Bild: KLAK

Bleibende Eindrücke

Tagesthema 19. Februar 2018

40 Jahre KLAK: Jahrestagung zum Thema „Jerusalem“ vom 17.-23. Januar 2018 in Israel

1978 gründeten einige Vertreter landeskirchlicher Arbeitskreise „Christen und Juden“ die KLAK – Konferenz landeskirchlicher Arbeitskreise „Christen und Juden“ im Bereich der Evangelischen Kirche in Deutschland (www.klak.org). Rund 30 Delegierte und Gäste, würdigten im Januar mit einer sechstägigen Konferenz in Israel das 40jährige Bestehen der KLAK. Hauptziel der Reise war Jerusalem. Der Stadt und ihrem religiösen Mittelpunkt, dem Tempelberg, galt in jüdischen, christlichen und muslimischen Perspektiven das Schwerpunktthema der Tagung. 

Dr. Ursula Rudnick, Beauftragte für Kirche und Judentum und Dr. Daniela Koeppler, Referentin im Arbeitsfeld Kirche und Judentum im HkD, nahmen beide an der Reise teil - und erzählen von zwei besonderen Menschen, denen sie auf ihrer Reise begegnet sind.

"Inspirierend und motivierend!"

"Debbie Weissman ist eine besondere Frau, die ich seit vielen Jahren kenne und die mir sehr ans Herz gewachsen ist. In der Lifshitzstraße 12 im Westteil Jerusalems, befindet sich die Synagoge Yedidyah, die Debbie Weissman, zusammen mit anderen 1980 gründete und in der sie unsere Reisegruppe empfängt, um uns von ihrer Synagoge zu erzählen und auf den Gottesdienst vorzubereiten. Diese Synagoge wird – mit Ausnahme der Verwaltung – vollständig von Ehrenamtlichen betrieben. Gottesdienst, Gebet, Unterricht und die zahlreichen Angebote der Gemeinde werden von Ehrenamtlichen getragen. So auch unser Besuch und die anschließenden Einladungen zum Schabbat Essen in Familien.

Debbie Weissman wurde 1947 in einer säkularen jüdischen Familie in New York geboren. Ihre Eltern waren Sozialarbeiter und Debbie engagierte sich früh in einer zionistischen Jugendbewegung. Dies führte dazu, dass sie als junge Frau nach Israel einwanderte. Im Land entschied sie sich für einen orthodoxen Lebensstil. Dies heißt, sie isst koscher, hält den Schabbat und die Gebote der Tradition. Debbie Weissman ist orthodox und offen. An ihrem Schabbattisch ist es nie langweilig: es wird diskutiert. Über Politik, Religion und Kultur. Lebendig und respektvoll.

Debbie Weissman ist orthodox, offen und Feministin, die ihre Überzeugungen lebt.  In ihrer Synagoge, wo sie sich für die Teilhabe von Frauen am religiösen Leben einsetzt und auch im politischen Dialog. So nennt sie z.B. Mounib Younan, den ehemaligen lutherischen Bischof des Heiligen Landes, ihren Freund. Und: im jüdisch-christlichen Dialog war sie  Präsidentin des International Council of Christian and Jews von 2008 bis 2014. In dieser Zeit wurde die wichtige Berliner Erklärung zum christlich-jüdischen Dialog verabschiedet (http://www.iccj.org/Berlin-Document.3595.0.html). Für ihr Engagement im jüdisch-christlichen Dialog erhielt sie das Sternberg Interfaith Gold Medallion.

Debbie Weissman ist eine besondere Frau: sie lebt, was sie glaubt. Sie inspiriert und motiviert. Toda rabba, Debbie. Vielen Dank, dass wir bei Dir zu Besuch sein durften."

Dr. Ursula Rudnick

Wiedersehen nach 17 Jahren

"17 Jahre ist es her, dass ich am Ratisbonne-Institute – „Christian Centre for Jewish Studies“ in Jerusalem den Unterricht bei Alon Goshen-Gottstein besucht habe. 

Er lud uns Studierende damals auch gerne zu sich und seiner Familie zum Schabbat-Essen ein und es war eine ganz besondere Atmosphäre, wenn er dann chassidische Melodien zu singen begann. Kurz vor der KLAK-Tagung war es eine Freude, meinen ehemaligen Lehrer wieder zu treffen.

Alon Goshen-Gottstein wuchs in Jerusalem als Sohn eines Bibelwissenschaftlers und einer Psychologin auf, und schon in seinem Elternhaus gingen Studierende verschiedener Religionen ein und aus. Alon wurde Rabbiner und ist heute v.a. Dozent Jüdischer Studien. Das Besondere an ihm ist, dass er sich auch für andere religiöse Gruppen interessiert. Er studierte das Christentum und andere Religionen und gründete 1997 das Elijah Interfaith Institute. Es bietet geistlichen Leitungspersonen verschiedener Religionen ein Forum, um sich auszutauschen und voneinander zu lernen. Alon ist ein origineller, interreligiöser Brückenbauer und soweit mir bekannt, der erste und einzige orthodoxe Jude aus Israel, der ein Buch über Martin Luther geschrieben hat! 

Alons Freude an seiner eigenen jüdischen, aber auch sein Interesse für andere religiöse Traditionen strahlt aus. Die Begegnung mit ihm war ein guter Einstieg in die Tagung der KLAK, die uns an verschiedene Orte des Dialogs, der friedlichen Kooperation, aber auch der Auseinandersetzung zwischen den verschiedenen Religionsgemeinschaften und Bevölkerungsgruppen in Israel führte."

Dr. Daniela Koeppler

Die Klak

Die KLAK, die Konferenz landeskirchlicher Arbeitskreise Kirche und Judentum, ist ein Netzwerk für die Aktiven des christlich-jüdischen Dialogs. Jede Landeskirche kann bis zu drei Personen in die KLAK entsenden. Einmal im Jahr treffen sich die Mitglieder zum Austausch. Die Konferenz veranstaltet jährlich eine Tagung in Berlin. Dieses Mal ging es um die Auslegung der Schrift aus jüdischer und christlicher Perspektive. Beim Austausch der Aktiven entstehen Gemeinschaftsprojekte, wie zum Beispiel die Arbeitshilfe zum Israelsonntag.

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In einem ausführlichen Bericht dokumentiert Michael Volkmann auf der Internetseite der KLAK die Jerusalem-Reise.

"Die Fülle der Eindrücke rief bei uns manche Desillusionierung und viel mehr Fragen hervor, als wir mitgebracht hatten, bekräftigte aber auch unseren Willen, den Menschen in der Krisenregion Nahost verbunden und dem Motto der KLAK aus Römer 15,10 „Freut euch, ihr Völker, mit Gottes Volk“ treu zu bleiben" schreibt er am Ende seines Textes - ein lesenswerter Bericht!

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Impressionen

Auf der Internetseite der KLAK gibt es eine ausführliche Fotodokumentation der Reise.

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