Stellungnahme der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers zur Absicht des Bundesumweltministers der Weitererkundung des Salzstocks in Gorleben

Pressemitteilung 19. März 2010

Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers hat durch die Presseerklärung des Bundesumweltministers Dr. Norbert Röttgen vom 15. März 2010 und durch entsprechende Presseberichte von der Absicht erfahren, das „Gorleben-Moratorium“ aufzuheben und die Endlagererkundungsarbeiten im Salzstock Gorleben wieder aufzunehmen.
Die Landeskirche hält es grundsätzlich für notwendig, in absehbarer Zeit einen Weg zur Endlagerung hochradioaktiver wärmeentwickelnder Abfälle zu finden.

Wir haben jedoch großes Verständnis für die Sorgen der Bevölkerung, besonders im Wendland. Deshalb bitten wir den Bundesumweltminister, auf die Bedenken und Sorgen der Menschen Rücksicht zu nehmen und die Suche nach einem Endlager ergebnisoffen zu halten.

Die hannoversche Landeskirche, zu der die betroffenen Kirchen- und Kapellengemeinden gehören, erinnert an die Erklärung ihrer Landessynode vom 27. November 2009. Darin wird eine Weitererkundung des Gorlebener Salzstocks mit drei Bedingungen verknüpft:

1. gleichzeitige Erkundung mindestens eines weiteren Standortes und eines anderen Wirtsgesteins als Salz,

2. in einem transparenten öffentlichen Verfahren entwickelte standortunabhängige Sicherheitskriterien nach internationalem Standard,

3. Erkundung nach den Regeln des Atomrechts statt des Bergrechts und damit unter den Bedingungen der speziellen Beteiligungsformen für Bürgerinnen und Bürger.

Diese Forderungen werden nach den der Landeskirche bekannten Informationen nicht erfüllt. Darum wird die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers den Bundesumweltminister um ein baldiges klärendes Gespräch bitten.

Als Christinnen und Christen stehen wir in der besonderen ethischen Verantwortung zur Bewahrung der Schöpfung. Im Blick auf die Kernenergie, insbesondere ihre äußerst langfristigen und weit reichenden Folgen, müssen strengste ethische Maßstäbe für wissenschaftliches, technisches und politisches Handeln zur Geltung gebracht werden. Im Blick auf die Endlagerung geht es um eine Standortsicherheit von 1 Million Jahre.

Die Landeskirche erwartet, dass den Menschen vor Ort Vertrauen entgegengebracht wird, dass sie in sämtliche Prozesse einbezogen werden und dass die Erkundung transparent, nachprüfbar und ergebnisoffen durchgeführt wird. Bereits verloren gegangenes Vertrauen muss durch maßvolle und von einer breiten Mehrheit der Bevölkerung nachvollziehbare politische Entscheidungen wieder gewonnen werden. Insgesamt bedarf es eines gesamtgesellschaftlichen Konsenses, der Parteien und Wahlperioden übergreift.

Hannover, 19. März 2010
Pressestelle der Landeskirche
Dr. Johannes Neukirch
Pressesprecher

Wortlaut der Erklärung der Landessynode vom 27.11.2009 s. unten unter "Downloads"