Bild: Johannes Neukirch

Den Anderen sehen

Tagesthema 03. August 2016

40.000 Falt-Ferngläser für Schulanfänger

Für das neue Schuljahr hat Landesbischof Meister 40.000 Geschenksets mit Faltferngläsern auf die Reise geschickt. In knapp 600 Kirchengemeinden der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers bekommen Kinder im Schulanfänger-Gottesdienst die Ferngläser und eine begleitende Broschüre.

Das Thema der Schulanfangsaktion lautet dieses Jahr „Den Anderen sehen“ und steht im Kontext des Jahresthemas der Evangelischen Kirche in Deutschland „Reformation und Eine Welt“. Auf den Falt-Ferngläsern ist eine Erdkugel mit Kindern verschiedener Nationalitäten abgebildet.

„Den Anderen sehen“ bedeute nicht nur, die neuen Klassenkameraden und Lehrkräfte kennenzulernen. In vielen Klassenräumen säßen Flüchtlingskinder, die noch Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache und fremden Gewohnheiten hätten und besondere Unterstützung von anderen Schülern bräuchten, erklärt Landesbischof Ralf Meister. „Ich freue mich, dass wieder so viele Kirchengemeinden das Angebot wahrnehmen. Das Fernglas  motiviert, andere Menschen besser wahrzunehmen und sie in ihrem Anderssein zu sehen und zu respektieren. In solcher Annäherung liegt eine große Chance für die Schulgemeinschaft. Wer bin ich – wer bist du? Wie gehen wir gut miteinander um? Diese elementaren Fragen können Thema in den Einschulungsgottesdiensten sein.“

Integration ist an Schulen zurzeit ein wichtiges Thema. Oberlandeskirchenrätin Dr. Kerstin Gäfgen-Track, Leiterin der Bildungsabteilung der Landeskirche, erklärt: „Damit die hierher geflohenen Kinder unsere Kultur verstehen und wir die Kultur, die die Flüchtlinge mitbringen, braucht es viele Gespräche und gemeinsame Erfahrungen. Dafür  ist Bildung zwingend notwendig. Es braucht sie, damit  Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit zusammenleben können.“

Vorschläge für einen Schulanfänger-Gottesdienst zum Thema "Den Anderen sehen" und mehr über das Fernglas zur Einschulung

Rund 75.000 Kinder werden in Niedersachsen und Bremen eingeschult

Rund 75.000 Mädchen und Jungen werden am Sonnabend (6. August) an den Grund- und Förderschulen in Niedersachsen und Bremen eingeschult. Allein 69.100 Kinder sind es in Niedersachsen. Damit ist die Zahl der Erstklässler dort weiter rückläufig, wie das Kultusministerium in Hannover auf epd-Anfrage mitteilte. Im vergangenen Jahr kamen noch rund 70.600 Abc-Schützen neu an die Schulen. 1997 gab es 97.000 Schulanfänger. Im Land Bremen steigt die Zahl dagegen im Vergleich zu 2015. Dort rechnet die Bildungsbehörde mit rund 5.700 Erstklässlern, gut 300 mehr als im Vorjahr.

Zum Stichtag der jüngsten Erhebung in Niedersachsen am 15. September 2015 haben den Angaben zufolge insgesamt rund 846.600 Schülerinnen und Schüler dort eine allgemeinbildende Schule besucht. In diesem September werden es nach Hochrechnungen rund 836.000 sein. Die Zahl kann aber noch steigen, weil nur zum Teil erfasst ist, wie viele Flüchtlingskinder dann die Schulen besuchen. Darüber, wie viele Flüchtlingskinder in den ersten Klassen neu eingeschult werden, könne das Ministerium keine belastbaren Angaben machen, sagte eine Sprecherin. Genaue Daten sollen am 22. September erhoben werden.

Die Schulen hätten bereits im vergangenen Schuljahr einen riesigen Kraftakt gemeistert, indem sie rund 30.000 Schülerinnen und Schuler ohne oder mit geringen Deutsch-Kenntnissen neu aufgenommen hätten, sagte Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD). "Die größte Herausforderung bei der Beschulung von neu hinzukommenden Schülerinnen und Schülern ist die Überwindung der Sprachbarrieren."

Das Land habe deshalb im vergangenen Jahr rund 700 Sprachlernklassen gebildet. Darüber hinaus hätten viele Schüler zum Beispiel in Förderkursen Deutsch gelernt und bereits am Unterricht teilgenommen, sagte Heiligenstadt. "Wir erleben höchst motivierte Schülerinnen und Schüler, die sehr lernbegierig sind und viel Freude am Unterricht haben."

Fortschritte macht den Angaben zufolge die Inklusion an den Schulen. Das Land hat im Schuljahr 2013/14 begonnen, aufsteigend den gemeinsamen Unterricht für Schüler mit und ohne Behinderungen, Leistungsschwache und Hochbegabte einzuführen. Mit dem jetzt beginnenden Schuljahr sind erstmals alle vier Klassen an den Grundschulen inklusiv. An den weiterführenden Schuljahren wird die Inklusion bis Klasse 8 eingeführt. Zusätzliche Förderlehrer unterstützen dabei die Schüler an den Regelschulen.

Die Eltern können entscheiden, ob sie ihr Kind auf eine Regelschule oder eine Förderschule schicken wollen. Allerdings laufen Förderschulen für Kinder mit Lernschwierigkeiten aus. Sie nehmen bereits keine Grundschüler mehr auf. Alle anderen Förderschulen bestehen weiter. Der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf, die eine inklusive Schule besuchen, war zuletzt mit dem Schuljahr 2015/16 auf 58,5 Prozent gestiegen. Bis 2020 will das Land die Inklusion mit rund 1,7 Milliarden Euro unterstützen.

epd

Druck herausnehmen

Der Schulpsychologe Thomas Künne empfiehlt Eltern, möglichst gelassen und zuversichtlich mit dem Schulanfang ihrer Kinder umgehen. "Die Eltern sollten zunächst bei sich selbst den Druck herausnehmen und erkennen, dass das Abitur und die Karriere noch gar nicht wichtig sind", sagte der Osnabrücker Experte von der Niedersächsischen Landesschulbehörde dem Evangelischen Pressedienst (epd). Ein starkes Interesse an Noten könne die natürliche Lernfreude bei den Kindern bremsen. "Vater und Mutter sollten eher die Rolle von Lernbegleitern übernehmen und nicht zu einem zweiten Lehrer zu Hause werden."

Bei Problemen sollten Eltern natürlich wachsam sein, mahnte Künne. Allerdings zeige sich noch nicht am Anfang, sondern erst mit der Zeit, welche Kinder besondere Unterstützung benötigten. "Auch Erwachsene brauchen, wenn sie in einem neuen Job anfangen, eine gewisse Eingewöhnungsphase." In Niedersachsen und Bremen werden am Sonnabend (6. August) rund 75.000 Mädchen und Jungen eingeschult.

Bereits vor dem ersten Schultag könnten Vater oder Mutter die Abc-Schützen schon behutsam auf die bevorstehenden Veränderungen vorbereiten, betonte Künne. Dazu gehöre beispielsweise, einen möglichst ruhigen Platz für die Hausaufgaben zu finden. "Das kann auch der Küchentisch sein." Auch der Tagesrhythmus könne vorab langsam mit regelmäßigen Bett-Zeiten eingeübt werden. Zudem könne getestet werden, wie viel Frühstück das Kind benötige.

Beim Üben des Schulwegs gelte ein "wachsames Hingucken, aber kein Überdramatisieren", ergänzte der Psychologe. Bereits vor dem ersten Schultag könne der Weg gemeinsam erkundet werden, um schwierige Straßen oder dunkle Ecken zu erkennen und Abschnitte festzulegen, die das Kind alleine gehen könne. Unterwegs könnten auch sichere Orte wie der örtliche Bäcker oder die Apotheke definiert werden. Langsam könne der eigene Radius der Kinder dann erweitert werden. "Wenn man versucht, die Selbstständigkeit zu unterstützen, profitieren davon vor allem die Kinder."  

epd

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