Bild: Jens Schulze

Landessynode: Die Arbeit beginnt

Tagesthema 18. Februar 2020

Die 26. Landessynode der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers tagt vom 20.-22. Februar 2020

Seit Donnerstag treffen sich die neuen und wiedergewählten Mitglieder der Landessynode zur Tagung in Hannover. Ein Novum ist, dass unter den Synodalen mehr Frauen als Männer sind. Wir haben drei von ihnen gefragt, mit welchen Erwartungen und Ideen sie in die kommenden sechs Jahre gehen.

Petra Utermöller, 61 Jahre alt, Ehrenamtliche aus Bad Sachsa, Synodenmitglied seit 2002

Die neue Synode startet – Warum lässt man sich eigentlich in die Synode wählen? 

Ich wurde angesprochen von jemandem aus dem Kirchenkreisamt. Weil ich wohl ganz frisch rüberkam und angstfrei war im Umgang mit Kirchenorganen. Und auch mal mutige Fragen gestellt hab im Kirchenvorstand. Und da sagte jemand zu mir: ‚Sie wären genau die Richtige für die Synode! Wollen Sie nicht kandieren?‘ Ich hatte damals noch zwei Kinder zu Hause und hab gezögert. Aber ehrlich gesagt war dann auch Margot Käßmann mein Vorbild. Ich hab mir gesagt: Wenn Frau Käßmann das schafft mit vier Kindern, dann schaffe ich es auch, zweimal im Jahr zur Synode zu fahren und mich auf landeskirchlicher Ebene einzubringen! Im Kirchenvorstand war ich schon unterwegs; Kindergottesdienste hatte ich schon gemacht, warum also nicht auch Synode. 

Welche Themen wollen Sie einbringen?

Mein Interesse liegt in ersten Linie beim Thema Diakonie! In der nächsten Legislaturperiode werden wir uns intensiv mit dem Thema Armut beschäftigen. Wie geht Kirche damit um; wie geht Diakonie damit um? Gibt’s für arme Menschen überhaupt noch Möglichkeiten, eine Wohnung zu mieten? Und wie ist das mit Armut im Alter? Das alles wird uns stark beschäftigen. 

Und es ist mir wichtig, wie wir die vielen neuen Synodenmitglieder mitnehmen in das System Synode. 

Wenn das jetzt nicht die erste, sondern die letzte Tagung wäre: Welche Erfolge würden Sie dann feiern wollen?

Wichtig ist mir, dass wir in den Ausschüssen themenorientiert diskutieren, um voran zu kommen! Zufrieden wäre ich, wenn wir uns ohne große Konflikte in eine fortschrittliche Richtung bewegen und Kirche offener und moderner gestalten. Und nicht immer jammern ‚Früher war das doch aber so schön‘ oder ‚Damals hatten wir dies oder jenes‘. Nein, so möchte ich nicht diskutieren. Sondern: Was ist möglich – auch unter dem Stichwort Gemeinwesendiakonie. Es nützt uns nichts, wenn wir die tollsten Kitas oder die tollsten Seniorenheime haben und rechts und links nicht merken, was im Ort passiert. Wir leben als Kirche nicht im Elfenbeinturm und alles um uns herum ist uns egal. Wir müssen schauen, was wir den Menschen vor Ort zu sagen haben; auch denjenigen, die nur ab und an in die Kirche kommen, weil vielleicht das Nachbarskind getauft wird. Auch denen, die nur selten mit uns als Kirche in direkten Kontakt kommen. 

Franziska Baden, 32 Jahre alt, Pastorin aus Eschede, Synodenmitglied seit 2020

Am Freitag startet die neue Synode in ihre Arbeit. Warum lässt man sich eigentlich in die Synode wählen - und woher nehmen Sie die Zeit?

Ich hab mir gesagt, wenn ich das möchte, dann schaffe ich das auch! Natürlich bin ich auch darauf angewiesen, dass meine Kollegen das mittragen. Zum Beispiel, wenn ich Ende diese Woche nicht da bin, müssen die Kollegen eine Beerdigung übernehmen. Da die Kollegen das aber mitmachen, funktioniert das! 

Mir ist es wichtig, dass wir es als junge Kolleginnen und Kollegen schaffen, an der Zukunft der Kirche mitzuarbeiten. Nicht nur meckern, sondern sagen: ‚Ok, wir bringen uns selber ein!‘ Mit am Schalthebel sitzen und sagen können, wie Kirche in Zukunft aussehen soll. Was wir vielleicht an Gesetzen ändern müssen und wie wir mit der doch recht schweren Prognose, die vor uns liegt, eine bunte Kirche sein können. Und eine lebendige!

Welche Themen wollen Sie einbringen?

Mein Schwerpunktthema ist immer die Jugendarbeit. Und eben die Zukunft der Kirche. Wie sieht Gemeindearbeit aus? Wie können Gemeinden zusammenarbeiten? Wie arbeiten wir auf Kirchenkreisebene zusammen? Und natürlich, wie sieht das Pfarrbild in Zukunft aus, wenn wir doch immer weniger werden?

Wenn das jetzt nicht die erste, sondern die letzte Tagung wäre: Welche Erfolge würden Sie dann feiern wollen?

In sechs Jahren ist es 2026, dann gehen wir ganz stark auf die 2030 zu; das Jahr, in dem der Pfarrermangel akut werden soll. Es wäre super, wenn wir es bis dahin geschafft hätten, mehr Menschen dafür begeistern zu können, Pastorin oder Pastor zu werden! Und mehr Menschen begeistern können, in der Kirche mitzuarbeiten und zeigen, ‚Hey wir sind eine moderne und lebendige Kirche und bei uns mitzumachen ist eine gute Sache, das bringt dich fürs Leben weiter!‘ Den Glauben allein zu leben macht keinen Spaß, das können wir doch zusammen viel besser.

Gabriele Furche, 55, Leiterin des Kirchenamts Stade, Synodenmitglied seit 2020

Gabriele Furche

Die neu gewählte Synode nimmt ihre Arbeit auf – warum haben Sie sich für dieses Ehrenamt aufstellen lassen? Und haben Sie schon einen Plan, woher Sie die Zeit dafür nehmen wollen?

Dass ich gewählt worden bin, freut mich natürlich sehr - aber ich hatte es nicht erwartet. Die Zeit ist tatsächlich ein Problem. Mit etwa vier Wochen Aufwand im Jahr rechne ich schon. Ich werde da wohl einiges umstrukturieren müssen, vielleicht auch andere Aufgaben abgeben. Aber Komplexität kenne ich von meiner Arbeit - bei drei Kirchenkreisen, die wir als Verwaltung unterstützen, ist auch immer viel los.

Welche Themen wollen Sie konkret einbringen?

Ich habe mir natürlich angeschaut, was die alte Synode an die neue übergeben hat. Die größte Herausforderung ist aus meiner Sicht die Transformation der Kirche. Allein unsere drei Kirchenkreise hier im Raum Stade sind so unterschiedlich - da bin ich sehr gespannt, wie ein solcher Prozess in einer ganzen Landeskirche klappen soll. Hellhörig werde ich zudem immer, wenn es um Verwaltungsstrukturen geht: Umfragen, Abfragen, Bürokratie - da sind Kirchengemeinden und Ämter oft viel zu vollgepackt. Muss das wirklich immer alles sein? Und was muss umgekehrt unbedingt in den Gemeinden verbleiben? Das alles aus der Gesamtsicht als Synodale und zugleich als lokale Verwaltungsexpertin anzuschauen, finde ich sehr spannend und wichtig.

Wenn dies nicht die erste, sondern die letzte Tagung der 26. Landessynode wäre: Welche Erfolge würden Sie dann feiern wollen?

Ich fänd’ es gut, wenn wir bis dahin die Baufachverwaltung neu strukturiert hätten, dazu die IT-Struktur und die Kindergartenfinanzierung gut geregelt wären. Die Neufassung von Kirchenkreis- und Kirchengemeindeordnung ist dringend notwendig. Und wenn wir dann noch den kirchlichen Datenatlas „Egis“ fertig hätten, wäre das ein großer Erfolg: Kirchengemeinden und kirchliche Einrichtungen schnell zu finden, ihre Erreichbarkeit zuverlässig im Internet zu hinterlegen - das ist für mich ein sehr wichtiges Ziel.

Was ist die Landessynode eigentlich?

Unser Film erklärt kurzweilig, worum es in der Synode eigentlich geht!

Landessynode im Überblick

Im September 2019 fanden die Wahlen zur 26. Landessynode der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers statt. Im Vergleich zur Wahl vor sechs Jahren ist der Frauenanteil der gewählten weiblichen Synodalen von 46% auf 55% gestiegen. Von den neu gewählten Synodalen sind 46 zum ersten Mal Mitglied der Landessynode, 20 gehören bereits der aktuellen Landessynode an. Die Wahlbeteiligung lag bei 58,18%, vor sechs Jahren waren es 66,27%.

Die neue Landessynode wird insgesamt 80 Mitglieder haben. Davon sind 66 gewählt (19 ordinierte Pastorinnen und Pastoren, 10 beruflich in der Kirche Mitarbeitende und 37 Ehrenamtliche). Weitere 12 Synodale wurden vom Kirchensenat ernannt. Darunter vier Personen, die jünger als 27 sind und von der Landesjugendkammer vorgeschlagen wurden. Der Abt zu Loccum und ein Lehrstuhlinhaber/eine Lehrstuhlinhaberin der Theologischen Fakultät der Universität Göttingen sind verfassungsgemäß in der Landessynode vertreten.

Wir leben als Kirche nicht im Elfenbeinturm und alles um uns herum ist uns egal. Wir müssen schauen, was wir den Menschen vor Ort zu sagen haben.

Petra Utermöller, Mitglied der Landessynode seit 2002

Was passiert auf der konstituierenden Tagung?

Die neu gewählte 26. Landessynode der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers tritt im DIAKOVERE Henriettenstift Hannover zu ihrer konstituierenden Tagung zusammen.

Im Eröffnungsgottesdienst am Donnerstag, 20. Februar, um 10 Uhr in der Marktkirche Hannover wird Landesbischof Ralf Meister die Mitglieder der Landessynode in ihr Amt einführen und ihnen das Gelöbnis abnehmen.

In der ersten öffentlichen Plenarsitzung der 26. Landessynode am Donnerstag um 18.30 Uhr im Großen Sitzungssaal des DIAKOVERE Henriettenstifts wählen die Synodalen eine Präsidentin bzw. einen Präsidenten und die weiteren Mitglieder des Präsidiums.

Am Freitag zwischen 9 und 11 Uhr wird der Vorsitzende des noch amtierenden Landessynodalausschusses der 25. Landessynode, Jörn Surborg, berichten.

Um 15 Uhr wird Landesbischof Ralf Meister seinen Bericht vor der Landessynode geben.

In der Sitzung am Samstagvormittag wird das Landeskirchenamt über den Stand des kirchlichen Lebens und der kirchlichen Arbeit berichten.

Den ausführlichen Tagungsplan gibt es hier

Den Glauben allein zu leben macht keinen Spaß, das können wir doch zusammen viel besser.

Franziska Baden, Synodenmitglied seit 2020