Schlaglichter der Reformation in Ostfriesland

Nachricht 01. März 2015

öso. Norden. „Auch Friesland wünscht Diener des Wortes“, schrieb Martin Luther 1522. Schon früh hielt die Reformation Einzug in Ostfriesland. Von den Anfängen der Reformation in Ostfriesland berichtet die Sonderausstellung im Norder Teemuseum. Bei der festlichen Eröffnung der Sonderausstellung in der Norder Ludgerikirche sagte Landessuperintendent Dr. Detlef Klahr, die Geschichte des Anfangs behalte Bedeutung dafür, wie wir heute den Glauben gestalten. „Mit uns schreibt Gott Geschichte“, das zeige diese Ausstellung, so Klahr. Der Regionalbischof für den Evangelisch-lutherischen Sprengel Ostfriesland-Ems dankte den Gemeinden, dass sie mit den Leihgaben diese Ausstellung ermöglichten. Das Abendmahlsgeschirr zeige das Zentrum des christlichen Glaubens. Im Abendmahl stifte Christus Gemeinschaft. Die Kelche stünden aber auch für die Abendmahlsstreitigkeiten. Dr. Klahr würdigte, dass heute zumindest innerhalb der protestantischen Kirchen gemeinsam Abendmahl gefeiert werden könne und bekam von den zahlreichen Besuchern dafür Applaus. Erstmals seien die fünf Kelche und vier Patenen, die Katharina von Wasa, Ehefrau von Gräfin Annas Sohn Edzard II. und schwedische Königstochter, der Schloßkirche in Aurich und den Gemeinden Hage, Loquard und Pewsum gestiftet hatte, an einem Ort zu sehen. Auf den Gemeindekelchen ist das Kruzifix mit dem gekreuzigten Christus abgebildet, undenkbar für reformierte Gemeinden, die aus schlichten Bechern das Abendmahl austeilen, so die Kuratorin der Ausstellung, Frauke Wiesendanner. An der Gestaltung der Kelche würden konfessionelle Unterschiede sichtbar. Die Ausstellung zeige eine Fülle einzigartiger Objekte, die vom Wechselspiel der Reformation in Ostfriesland erzählen, so Wiesendanner. Schlaglichtartig werden die verschiedenen Grafen und ihr Handeln vorgestellt. Am Ende konnte sich kein Graf und keine Konfession durchsetzen.

Auch durch die Reformation sei Ostfriesland „heel wat besünners“, sagte die Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann. Ohne die Friesische Freiheit würde es die religiöse Pluralität nicht geben. Beides sei kennzeichnend für diese Region. „Ostfriesland ist mehr als Platt, Mehlpütt und Boßeln! Wir sind einmalig!“, betonte die gebürtige Ostfriesin. Connemann zeigte sich davon überzeugt, dass Luther sich in Ostfriesland wohl gefühlt hätte, weil auch der Freiheitsbegriff für Luther von zentraler Bedeutung gewesen sei. „Durch seinen Thesenanschlag wurde die Welt verändert“, sagte Connemann. Es sei ein Ereignis, das am Ende in seiner kulturellen und politischen Auswirkung weltgeschichtliche Bedeutung hatte. So habe der Bund gerne die Hälfte der Finanzierung der Ausstellung übernommen. Schließlich hatte der Bundestag im Jahr 2007 die Lutherdekade beschlossen und nimmt sich des Lutherjubiläums 2017 besonders an. Diese Ausstellung zeige in besonderem Maße, wenn es um Ostfriesland geht, dann gehe es immer auch um die Freiheit: „Eala frya fresena!“ Eine politische Entwicklung aus der Zeit um 1100, die es in dieser Form in Europa nicht gab und diese Region bis heute präge.

Die Norder Bürgermeisterin Barbara Schlag dankte dem Leiter des Teemuseums, Dr. Matthias Stenger, dass er und sein Team erst vier Monate nach der Wiedereröffnung des umgebauten Teemuseums diese Ausstellung fertig gestellt hatten. Für die regionale Identität sei die Religion in ihren unterschiedlichen Ausrichtungen prägend gewesen. So sei das Teemuseum seinem Anspruch, Vermittlerin von Stadt und Regionalgeschichte zu sein, nachgekommen.

Der Norder Superintendent Dr. Helmut Kirschstein unternahm in seiner Eröffnungsrede einen persönlichen Brückenschlag, um die Aktualität der reformatorischen Entwicklungen spürbar werden zu lassen und stellte sechs persönliche Schlaglichter der Reformation vor. Mit Gebet und Segen eröffnete Kirschstein die Sonderausstellung.

Dr. Matthias Stenger dankte allen, die an der Ausstellung mitwirkten und sie finanziell ermöglicht hatten. Dazu gehört neben dem Bund auch die Hanns-Lilje-Stiftung, der Evangelisch-lutherische Sprengel Ostfriesland-Ems, die Klosterkammer Hannover und weitere Stiftungen und Organisationen.

Die Sonderausstellung läuft bis zum 30. September 2015 im Norder Teemuseum.

(Hannegreth Grundmann)