Bild: Martin Jehnichen

Interreligiöser Dialog

Tagesthema 04. Juli 2017

Die siebte Themenwoche vom 5.-10. Juli in Lutherstadt Wittenberg

Auf der Weltausstellung Reformation geht es eine Woche lang um die Frage, wie Frieden werden kann zwischen den Religionen. Vom Umgang mit Heiligen Schriften über Rituale im Alltag bis zur Frage nach Teilhabe von Frauen öffnen sich Perspektiven zum Dialog und zur Begegnung von Mensch zu Mensch.

Beispiele von gelingendem Miteinander werden vorgestellt und Fragen nach Reformbedarf in den Religionen gestellt. 

 

Viel Diskussionsstoff

Der Vortrag: "Heilige Schriften: Entstehung, Verbreitung, Auslegung" dreht sich um religiöse Schriften und Reformen. Im Anschluss sind alle zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Auch nachmittags geht es um die Bedeutung von Tanach, Bibel und Koran.

Am 7. Juli diskutieren Ishmael Noko, Margot Käßmann und Anli Serfontein zum Thema „Interreligiöser Dialog in Afrika als Vorbild für Europa?" Wege vom ökumenischen zum interreligiösen Dialog. 

Ebenfalls am 7. Juli werden zur Kabbalat Shabbat-Feier die Leuchtröhren der Installation "clouds. Wunschwolken der Weltreligionen" befüllt und mit Walter Homolka, Margot Käßmann, Alexander Grodensky und Svetlana Kundish im House of One ein Gottesdienst gefeiert. 

Kunst und Kultur im #Reformationssommer

Nach Konzerten mit Yvonne Catterfeld, Max Giesinger und Culcha Candela, die tausende Besucherinnen und Besucher begeisterten, geht es diese Themenwoche inspirierend auf den Bühnen Wittenbergs weiter.

Die Vlaggendansgroep Symbolica ist eine junge Gruppe aus Belgien, die ein spannendes und spektakuläres Programm mit der Kombination aus modernem Tanz und dem Schwenken von Fahnen auf die Bühne bringt. Die Gruppe besteht aus etwa 50 Jungen zwischen 11 und 18 Jahren. Am 5. Juli treten sie um 19 Uhr auf der Bühne am Schloss auf.

​Über alle musikalischen, religiösen und kulturellen Grenzen hinaus entsteht bei einer anderen Veranstaltung ein kleines, inspirierendes und mitreißendes Wunderwerk. Jedes Musikstück ist eine musikalisch geschmackvolle Entdeckung, während Nina Hoger eindrucksvoll christlich-mystische Texte von Meister Eckhardt vorträgt. Die Aufführung findet am 7. Juli, um 19 Uhr auf der Schlossbühne statt.

r2017

Draußen vor der Tür - Dialog rund um den Taufraum

Einige Tage mache ich nun Dienst im Erlebnisraum Taufe. Am Taufbecken. Im Ankommensraum. Vor der Tür. Innerhalb des Teams wechseln wir immer mal wieder die Position. Die draußen vor der Tür hat mich am meisten beschäftigt.

Hier steht man außerhalb der gestalteten Räume, die eigentlich fast jedes Wort überflüssig machen. Hier, draußen vor der Tür, geht es noch nicht um Taufe, sondern um Sonne und Regen, um das Geklapper der Störche von gegenüber und die Menschen, die zum Ärztehaus an der Ecke eilen, um junge Mädchen, die kichernd in die Stadt schlendern und die Nachbarin mit dem störrischen Beagle, der nur wenige Meter laufen will.

Hier kommen sie vorbei, die zufällig Schlendernden und die mit dem grünen Reformationssommerband um den Hals. Manchmal kommt auch lange Zeit niemand.

Wen spreche ich an und wie? „Guten Morgen, darf ich Sie einladen in unseren Erlebnisraum Taufe?“ Wie seltsam, da so zu stehen und wildfremde Menschen anzusprechen. Und wie schön. Manche senken den Blick und eilen vorbei. Andere bleiben stehen. „Kurt, haben wir so viel Zeit?“ Kurt nickt und die beiden betreten die Welt hinter der blau getönten Tür. Andere nähern sich zielstrebig, sie haben vom Erlebnisraum gehört und ihn bewusst gesucht. Ein junges Paar verkündet laut, dass sie eigentlich Heiden sind. Aber sie gehen hinein. Kaum jemand reagiert unfreundlich. Auch, wenn unser Gruß und unsere Einladung manchmal spürbar den Alltagslauf stören.

Ist das etwas von der Zukunft der Kirche? Nicht warten, sondern rausgehen. Nicht resignieren, sondern einladen. Sorgsam gestaltete Räume bereit halten. Einen Schluck Wasser. Ruhe. Und ein Segenswort. „Der Herr denkt an euch und segnet euch.“ Ein junges Paar fasst sich an den Händen. Ihr kommen die Tränen. Und dann gehen sie wieder hinaus, in ihre Welt. Draußen vor der Tür. 

Silvia Mustert

Begegnungen im Taufraum

Als eine von vielen Helferinnen ist Silvia Mustert gerade in Wittenberg. Eine Begegnung hat sie besonders beeindruckt:

„... zieht an den Herrn Jesus Christus“ (Röm. 13,4). Das zarte Plakat mit dem hauchfeinen Taufkleid am Ende des Eingangsbereiches im Erlebnisraum Taufe zieht eine ältere Dame an. Lange bleibt sie davor stehen, bevor sie in den Filmbereich geht. Nach gut fünfzehn Minuten hat sie auch den Taufstein besucht und kehrt zurück, um ihre Jacke zu holen. Wir beide sind allein und sie fängt an zu erzählen. Wie sehr sie das Plakat mit dem Taufkleid beschäftigt hat. Wie wenig die Generation ihrer Eltern damals hatte. Erst recht keinen bezahlbaren Stoff und schon gar keine weiße Spitze für ein Taufkleid für sie, die Erstgeborene der Familie. So hat ihre Mutter aus ihrem eigenen Hochzeitskleid schließlich ein Taufkleid für sie genäht. Auch ihre Tochter hat dieses Kleid dann getragen und schließlich ihr Enkel. „Dass wir damit auch Christus angezogen haben, wusste ich nicht.“ Noch einmal nimmt sie Platz und schreibt den Bibelvers in ein kleines Büchlein, das sie in ihrer Handtasche hat. Den Vers nimmt sie mit. Ihre Erinnerung an das umgenähte Hochzeitskleid lässt sie bei uns auf dem alten Schreibtisch. 

Silvia Mustert