwortlich.

Die Bundeswehreinsätze im Vorderen Orient oder in Afrika und Waffenlieferungen in Krisenregionen seien nicht Teil einer Lösung für die dortigen Konflikte, hieß es weiter. Sie machten vielmehr "Deutschland zu einem Teil des Problems". Die vorgeblichen "Stabilisierungspartner" der Bundesregierung erwiesen sich immer häufiger als "gefährliche Brandstifter". Weder Saudi Arabien noch die Türkei leisteten Beiträge zur friedlichen Konfliktbeilegung, das Gegenteil sei der Fall.

Nach Angaben des Netzwerks sind vom 25. bis 28. März bundesweit etwa 60 Aktionen geplant. Auch in Niedersachsen und Bremen gehen Ostermarschierer auf die Straße. Am Ostersamstag sind in Bremen, Braunschweig, Hannover, Oldenburg, Osnabrück und Wolfsburg Demonstrationen angekündigt. "Kriege stoppen - Fluchtursachen beseitigen - geflüchtete Menschen aufnehmen", heißt das Ostermarsch-Motto in Hannover. Auch der Oldenburger Ostermarsch steht unter dem Thema "Krieg - Armut - Flucht".

Dem Netzwerk zufolge werden die Ostermärsche aber auch 2016 wieder auf traditionelle Anliegen der Friedensbewegung hinweisen. Dazu gehörten zum Beispiel die Ächtung atomarer Waffen sowie der Abzug dieser Waffen aus Deutschland. Größere Aufmerksamkeit verdienten in diesem Jahr auch die Bemühungen der Großen Koalition, wieder deutlich mehr Geld für Rüstung und Militär auszugeben: "Eine größere Bundeswehr und neue Geschenke an die Rüstungsindustrie sind kein Beitrag zu Frieden."

Das Stichwort: Ostermärsche

Hannover (epd). Die Ostermärsche der Friedensbewegung haben eine fast 60-jährige Tradition. Ihren Ursprung hatten sie Ende der 1950er Jahre in Großbritannien. Den ersten Ostermarsch in der Bundesrepublik Deutschland gab es 1960 in der Lüneburger Heide. Damals demonstrierten einige hundert Menschen am Truppenübungsplatz Bergen-Hohne gegen die Wiederbewaffnung Westdeutschlands und eine Ausrüstung der Bundeswehr mit Atomwaffen.

Die Zahl der Ostermärsche und der Teilnehmer stieg in den folgenden Jahren steil an. Zu Hochzeiten der Friedensbewegung Ende der 1960er sowie während der Nachrüstungsdebatte zu Beginn der 1980er Jahre kamen Hunderttausende zu den Kundgebungen. Danach wurde die Ostermarschbewegung schwächer, sie erlebte wegen der Kriege gegen Jugoslawien und am Golf aber immer wieder zwischenzeitlichen Aufschwung.

In den vergangenen Jahren beteiligten sich jeweils Tausende Demonstranten an den Aktionen. Neben aktuellen Kriegen und Konflikten waren zuletzt auch deutsche Auslandseinsätze und Rüstungsexporte sowie das Atom-Unglück von 2011 im japanischen Fukushima Themen der Proteste.

In diesem Jahr rücken die Ostermarschierer nach Angaben der Veranstalter zudem Flucht und ihre Ursachen in den Blickpunkt. Mit rund 60 Kundgebungen, Mahnwachen, Fahrradtouren, Wanderungen und weiteren Aktionen wollen sich bis Ostermontag verschiedene Friedensgruppen zu Wort melden.

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