Reaktorkatastrophe von Tschernobyl - 20 Jahre danach

Pressemitteilung 18. April 2006

In einem Brief an alle Gemeinden der hannoverschen Landeskirche erinnert Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann an das Reaktorunglück von Tschernobyl und bittet darum, in den Gottesdiensten am 23. April oder in einzelnen Aktionen am 26. April dieser Katastrophe zu gedenken.

Wie viele andere Menschen hat auch die Landesbischöfin persönliche Erinnerungen an die Tage nach dem Reaktorunfall: „Ich selbst habe auf der Rückfahrt vom Krankenhaus mit unseren neugeborenen Zwillingen erstmals im Radio etwas davon gehört. Am 1. Mai schien die Sonne, die Babys lagen friedlich auf einer Decke auf dem Rasen, die ältere Schwester spielte im Sandkasten. Abends in den Nachrichten hieß es, das sei das Schlimmste gewesen, was wir hätten tun können. Sand und Rasen waren verstrahlt. „Die Wolke“ war unsichtbar über das Land gezogen.“

Käßmann bezeichnet die Katastrophe als Mahnung und Lehre. „Als Christinnen und Christen können wir nur immer wieder zur Demut mahnen und ein realistisches Menschenbild aufzeigen, das um Versagen und Verführung weiß, das klar macht: der Mensch ist Geschöpf und nicht Gott.“
Wichtig sei aber auch der Blick auf unsere Energieverwendung. Der jüngste Energiegipfel habe gezeigt, dass hier ein Umdenken dringend notwendig sei. Bei der Atomenergie gehe es nicht nur um eine politische Frage, sondern auch um die Verantwortung für die Schöpfung.

Landesbischöfin Käßmann erinnert dankbar daran, dass seit 1991 im Rahmen der landeskirchlichen Tschernobylhilfe insgesamt 20.000 Kinder, sowie Mütter mit Kleinkindern aus den am stärksten betroffenen Gebieten Weißrusslands für jeweils vier Wochen zu Gast in Kirchengemeinden der Landeskirche waren. Dies sei nicht nur ein Zeichen gewachsenen Vertauens sondern verlängere ganz konkret das Leben der Betroffenen.

Der Umweltbeauftragte der Landeskirche, Pastor Stephan Wichert-von Holten betont zum 20. Jahrestag der Katastrophe, dass die Landeskirche die Diskussion um die Nutzung der Atomenergie und die Atommüllproblematik begleitet und sich während der Sommersynode 2005 wiederum selbst dazu verpflichtet hat. „Daher sollten wir den 20. Jahrestag nicht allein rückwärts gewandt begehen. Der Aufbau einer nachhaltigen, umwelt- und generationengerechten Energieversorgung ist jedoch nicht allein eine Frage politischer Vorgaben und technischer Umsetzungen, keinesfalls ist sie technologiefeindlich,“ so Wichert-von Holten.
Synodenbeschlüsse weisen z. T. mutig den Weg zur Nutzung nachwachsender Rohstoffe und regenerativer Energien. Im kirchlichen Bereich bestehen noch große ungenutzte Energieeinsparpotenziale und Defizite bei der effizienten Verwendung von Energie. Als nächster Schritt wird noch in diesem Jahr die Einführung eines landeskirchenweiten Umweltmanagementsystems den Kirchengemeinden und kirchliche Einrichtungen Möglichkeiten eröffnen, ihren Energieverbrauch systematisch zu verringern.