Bild: Jens Schulze

Luther und die Freiheit

Tagesthema 03. November 2017

Tausende evangelische und katholische Schüler feiern gemeinsam Reformationsjubiläum

Der Würfel zeigt eine Fünf und Charlotte muss ihre Spielfigur ins "Fegefeuer" ziehen. "Macht nichts", ruft die 15-Jährige, "ich habe einen Ablassbrief gekauft und darf das Fegefeuer sofort wieder verlassen". Zusammen mit zwei Freundinnen spielt sie ein Spiel zur Reformation, das ein wenig an "Monopoly" erinnert. Es ist eines von 83 Schülerprojekten.

Knapp 60 Projekte stellen sich am Donnerstag beim "Reformation Day and you" in Lingen rund 3.300 Schülern vor. "Eigentlich ist das mit dem Ablassbrief und dem Fegefeuer doof", sagt Charlotte: "Im Reli-Unterricht haben wir von Luther gelernt, dass Ablassbriefe nichts bringen und Gott uns vergibt, wenn wir Bockmist gebaut haben und es nachher richtig bedauern." 

Mehr als 1.000 Schüler der Jahrgänge neun bis zwölf aus den Landkreisen Emsland und Grafschaft Bentheim haben sich unter der Überschrift "Wir gestalten Reformation" im vergangenen Schulhalbjahr intensiv mit dem 500. Reformationsjubiläum auseinandergesetzt. Sie entwickelten in zum Teil fächerübergreifenden Lerngruppen Filme, Theaterstücke oder Gedichte. Damit bewarben sie sich um einen der "Reformation-Day-Preise" des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Emsland-Bentheim, sagt Öffentlichkeitspastor Ulrich Hirndorf. Entstanden seien auch Vorträge, Musikstücke, Spiele und Fotoprojekte und sogar eine ganze Unterrichtseinheit darüber, wie angehende Heilpfleger in einfacher Sprache Menschen mit geistigen Behinderungen Martin Luther und seine Ideen erklären können. Die Schüler der Berufsbildenden Schule Gesundheit und Soziales in Nordhorn erhielten dafür einen der insgesamt 13 Preise zu je 1.000 Euro.

"Ein Crashkurs zum Thema Reformation"

Auch der hannoversche Landesbischof Ralf Meister informierte sich über die Schülerbeiträge auf einem Markt der Möglichkeiten. "Das ist schon ein extrem komprimierter Crashkurs zum Thema Reformation, der Luthers damalige Anliegen mit der Gegenwart verbindet", sagt er.

Der evangelisch-reformierte Kirchenpräsident Martin Heimbucher zeigt sich beeindruckt von der hohen Qualität der Beiträge. Der Osnabrücker katholische Bischof Franz-Josef Bode verweist auf die Ökumene: An den Projekten hätten sich evangelische und katholische Schüler und Schulen gleichermaßen beteiligt: "Auch dass sich drei leitende Theologen unterschiedlicher Konfessionen auf einer Bühne vor Tausenden Schülern einträchtig über Luthers Kernaussagen unterhalten, war vor 20 Jahren noch nicht denkbar."

Die Auseinandersetzung mit der Reformation hat auch auf die Schüler gewirkt. "Ich habe es eigentlich nicht so mit Glaubensdingen", räumt der 22-jährige Luca aus Nordhorn ein. Doch Luther und seine Thesen hätten ihn schwer beeindruckt. "Seine Idee von der Freiheit betrifft eigentlich jeden Menschen. Dadurch habe ich erst unser Grundgesetz richtig verstanden."

Bei Musik, einem Poetry-Slam und zahlreiche Mitmachaktionen ging es beim Reformation-Day zu wie bei einem großen Fest. "Das ist fast schon wie in Berlin beim Kirchentag", schwärmt Julia (17). Ihr Klassenkamerad Thorben stimmt ihr zu: "So was könnte ruhig öfter stattfinden."

Am Ende des Tages treffen sich alle 3.300 Schüler wieder in der Emsland-Arena zur Preisverleihung und einem gemeinsamen "Vater unser"-Gebet. "Da kriegt man schon Gänsehaut", sagt Julia.

Jörg Nielsen (epd)

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