Reformierte Kirche vor tiefgreifenden Veränderungen

Nachricht 10. Februar 2016
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Dr. Martin Heimbucher; Bild: Jens Schulze/epd-bild

Emden (epd). Die Evangelisch-reformierte Kirche in Deutschland steht vor tiefgreifenden Veränderungen und fordert ihre 145 Gemeinden auf, sich aktiv an der Gestaltung der Zukunft zu beteiligen. Die Kirche müsse sinkenden Mitgliederzahlen und absehbar rückläufigen Einnahmen begegnen und wolle darauf nicht nur reagieren, sagte am Donnerstag Kirchenpräsident Martin Heimbucher. Deshalb stößt die Kirche einen etwa eineinhalbjährigen Zukunftsprozess an, der an diesem Sonnabend in Emden beginnt. Das kirchenleitende Moderamen hat dafür ein Impulspapier vorbereitet.

Zu der Konferenz in der Johannes-a-Lasco-Bibliothek haben sich mehr als 200 Delegierte nicht nur aus dem Nordwesten, sondern auch aus Bayern und Sachsen angemeldet. Ihnen wird ein fast 50-seitiges Papier vorgelegt, das "eine Art Vibration" in der Kirche auslösen soll, sagte Heimbucher. An der Basis würden helle Köpfe gesucht, die sich mit ihren Ideen und ihrem Potenzial beteiligen wollten. Mit Blick auf das Symbol der Herde als Gemeinde Gottes sagte er: "Das ist das Gegenteil vom Schweigen der Lämmer. Das ist eine krasse, eine lebendige Herde, die nicht schweigt."

Die Zahl der Mitglieder in der reformierten Kirche geht Heimbucher zufolge von heute 180.000 auf etwa 150.000 Menschen im Jahr 2030 zurück. Dann müssen die Gemeinden mit etwa einem Drittel weniger Pastorinnen und Pastoren auskommen, von denen heute noch 150 im Pfarramt arbeiten.

Patentrezepte könne es bei den notwendigen Veränderungen nicht geben, weil die Reformierten mal mit Nachbargemeinden in einer volkskirchlichen Situation lebten, mal als Minderheit unter anderen Konfessionen. "Die große Beteiligung stimmt uns zuversichtlich, dass die Kirchengemeinden sich den Herausforderungen stellen", sagte Norbert Nordholt, Präses des reformierten Kirchenparlamentes.

Das Impulspapier stellt unter anderem mögliche Strategien für eine kleiner werdende Kirche vor. Dazu gehören Kooperationen zwischen Kirchengemeinden ebenso wie die Bereitschaft, auf bestimmte Angebote zu verzichten. "Eine Gemeinde spezialisiert sich auf den Kindergottesdienst, die zweite auf die Jugendarbeit und die dritte auf die Kirchenmusik - das sind Modelle, die ich mir wünsche", sagte Heimbucher. Auch eine stärkere Vernetzung mit lutherischen, katholischen und freikirchlichen Nachbarn sei denkbar.

Nach dem Startschuss am Sonnabend werden zunächst Ideen gesammelt. Eine "qualifizierte Auswertung" soll dann im folgenden Frühjahr auf dem Internetportal www.reformiert.de veröffentlicht werden. Beschlussfassungen schließlich sind Heimbucher zufolge auf der Herbsttagung der reformierten Gesamtsynode im November 2017 geplant. 

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