Speed-Dating für Ehrenamtliche

Nachricht 25. Februar 2016
Speed-Dating für Ehrenamtliche
Diakonin Katrin Bode knüpft Kontakte. Die Organisatorin des „Speed-Datings“ ist zufrieden mit dem Nachmittag. Foto: Möller

Hildesheim. Wer schon einmal in eines dieser großen schwedischen Möbelhäuser gegangen ist, kennt sie: Die breath-taking items. Produkte, die so günstig sind, dass kurz der Atem stockt. Meist im Eingangsbereich zu finden. Meist sehr praktisch. Meist als erstes im Einkaufskorb. Ähnlich prominent platziert sind die Stände der 16 Initiativen, die dieses Jahr beim „Speed-Dating für Ehrenamtliche“ in der Arneken-Galerie mitmachen.

Und „Speed-Dating“ passt ganz wunderbar. Denn hier geht es darum, den richtigen Partner zu finden. Wo wird mein ehrenamtliches Engagement am ehesten gebraucht? Welche Initiative passt zu mir? Was will ich machen? Handwerklich tätig sein, Menschen mit Behinderung im Alltag begleiten oder in der Nachbarschaftshilfe arbeiten? Bei der Entscheidung helfen Hospizverein, mehrere Projekte der Diakonie Himmelsthür, Beratungszentren.

Die Idee zum schnellen, unkomplizierten Kennenlernen hatte Katrin Bode, die das „Speed-Dating“ zum ersten Mal vor drei Jahren für den Evangelischen Kirchenkreisjugenddienst organisiert hat. Zum zweiten Mal ist die Arneken-Galerie Gastgeberin. „Wir haben einen Ort gesucht, an dem viel Bewegung ist“, erklärt Diakonin Bode. Die offenen Räume des Einkaufszentrums seien besonders geeignet. Niemand wird gezwungen, stehenzubleiben. Laufkundschaft ist vorprogrammiert. Und die Zusammenarbeit sei sehr unkompliziert.

Das Konzept geht auf: Viele Menschen bleiben stehen, fragen interessiert nach. Wer will, trägt sich in eine der blauen Listen ein. Dann kommt wenig später eine Mail oder ein Anruf, die Zusammenarbeit kann beginnen.

Jennifer Knaup hat diesen Prozess schon hinter sich. Die Chemieingenieurin war letztes Jahr beim „Speed-Dating“ dabei. Mittlerweile unterstützt sie die Martin-Luther-Gemeinde in der Hildesheimer Nordstadt. Zum Beispiel bei der Kinderbetreuung während des Wochenmarktes. „Ich werde ganz schön in Anspruch genommen“, freut sich Knaup.

Ein paar Meter weiter, am Stand von „Frida“, der Freiwilligeninitative für demenzkranke Menschen und ihre pflegenden Angehörige, findet internationaler Austausch statt. Monika Koppe kommt aus Deutschland, lebt aber mittlerweile in Stavanger in Norwegen. Sie suche zwar kein Ehrenamt, wollte aber einfach mal schauen, welche Unterstützung Menschen mit Demenz in Deutschland erhalten. Sie selbst arbeitet mit Demenzkranken in Norwegen. „Die Betreuung durch Freiwillige ist wichtig“, ist sich Koppe sicher. Die Initiative „Frida“ von der Alzheimer Gesellschaft Hildesheim konnte beim letztjährigen „Speed-Dating“ drei neue Ehrenamtliche gewinnen. Keine hohe Zahl, aber besser als nichts. Denn Ehrenamtliche zu finden, wird schwieriger. „Vor ein paar Jahren haben sie uns noch die Bude eingerannt“, erinnert sich Helga Kassebom, Vorsitzende des Vereins, „heute ist der Markt für Ehrenamtliche deutlich größer“.

Was nicht bedeutet, dass die Nachfrage kleiner geworden ist. Im Gegenteil. Doch ein großer Teil des neu aufkeimenden Engagements geht derzeit in die Hilfe für Geflüchtete. Da geraten kleine Initiativen aus dem Blick. Nichtsdestotrotz bewerten alle Teilnehmenden das „Speed-Dating“ als Erfolg. Die Stimmung ist angenehm. Viele haben Kontakte geknüpft. In den kommenden Wochen wird sich zeigen, ob längere Zusammenarbeiten entstehen. Organisatorin Katrin Bode ist jetzt schon zufrieden: „Es ist toll, neue Leute zu gewinnen. Sich ehrenamtlich engagieren ist in.“ Christoph Möller