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Bild: epd-Bild/Mariengemeinde Osnabrück

Im Tiefflug über Orgel und Altar

Tagesthema 04. August 2015

Osnabrücker Mariengemeinde gibt per Laserscan-Technik einmalige Einblicke in ihre 650 Jahre alte Hallenkirche

Langsam schwebt der Betrachter hoch über dem Marktplatz auf die Osnabrücker Marienkirche zu. „Achtung Kopf einziehen, jetzt geht's durch die Mauer“, warnt Pastor Frank Uhlhorn. Augenzwinkernd deutet er auf den Film, der auf der Leinwand im Gemeindesaal abläuft. Die Kirchenvorsteher sehen ihn zum ersten Mal. Ausrufe des Staunens und der Begeisterung. Es ist, als flögen sie tatsächlich um ihre Kirche herum hinein ins Innere.

Möglich macht das die Laserscan-Technik. Architekt Johannes Rechenbach aus Hannover hat aus 100 Laserscans ein virtuelles 3D-Modell der Kirche gefertigt. Der Betrachter am Computerbildschirm kann sich quasi im Vorbeiflug darin umsehen.

Auf einer DVD bietet die Gemeinde vier mit Musik untermalte Video-Flüge an. Zudem kann sich der Benutzer durch zahlreiche Fotos mit ungewöhnlichen Perspektiven klicken. Dazu gehört etwa ein Blick von unten ins Innere des Kirchenschiffs. Von mehr als 30 Standorten kann er eine 360-Grad-Rundumsicht simulieren. „Das alles gibt es bislang von keiner deutschen Kirche“, sagt Uhlhorn stolz.

Einzigartiger virtueller Rundflug

Die in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts entstandene gotische Hallenkirche zählt zu den kunsthistorisch bedeutendsten Baudenkmälern Norddeutschlands.

„Archäologische Spuren ließen sogar auf einen romanischen Vorgängerbau aus dem 10. Jahrhundert schließen“, erzählt der Pastor. Zu den besonderen Einbauten, die auf den Videos vom heimischen Computer aus betrachtet werden können, zählen unter anderem das Triumphkreuz und die Kreuzigungsgruppe aus dem 13. Jahrhundert, der Flügelaltar, die Flentrop-Orgel und das Gewölbe samt Dachstuhl.

Mit dem einzigartigen virtuellen Rundflug will die evangelische Gemeinde Kirchenliebhaber in ganz Deutschland auf sich aufmerksam machen, sagt Pastor Uhlhorn: „Wir wollen in die Liga der bekannten Kirchenführer aufsteigen und uns mit dieser Besonderheit gleich ein Stück von ihnen absetzen.“

Virtuelle Rundgänge oder Panoramafotos haben in der Tat viele berühmte Kirchen zu bieten. Manche haben kleine Filme parat. Auch vom Innern der Dresdner Frauenkirche gibt es beispielsweise zahlreiche Rundum-Aufnahmen - frei zugänglich auf der Homepage und mit guter Qualität der Bilder.

epd

„Wir wollen in die Liga der bekannten Kirchenführer aufsteigen und uns mit dieser Besonderheit gleich ein Stück von ihnen absetzen.“
Pastor Frank Uhlhorn

Blick ins Innere

Die Laserscan-Technik kommt seit rund 15 Jahren hauptsächlich in der Vermessung von Industriehallen zum Einsatz, erklärt Architekt Rechenbach. Das auf einem Stativ befestigte Gerät tastet per Laser jeden festen Punkt in einem Raum ab, so dass ein Originalabbild dieses Raumes entsteht. Rechenbach ist mittlerweile Experte auf dem Gebiet und reist durch ganz Deutschland und Europa. Auch Kirchen, die etwa renoviert werden, habe er so schon vermessen: „Für touristische Zwecke kommt der Laserscan in einer Kirche aber erstmals zum Einsatz.“

Die Daten sind für das Video so aufbereitet, dass es tatsächlich so aussieht, als durchbreche die Kamera spielend leicht die meterdicken Kirchenmauern. Orgelmusik setzt ein. Die Wand löst sich in Millionen Punkte auf. Der Blick öffnet sich in das Innere des Kirchenschiffs. Begleitet von den Klängen der Johannes-Passion geht es über die roten Bänke hinweg. Dann vorbei am Flügelaltar bis hinauf in die gotischen Gewölbe und in den Chorumgang.

epd

Der Kirchenführer der evangelischen St. Marienkirche inkl. DVD kostet 4,50 Euro und kann im Gemeindebüro bestellt werden.

Telefon: 0541/28393

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