Bild: knallgrün / photocase.com

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Die Hilfe-Sammlerin

Tagesthema 30. Juli 2015

Birte Vogel trägt online Unterstützungsangebote für Flüchtlinge zusammen

Birte_Vogel
Birte Vogel. Bild: epd-Bild

In Erfurt sammeln Engagierte Fahrräder für Flüchtlinge. In Bremerhaven gibt es ein Musikprojekt für geflüchtete Kinder. Und in Marburg geben Studentinnen Deutschkurse. Solche Initiativen sammelt Birte Vogel auf ihrer Internetseite „wie-kann-ich-helfen.info“. Sie stellt die Angebote in einem kurzen Blogbeitrag vor und verlinkt sie auf einer Online-Karte bei Google Maps.

Die Geschichte beginnt im Oktober vergangenen Jahres. Die freie Journalistin, die für Medien und Unternehmen arbeitet, sucht in ihrer Umgebung rund um Sandstedt nördlich von Bremen nach Projekten, die Flüchtlinge unterstützen. „Ich habe nichts gefunden“, erinnert sich Vogel. „Ich dachte mir: Ein Informationsportal mit einer Übersicht wäre gut.“

Rasch setzt sie einen Blog auf und beginnt zu suchen, vor allem im Internet. Schnell hat sie ein paar Beispiele zusammen. „Ich hatte nur eine schemenhafte Vorstellung davon, wie viel Arbeit das werden könnte“, erinnert sie sich heute und lacht. Freunde und Bekannte senden ihr weitere Hinweise, das Angebot wächst. Immer mehr farbige Punkte für neue Projekte ergänzt sie auf der Google-Karte. Ihre Motivation: „Ich wollte eine Anlaufstelle für Menschen in ganz Deutschland schaffen, die sich engagieren möchten.“

Inzwischen sei das Ziel erreicht, freut sie sich. Mehr als 250 Initiativen hat sie zusammengetragen. Im Durchschnitt klickten mehrere tausend Menschen pro Tag auf ihre Seite, sagt Vogel. Die Nichtregierungsorganisation Pro Asyl unterstützt ihr Angebot.

Vogels Eindruck: „Unwahrscheinlich viele Menschen in Deutschland möchten Flüchtlingen helfen. Sie tun dies mit warmem Herzen.“ Trotz der Nachrichten über immer mehr Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte oder Proteste gegen Asylbewerberheime. Sie glaube, dass es eine Gegenbewegung gibt, sagt Vogel: „Viele Menschen engagieren sich, um Hürden aus dem Weg zu räumen, an denen Geflüchtete scheitern. Es ist aber eine stille Bewegung. Die Engagierten ackern vor sich hin. Und die Medien berichten leider nicht so oft darüber.“

Die Vielfalt des Engagements ist nach Vogels Erfahrungen sehr groß. Zahlreiche Menschen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen hätten sich bei ihr gemeldet. Manche bieten Deutschunterricht an. Andere besorgen Möbel. Wieder andere begleiteten Neuankömmlinge beim Gang zum Arzt. „Ich möchte gar kein Projekt hervorheben“, sagt Vogel. „Jeder kleine Schritt ist wertvoll.“

Matthias Klein (epd)

„Wie geht das hier?“

Flucht
© angieconscious / pixelio.de

„Ich freue mich sehr über Ihr Interesse an „Wie kann ich helfen?“ bzw. der Hilfe für Flüchtlinge in Deutschland! In diesem Blog stelle ich Hilfsprojekte vor, die mir aus der Bevölkerung gemeldet werden oder die ich selbst recherchiere.

Sie können über das Suchfeld rechts oben sowie auf der Übersichtskarte nach Projekten und Orten suchen, oder sich über die Kategorien und Schlagworte (s. rechte Leiste) zu neuen Ideen für Projekte inspirieren lassen. Ich versehe alle Postings nach Möglichkeit mit einem Link zur Projekt-Website oder Facebook-Seite, damit Sie sich dort weiter informieren können.“

Birte Vogel (Journalistin)

Zum Blog „wie-kann-ich-helfen.info“

„Festung Europa“

Die Flüchtlingspolitik steht bei der Evangelischen Akademie Loccum bei Nienburg im Mittelpunkt des zweiten Halbjahrs 2015. Von September bis Dezember beschäftigen sich drei Tagungen mit diesem Thema, wie die Akademie mitteilte. So geht es vom 2. bis 4. Oktober um zentrale Fragen der europäischen Flüchtlingspolitik wie ein länderübergreifendes Aufnahme- und Ausgleichssystem oder ein einheitliches Anerkennungsverfahren.

Eine Tagung vom 30. September bis zum 2. Oktober fragt danach, wie kirchliche und nichtkirchliche Akteure bei der Aufnahme der Flüchtlinge gut zusammenarbeiten können. Eine Tagung für Schülerinnen und Schüler beleuchtet Anfang September zudem die „Festung Europa“ als Ziel für Flüchtlinge.

Weitere Informationen zur Tagung in Loccum

Zahnmobil für Flüchtlinge

Das "Zahnmobil" für wohnungslose Menschen in Hannover soll zukünftig mindestens auch ein Flüchtlingsheim versorgen.

Die Initiatoren, das Ruhestandsehepaar Ingeburg und Werner Mannherz, fahren seit 2012 gemeinsam mit 30 ehrenamtlich tätigen Zahnärzten und zwölf Helfern an zwei Tagen in der Woche sechs Stationen in Stadt und Region Hannover an. "Die Zahl der unversicherten Personen steigt seit Beginn des Projektes stetig an", sagte Werner Mannherz.

Bisher haben sich mehr als 1.300 Patienten aus mehr als 22 Herkunftsländern behandeln lassen.

epd

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