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Bild: Stephan Lackner

„Treten Sie ein…“

Tagesthema 04. Juni 2015

City-Pastor: Bundesweit rund 150 Kircheneintritte pro Tag

Rund 150 Menschen treten in Deutschland nach Angaben des hannoverschen City-Pastors Stefan Lackner durchschnittlich jeden Tag in die evangelische Kirche ein. Damit könne die Kirche rechnerisch rund ein Viertel der Austritte wieder ausgleichen, sagte Lackner dem Evangelischen Pressedienst (epd): „Viele möchten wieder dazugehören.“ Der Pastor leitet die evangelische Wiedereintrittsstelle „Kirche im Blick“ in Hannover, die am 30. Mai ihr 15-jähriges Bestehen feierte.

Im Durchschnitt verliert die evangelische Kirche nach eigenen Angaben jedes Jahr rund 200.000 Mitglieder durch Austritte. Allerdings kämen rund 50.000 auch wieder dazu. Lackner warnte davor, den Blick nur auf die Austritte zu lenken: „Man kann aus der Kirche nicht nur austreten, sondern auch in sie eintreten.“ Im Einzelfall könne es einige Jahre dauern, bis ein Ausgetretener wieder zurückkehre.

Oft lägen die Gründe für einen Eintritt in der Familie, erläuterte Lackner: eine Hochzeit, die Taufe eines Kindes oder die Übernahme einer Patenschaft. Ältere berichteten, sie hätten ihren Frieden mit der Kirche gemacht. Jüngere erzählten, sie hätten einen neuen Zugang zur Kirche gefunden. Lackner erzählte das Beispiel eines 26-Jährigen: Er war mit 19 Jahren als Berufsanfänger aus der Kirche ausgetreten, weil er den Pastor nicht verstanden habe. Inzwischen sehe er das aber anders und habe positive Erfahrungen gemacht.

Die Wiedereintrittsstelle war am 31. Mai 2000 zum Auftakt der Weltausstellung Expo 2000 in der Buchhandlung an der Marktkirche eingerichtet worden. Seither sind dort laut Lackner rund 3.700 Personen in die Kirche eingetreten - rechnerisch ein neues Mitglied pro Öffnungstag. Bundesweit habe es im selben Zeitraum insgesamt rund 800.000 Eintritte gegeben. In der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers waren es 75.000.

Ein Kircheneintritt ist grundsätzlich bei jedem Pfarrer möglich. In einer besonderen Wiedereintrittsstelle ist der organisatorische Aufwand jedoch geringer. Lackner verzeichnete an seiner Anlaufstelle im laufenden Jahr bisher rund hundert Eintritte und Übertritte aus anderen Konfessionen. Im vergangenen Jahr waren es 219. Hinzu kamen rund 20 Erwachsenentaufen.

Auch andere niedersächsische Landeskirchen haben inzwischen Eintrittsstellen eingerichtet, etwa in Braunschweig, Goslar, Oldenburg und Bückeburg. Die katholische Kirche unterhält eine Anlaufstelle in der Innenstadt von Hannover.

Pastor Lackner erweitert derzeit seinen Aktionsradius, indem er mit einem „Wiedereintrittsmobil“ an gut besuchte Orte wie Feste oder Messen fährt. „Wir sind nicht nur eine Stelle, wo die Menschen hinkommen, sondern wir gehen auch auf die Leute zu.“

epd

Feiern vor der Marktkirche

Die Musiker vom Posaunenchor der ESG und dem Bläserkreis Hannover gaben den Auftakt zur Geburtstagsfeier. Die „Mobile Kirche“ war da, Stehtische waren aufgebaut, Infomaterial war verteilt, auch die Meinungssäulen luden zu einer Umfrage ein. Alles eigentlich sehr schön, wenn da nicht das Wetter wäre. Es stürmte, es regnete, ja, es hagelte sogar, so dass die Veranstaltung immer wieder unterbrochen werden musste. Aber es schien auch die Sonne, immer in den Intervallen, in denen es Interviews mit bekannten Gesichtern der Kirche in Hannover gab.

Mehr lesen über das Jubiläum „15 Jahre Kirche im Blick“

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