Simone Liedtke wird Hochschulpastorin in der Evangelischen Studierendengemeinde Hannover

Nachricht 15. Mai 2018
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Foto: Jens Schulze/HkD

„Die Arbeit mit Kunstschaffenden hat mich inspiriert“, sagt Pastorin Dr. Simone Liedtke, die nach vier Jahren als Referentin für Kunst und Kultur das Haus kirchlicher Dienste (HkD) zum 31. Mai verlässt. Liedtke war Pastorin in der Kirchengemeinde St. Martin in Geismar in Göttingen und daneben mit einer Viertel-Pfarrstelle im HkD. Ab dem 1. Juni wird sie als Hochschulpastorin in der Evangelischen Studierendengemeinde Hannover sowie als Dozentin für Medienpädagogik im RPI Loccum tätig sein.

Liedtke war bereits 2013 als Sondervikarin in das Arbeitsfeld Kunst und Kultur gekommen. „Das war eine tolle Zeit“, erinnert sich die kunstbegeisterte Theologin. „In dem Jahr wurde die Ausstellung ‚ReFORMation‘ vorbereitet.“ Masterstudierende der ‚Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst‘ in Hildesheim (HAWK) entwarfen in diesem Kooperationsprojekt mit der Landeskirche Designobjekte zum Reformationsjubiläum. Daraus entstand eine Wanderausstellung, die von 2014 bis Anfang 2016 an vielen Orten in der Landeskirche gezeigt wurde und große Resonanz fand.

„In diesem ersten Jahr im HkD habe ich bereits viele Kontakte in der Landeskirche geknüpft“, so Liedtke. „Ich war immer wieder überrascht, was Gemeinden an Projekten auf die Beine stellen. Ganz egal, ob Dorf oder Stadt, an vielen Orten gibt es Menschen, die ihre Kirche und ihre Gemeinde lieben und sich für deren Bestehen ideenreich und tatkräftig einsetzen.“ Liedtke verstand sich dabei als Wegbegleiterin, die Gemeinden bei der Umsetzung von Projekten vor Ort unterstützt hat. „Wenn dann eines Tages die Einladung zu einer Eröffnung kam, war das immer ein schönes Gefühl!“, berichtet die 40-Jährige.

„Beeindruckt hat mich auch, dass Menschen aus allen Bildungsschichten und Altersgruppen sich durch Kunst anregen lassen. Entweder, indem sie selbst etwas gestalten, oder, indem Kunstwerke sie ins Erzählen bringen.“ So hat Liedtke zum Beispiel regelmäßig Kunstgottesdienste in der Emder Kunsthalle durchgeführt. Dort gab es zu einer Ausstellung zunächst einen Workshop, in dem die Teilnehmenden selbst kreativ werden konnten. Im anschließenden Gottesdienst öffnete sich die Predigt dann zu einem Dialog, in dem die Gottesdienstbesucher ihre Projekte vorstellen konnten. „Die Menschen begannen sich zu öffnen und von ihrem Glauben zu erzählen, von der Zuversicht, die er ihnen schenkt, aber auch von der Geduld, die er ihnen abverlangt“, erzählt Liedtke. „Das hat mich immer sehr bewegt.“ Dass zu einem Kunstgottesdienst kein Museum nötig ist, hat die Pastorin dann in ihrer Gemeinde in Geismar gezeigt. „Die Gemeindearbeit und die Referentenstelle im HkD haben sich ergänzt“, findet Liedtke. „Wenn wir im HkD Projekte geplant haben, dann konnte ich diese in meiner Gemeinde umsetzen, und die Rückmeldungen aus der Gemeinde und der Region Göttingen haben die Projekte im HkD beeinflusst.“

Mit dem „Kaleidoskop Reformation“ legte Liedtke eine Veröffentlichung vor, die unterhaltsam und prägnant Informationen zur Zeit der Reformation, dem Denken und Glauben der damaligen Zeit, zu Martin Luther und seinen Weggefährten bietet. „Viele Menschen haben eine Scheu, sich mit theologischen Themen wie denen der Reformation auseinanderzusetzen. Mir ging es darum, ihnen dazu Lust zu machen – durch eine ansprechende Publikation, bei der es durch eine Prise Lokalkolorit vielleicht auch den ein oder anderen Wiedererkennungseffekt gibt: ‚Guck mal, das ist ja der Altar aus unserer Kirche!‘“ Ein weiterer Schwerpunkt von Liedtke ist Filmarbeit. Die begeisterte Kinogängerin ist Mitglied im „Arbeitskreis Kirche und Film“ und möchte sich auch zukünftig in Seminaren oder Filmgottesdiensten mit Lebensthemen beschäftigen, die sowohl in der Theologie wie in der Erzählkunst des Kinos eine Rolle spielen. 

Vor Ihrer Zeit im Haus kirchlicher Dienste war Liedtke von 2011 bis 2013 Vikarin in der Martin-Luther-Gemeinde in Emden. Nach dem ersten theologischen Examen war sie von 2004 bis 2007 Repetentin im Gerhard-Uhlhorn-Konvikt in Göttingen und von 2007 bis 2011 Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Kassel im Fach Systematische Theologie. Während dieser Zeit promovierte sie über den Gottesbegriff des Sprachphilosophen Bruno Liebrucks.

„Bei meinen neuen Aufgaben werde ich meine bisherigen beruflichen Erfahrungen einbringen und gleichzeitig selbst noch Vieles dazulernen können“, freut sich die Theologin. Als Hochschulpastorin wird sie mit neuen Zielgruppen arbeiten, den rund 45000 Studierenden in Hannover, die über fünf Standorte verteilt sind. Sie hat schon beobachtet, dass jeder Standort seine ganz eigene Campuskultur hat. Als Dozentin in der Medienpädagogik wird es ihre Herausforderung sein, die Möglichkeiten moderner Medien so zu vermitteln, dass in Gemeinden und Schulen Haupt- und Ehrenamtliche gut damit arbeiten können.

Die Zusammenarbeit im Team des Arbeitsfeldes Kunst und Kultur hat Liedtke inspiriert und sie hofft auf weitere Kooperationen mit dem HkD auch in ihren neuen Arbeitsfeldern. „Aus der Arbeit im HkD nehme ich mit, wie lohnend es ist, sich und anderen gelingende Projekte zuzutrauen“, sagt Liedtke im Rückblick auf ihre Erfahrungen in den verschiedenen Kirchengemeinden. „Es gibt so viele Menschen, die den Mut aufbringen, kleine und große Projekte einfach anzupacken – und sich über das Gelingen freuen dürfen! Das macht mir Hoffnung für die Zukunft unserer Kirche!“

Dr. Simone Liedtke wird am kommenden Mittwoch, 16. Mai um 12 Uhr in der Andacht im Haus kirchlicher Dienste verabschiedet werden.

Text: Susanne Ruge/HkD