Musik gab es beim Empfang von den Landesposaunenwarten. Bild: Jens Schulze

Epiphanias-Empfang: Demokratie, Klimaschutz und ein Abschied

Tagesthema 07. Januar 2020

Beim 70. Epiphanias-Empfang der Landeskirche im Kloster Loccum haben Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil und Landesbischof Ralf Meister zu einem klaren Eintreten für die demokratische Gesellschaft aufgerufen.

Weil rief die Bürgerinnen und Bürger zu einem klaren Bekenntnis für eine freie, tolerante und respektvolle Gesellschaft auf. "Es gibt keine Demokratie ohne Demokraten", sagte er. "Ein lauwarmes Verhalten ist nicht mehr ausreichend, davon bin überzeugt." Die Demokratie müsse wesentlich konsequenter verteidigt werden als in der Vergangenheit. "Beleidigungen und Bedrohungen gegenüber Bürgermeistern und Journalisten sowie Angriffe auf Synagogen, Moscheen und ihre Gläubigen sind eben mittlerweile keine seltenen Ausnahmen mehr."

Warnung vor Polarisierung

Landesbischof Ralf Meister sagte vor rund 130 Gästen aus Landespolitik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft, für ein friedliches Zusammenleben würden engagierte und leidenschaftliche Botschafter gebraucht: "Menschen, die mit dem Bösen rechnen und darauf antworten können. Nicht in der Spirale der Gewalt, sondern auf dem Weg des Friedens." Dies gelte besonders auch im Kleinen für die Nachbarschaft, den Stadtteil und die Dorfgemeinschaft.

Außerdem warnte er vor einem riskanten Nationalismus. Polarisierungen sowie nationale Alleingänge, die die Wahrheit ignorierten und Fakes zu Fakten erklärten, führten fast zwangsläufig zu tiefen gesellschaftlichen Spaltungen.

Fridays for Future: Kreativität, Ermutigung und Hoffnung

Meister und Weil würdigten das Engagement der "Fridays for Future"-Bewegung für den Klimaschutz. Meister sagte, die Demonstrationen kämen ihm vor wie "ein weltweiter kollektiver Aufschrei". Die Ungeduld der jungen Generation führe zu Kreativität, Ermutigung und Hoffnung und gleichzeitig zur Ernüchterung und Enttäuschung. "Aber wir gehen zusammen, weil wir die Hoffnung nicht aufgeben und zuversichtlich für eine andere Welt handeln wollen."

Weil sagte, niemand müsse auf die verheerenden Buschbrände in Australien verweisen, um den Klimawandel zu belegen: "Die zerstörten Wälder im Harz und im Solling liegen vor unserer Haustür." Die Weltgemeinschaft und auch Deutschland hätten beim Klimaschutz bisher zu wenig getan. Wichtig sei jetzt eine Mischung von Einsicht in zwingenden Handlungsbedarf, Rücksicht auf besonders Betroffene und Konsequenz bei Veränderungen. Das Klimaschutzpaket der Bundesregierung halte er für einen guten Anfang, sagte Weil.

Niedersachsen wolle vorangehen und dies in den nächsten Monaten durch ein Maßnahmen-Programm konkretisieren, kündigte er an. Das Land werde aller Voraussicht nach das erste Bundesland sein, dass den Klimaschutz ausdrücklich als Staatsziel in seine Verfassung aufnehme. Deutschland werde künftig sehr viel erneuerbare Energien benötigen, damit werde Niedersachsen zum Energieland Nummer eins.

Empfang mit langer Tradition

Seit 70 Jahren lädt die Landeskirche niedersächsische Repräsentant*innen aus Politik, Wirtschaft und Kultur zum Jahreswechsel zu einem Empfang in das mehr als 850 Jahre alte Zisterzienserkloster Loccum bei Nienburg ein. Wie schon in den beiden vergangenen Jahren war der Ablauf auch diesmal wieder leicht verändert: Das Refektorium, der ehemalige Speisesaal der Mönche mit seinen hohen gotischen Gewölben und wertvollen alten Büchern, ist wegen umfangreicher Umbauarbeiten noch nicht wieder zugänglich. Deshalb nahmen die Gäste in der Klosterkirche Platz, die extra hochgeheizt wurde.

Der ehemalige Landesbischof Hanns Lilje hatte 1950 nach seiner Wahl zum Loccumer Abt erstmals zum "Empfang zwischen den Jahren" gebeten. Lilje zu Ehren, der vor 43 Jahren am 6. Januar 1977 starb, wurde die Feier auf den Epiphaniastag (6. Januar) verlegt. Sie ist seitdem der erste offizielle politische Termin des neuen Jahres in Niedersachsen.

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen

Altbischof Hirschler legt Amt als Abt zu Loccum nieder

Am Ende des Epiphanias-Empfangs stand ein emotionaler Moment: Fast zwanzig Jahre nach seiner Einführung gab Altbischof Horst Hirschler bekannt, dass er von seinem Amt als Abt zu Loccum zurücktritt. Der 86-jährige ehemalige Landesbischof hatte das Amt am 4. Juni 2000 von seinem inzwischen verstorbenen Vorgänger Eduard Lohse übernommen. Hirschler wurde bei dem Empfang mit stehenden Ovationen und minutenlangem Beifall verabschiedet. Der jetzige Landesbischof Ralf Meister (58) wird am 9. Mai als dann 65. Abt des evangelischen Zisterzienser-Klosters als Nachfolger eingeführt.

Meister sagte, er werde das Amt mit großem Respekt und höchster Wertschätzung gegenüber Horst Hirschler übernehmen. Er habe immer bewundert, mit welcher Energie und hohem Einsatz der Abt tätg gewesen sei. Auch der Prior des Kloster, Arend de Vries, würdigte das Engagement Hirschlers: "Mit seiner Prägung als lutherischer Theologe und seinem handfesten Pragmatismus, wenn es um die Ausgestaltung des Klosters ging, hat er das Kloster in den letzten zwei Jahrzehnten entscheidend geprägt", sagte de Vries, der auch Geistlicher Vizepräsident des Landeskirchenamtes in Hannover ist. 

Für Hirschler war sein Amt als Abt die schönste Aufgabe, die er sich vorstellen konnte: "Dieses wunderbare Kloster mit Leben zu füllen, das ist das Beste". Seitdem er dort in den 1970er Jahren sieben Jahre lang als Studiendirektor das Predigerseminar für die Ausbildung von Vikarinnen und Vikaren leitete, war das Kloster ein besonderer Ort für ihn. Die Feiern zum 850-jährigen Jubiläum waren ein Höhepunkt seiner Amtszeit. Mehr als 165.000 Besucher aus dem In- und Ausland strömten im Sommer 2013 nach Loccum.

Hirschler lernte in Hildesheim Elektriker, bevor er auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur machte und Theologie studierte. Nach Stationen in Hannover, Lüneburg und Loccum wurde er 1977 Regionalbischof im Sprengel Göttingen. Als Landesbischof war er von 1993 bis zu seinem Ruhestand 1999 auch Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD). Das Land Niedersachsen ehrte ihn 2004 mit der Niedersächsischen Landesmedaille, der höchsten Auszeichnung des Bundeslandes.

Das 1163 von Zisterzienser-Mönchen gegründete Kloster ist seit 1820 ist Ausbildungsstätte für Pastor*innen. Zurzeit wird das Predigerseminar grundlegend renoviert. Die Arbeiten sollen im kommenden Jahr abgeschlossen werden.

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen