Zentralratspräsident: Antisemitisches Verhalten darf nicht toleriert werden

Nachricht 20. Februar 2016
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Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland; Bild: Daniel Peter/epd-bild

Osnabrück (epd). Nach Ansicht des Zentralrates der Juden muss in der Integrationsarbeit mit Flüchtlingen in Deutschland deutlich gemacht werden, dass Antisemitismus im Land nicht geduldet wird. Auch andere Grundsätze "wie die Gleichberechtigung von Mann und Frau" müssten den Neuankommenden vermittelt werden, sagte Zentralrats-Präsident Josef Schuster der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Samstagsausgabe): "Doch die Ablehnung von Antisemitismus und die Anerkennung des Staates Israel sind wichtige Punkte, die in Integrationsmaßnahmen zwingend eine Rolle spielen müssen."

Schuster lobte die Aussage der Bundesregierung, dass niemand in Deutschland die Existenz jüdischer Gemeinden infrage stellen dürfe. Die Integrationsarbeit sei nötig, "weil unter den Zuflucht Suchenden ein erheblicher Anteil arabischstämmiger Menschen ist, die mit juden- und israelfeindlichen Stereotypen aufgewachsen sind", sagte er. "Diese Einstellung streifen die Flüchtlinge ja nicht einfach ab, wenn sie die deutsche Grenze überqueren."

Zugleich beunruhige es ihn, "dass die politische Stimmung in unserer Gesellschaft offensichtlich nach rechts abdriftet". In jüdischen Gemeinden werde deshalb durchaus besorgt diskutiert, welchen Platz Juden künftig in Deutschland hätten. Schuster sagte: "Ich sehe derzeit allerdings keine jüdische Auswanderungswelle aus Deutschland bevorstehen." Allerdings seien die Gedanken darüber hierzulande unter Juden inzwischen deutlich präsenter als noch vor einem Jahr.
 

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