„Durch Ihr Interesse erhält die Kirche ein neues Gesicht“

Nachricht 21. Februar 2016

Hildesheim. Auch wer nie in den Sonntagsgottesdienst geht, nicht an Gesprächskreisen oder Kaffeenachmittagen teilnimmt, ist dennoch Teil der Kirchengemeinde. Diese Zugehörigkeit spürbar zu machen, gehört zu den Aufgaben der Ehrenamtlichen, die sich in den Besuchsdiensten der Gemeinden engagieren. Am Tag der Besuchsdienste haben sich 86 Frauen und Männer aus dem Kirchenkreis Hildesheim-Sarstedt in den Räumen der Himmelsthürer Paulusgemeinde neue Motivation, gegenseitige Bestärkung und nicht zuletzt auch ein Fundament an Wissen für ihre ehrenamtliche Aufgabe abgeholt.

Die meisten Kirchengemeinden unterhielten einen Besuchsdienst, erklärt Pastorin Meike Riedel, Beauftragte für die Besuchsdienste im Kirchenkreis. Die Ausgestaltung sei aber sehr unterschiedlich, abhängig auch von den Kapazitäten der Gemeinde. Meist sind es Frauen über 50 Jahre, die sich für den Dienst gewinnen lassen. Da in den kommenden Jahrgängen ein immer größerer Anteil der Frauen berufstätig sei, müssten die Besuchsdienste wohl langfristig umdenken: Für diese Frauen komme eine dauerhafte Verpflichtung oft nicht in Frage, sie seien aber bereit an Projekten mitzuwirken, beispielsweise beim Besuch von jungen Familien aus Anlass von Taufe oder Einschulung der Kinder.

Einfühlungsvermögen, Offenheit und psychische Belastbarkeit seien notwendige Voraussetzungen für diesen Dienst, sagte Marianne Storz, Referentin für Besuchsdienstarbeit im Haus kirchlicher Dienste in Hannover, in ihrem Impulsvortrag. Sie machte Mut, den Besuchsdienst nicht als belastende Verpflichtung zu betrachten, sondern auch den persönlichen Gewinn für die Besuchenden zu sehen: Neue Menschen und andere Lebensentwürfe kennenzulernen, interessante Gespräche zu führen, sich mit dem Älterwerden auseinander zu setzen, neue Perspektiven zu entdecken.

Von abweisenden Äußerungen über die Kirche oder einer negativen Grundstimmung sollten sich Besucher und Besucherinnen nicht abschrecken lassen: „Sie müssen den Pastor, die Strukturen der Landeskirche oder die Weltpolitik nicht verteidigen.“ Stattdessen könne man nach Ursachen und Erfahrungen fragen, könne Bitterkeit und Pessimismus behutsam eine offenere, positivere Weltsicht entgegen setzen: „Durch Ihr Interesse gewinnt die Kirche ein neues Gesicht.“

Marianne Storz bot im Anschluss auch einen Workshop an, der sich mit den Grundsätzen und dem „Handwerkszeug“ der Gesprächsführung befasste. In weiteren Workshops ging es um den Umgang mit Trauernden, die Begleitung von Sterbenden oder die Frage, wie sich ein Zugang zu an Demenz erkrankten Menschen finden lasse. Häufig seien es die Besuchenden, denen als Erste auffalle, dass ein Gemeindemitglied nicht mehr allein zurecht komme, berichtet Pastorin Riedel. Dann werde der Sozialpsychiatrische Dienst zur Unterstützung zugezogen.

Der Kirchenkreis lädt einmal im Jahr zu einem Besuchsdiensttag ein. Die einzelnen Kirchengemeinden organisieren zusätzlich Schulungen oder Vorträge für ihre Besuchsdienste. Viel Kraft und Unterstützung erhielten die Mitarbeitenden aber auch im Austausch untereinander, erklärt Meike Riedel. 

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